Stralendorfer Scheunendrescher : Talkmaster holt Promis ins Dorf

An die Begegnung mit Ute Freudenberg erinnert sich Jürgen Seidel als Gastgeber gern.
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An die Begegnung mit Ute Freudenberg erinnert sich Jürgen Seidel als Gastgeber gern.

Jürgen Seidel plaudert mit Künstlern, Politikern und Persönlichkeiten aus der Region

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03. März 2016, 23:25 Uhr

Es ist zwar schon ein halbes Jahr her, als Jürgen Seidel die Sängerin Ute Freudenberg beim „Stralendorfer Scheunendrescher“ zu Gast hatte – aber die Erinnerungen daran sind sehr lebendig. „Mit ihr zu plaudern war ein Genuss. Es gab keine Tabus.“ Und sie staunte nicht schlecht, dass der Gastgeber bestens vorbereitet war. Er hatte ihr Erinnerungsbuch „Jugendliebe“ nicht nur einmal, sondern mehrfach gelesen. Wie bei der Sängerin, so bereitet sich Seidel immer äußerst gründlich vor, sichtet auch entlegene Quellen. Freudenberg hat Privates preis gegeben, aus Kindheit und Jugendzeit erzählt. Ebenso aus der Zeit, als sie vor der Wende in den Westen gegangen war.

Den „Stralendorfer Scheunendrescher“ gibt es seit 2009. Ins Leben gerufen wurde diese ländliche Talkrunde von Jürgen Seidel. „Und anderen Mitstreitern des Dorfvereins, der zur 675-Jahr-Feier gegründet worden ist“, betont er. Anliegen ist es, Leute aus dem Ort zusammen und miteinander ins Gespräch zu bringen. Dazu braucht es eine geeignete Plattform. Deshalb besteht der „Scheunendrescher“ gewöhnlich aus drei Teilen: einer ersten Talkrunde, einer zweiten Talkrunde und dazwischen einer langen Pause zum Essen und Trinken – aber vor allem zum miteinander Reden. „Und ich habe selber schon gehört, dass die Leute sagen: ,Wir treffen uns dann beim nächsten Scheunendrescher.’ Also: Die Konzeptidee geht auf“, freut sich der 58-Jährige.

Zum Erfolgskonzept gehören die Mitwirkenden: die „Musiküsse“ Dirk Hammerich (Klavier) und Ingolf Drabon (Saxofon) sowie die rustikale Versorgung durch den Landgasthof-Chef Alfred Siering und sein Team.

Jürgen Seidel erinnert sich aber nicht nur gern an Ute Freudenberg. In der Amtsscheune saßen unter anderem schon der Fliegerkosmonaut Siegmund Jähn, der Politiker Björn Engholm, die Sänger Muck, Veronica Fischer und Wolfgang Ziegler, die Polizeiruf-Kommissare Jaecki Schwarz und Wolfgang Winkler sowie die Kriminaltechnikerin Marie Gruber, der Ex-Intendant der Festspiele MV, Dr. Matthias von Hülsen, einige SCC-Volleyballerinnen, Schwerins Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow, Schauspiellegende Ekke Hahn und die Bestseller-Autorin Martina Rellin. Sie ist nächste Woche erneut zu Gast in der Amtsscheune und präsentiert am 8. März beim „Lesecafé“ ihr Buch „Göttergatten“. Einige Restkarten gibt es noch der Abendkasse.

Wie gelingt es ihm, Prominente ins Dorf zu holen? Seidel: „Ich habe drei Geheimräte. Die heißen Ausdauer, Geduld und Glück. Denn ohne eine Portion Glück gehts oft nicht.“ Inzwischen spricht die Veranstaltungsreihe für sich selbst und ist gewissermaßen ihre eigene Referenz, so Seidel. Aber natürlich gibt es auch nach dem 15. Scheunendrescher, zu dem am 15. April unter anderem Gojko Mitic kommt, noch jede Menge Wunschgäste: Gauck und Gysi würde er gern begrüßen, die beiden Glücksforscher Florian Langenscheidt und Manfred Lütz sowie Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig und die Landstallmeisterin Anke Kerber aus Redefin.

Ebenso wichtig sind ihm einheimische Gäste. So kommen zum nächsten Scheunendrescher auch Ute und Torsten Zeigert, Husky-Sportler und Norddeutsche Meister aus Stralendorf. Und immer wieder mal sitzt auch Bürgermeister Helmut Richter, ein großer Unterstützer der Veranstaltungsreihe, mit in der Runde.

Nach den zwei Stunden Scheunendrescher sei er glücklich erschöpft und immer wieder froh, dass die Gäste miteinander sowie über Gott und die Welt ins Gespräch gekommen sind. Viermal im Jahr gibt es die Talkshow: meist im März, Mai, September und November. Jürgen Seidel ist Journalist und Kommunikationstrainer, Rhetorik-Lehrer und Glücksforscher und weiß daher, wie man Leute zum Reden bringt – zum Vergnügen des Publikums.

Der Talkmaster lebt seit 2004 in Stralendorf und ist Gründungsvorsitzender des Vereins „675 Jahre Stralendorf“, der 2009 zum Dorfjubiläum gegründet wurde. Ihm zur Seite als Stellvertreterin steht seit einem Jahr seine Lebensgefährtin Monika Schröder. Beide fühlen sich in der Gemeinde sehr wohl und im wahrsten Sinne des Wortes zu Hause.

„Auch wenn überall die Preise steigen, bei uns bleiben sie stabil: 6,75 Euro pro Eintrittskarte. Das ist zum einen eine Anspielung auf den Vereinsnamen und zum anderen pure Absicht“, betont Seidel. „Schließlich soll sich auch jeder Stralendorfer den Besuch des Scheunendreschers leisten können.“

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