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Schwerin : Taler und Punkte: Lindgrenschule will Schüler anspornen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ungewöhnliche Motivationskonzepte sind bei Eltern aber offenbar nicht unumstritten

von
erstellt am 04.Mai.2016 | 12:00 Uhr

Neu Zippendorf Fleißige Schüler werden an der Astrid-Lindgren-Schule in Neu Zippendorf belohnt – mit dem „Lindgren-Taler“.  Wer in einem Schuljahr in allen Fächern alle seine Hausaufgaben erledigt hat, kann in einem Fach seiner Wahl seine Note um       eine Stelle verbessern, also zum Beispiel aus einer 3 noch eine 2 machen.   Diese Idee steht hinter dem Taler. „Seit wir den Lindgren-Taler eingeführt haben, geben sich die Schüler bei den Hausaufgaben eindeutig mehr Mühe“, sagt Schulleiter Peter Metzler.

Und der Lindgren-Taler ist nicht das einzige Motivationskonzept an der Regionalschule mit Grundschulteil in der Tallinner Straße. „SegeL“, so nennt sich ein anderes Konzept. „SegeL“ stehe für „selbstgesteuertes Lernen“, erklärt Metzler. Durch engagiertes Arbeiten auch in neuen Fächern wie  Methoden lernen, Üben und begreifen,  Aufeinander zugehen  und Kommunikationstechniken könnten die Schüler Punkte sammeln, mit denen sich eine Note in einem Fach verbessern lasse. Wer also in einem Fach auf 3,6 stehe, bekomme bei der entsprechenden Zahl von Punkten noch eine 3 statt einer 4, so der Schulleiter.

Metzler sieht seine Schule mit den beiden „motivationsgestützten Leistungsanreizen“ durchaus auf einem preisverdächtigen Weg. In der Elternschaft allerdings sind sie offenbar nicht unumstritten. So erreichte unsere Redaktion der offene Brief eines Vaters, der den pädagogischen Nutzen von „Lindgren-Taler“ und „SegeL“ erheblich anzweifelt.

„Mit Entsetzen habe ich wieder einmal zur Kenntnis nehmen müssen, dass sich die Astrid-Lindgren-Schule scheinbar nicht wirklich um das schulische Ergebnis der Schüler kümmert. Statt dessen werden ominöse Konzepte entwickelt, in denen sich die Kinder ihre Schulnoten ,erkaufen können‘“,  lautet die  Kritik des Vaters. Statt sich um die Belange der einzelnen Schüler zu kümmern, mache es sich die Schulleitung leicht, so könnten Schüler bei „SegeL“ auch noch Punkte für eine bessere Note sammeln, wenn ihre  Eltern sich regelmäßig für schulische Angelegenheiten interessierten. „Wie kann es sein, das die Leistung des Kindes über das Verhalten der Eltern beurteilt wird? Ist das unser ,neues‘ Schulsystem?“, fragt der Vater. Schon in der Vergangenheit habe die Leitung der Lindgrenschule „mit ,hoher Kreativität‘ geglänzt“, um das Niveau an der Schule anzuheben, etwa ein Toilettenverbot während des Unterrichts ausgesprochen.

Schulleiter Metzler zeigt sich verwundert über die Vorwürfe. Der Brief des Vaters sei ihm nicht bekannt, sagt er. „Wir haben im Februar in einer Umfrage  zu den Modalitäten unseres Konzepts  etwa 500 Rückantworten von Eltern erhalten. Lediglich  22 äußerten Bedenken oder kritische Ansätze.“ Darüber hinaus bleibe festzuhalten, dass die Teilnahme an den  motivationsgestützten Leistungsanreizen  für  keinen Schüler verpflichtend sei, so dass die Eltern und das Kind in dieser  Hinsicht nicht in einem Muss gefangen seien. Grundsätzlich rechtfertigt der Schulleiter aber den Versuch, die Eltern einzubeziehen.  „Wir sind auf die Mitarbeit der Eltern angewiesen“, betont er. Durch das Punktesystem bei „SegeL“ werde ein zusätzlicher Anreiz für die Erziehungsberechtigten geschaffen, sich mit dem Thema Schule zu befassen.

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