Neuer Tarif für Schweriner Betreuer : Tagesmütter wollen mehr Geld

Die Schweriner Tagesmütter und -väter feiern jedes Jahr gemeinsam ein Kinderfest.
Die Schweriner Tagesmütter und -väter feiern jedes Jahr gemeinsam ein Kinderfest.

Stadtverwaltung hat einen Vorschlag für die Vergütung vorgelegt, der bei Betreuern und in der Stadtvertretung auf Kritik stößt

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24. Juni 2016, 05:00 Uhr

Liebevoll kümmert sich Annette-Dorothea Dangelat um die Kinder, die die Eltern ihr als Tagesmutti Tag für Tag anvertrauen. Spielen, vorlesen, basteln, matschen und vieles mehr steht auf dem Tagesprogramm. Es gibt ein gesundes, selbst gekochtes Essen, täglich geht es nach draußen. Für all das bekommt Annette-Dorothea Dangelat 506,13 Euro für einen Ganztagsplatz im Monat. Ab dem 1. August sollen es 525,71 Euro sein. Das jedenfalls schlägt die Stadtverwaltung in einer Beschlussvorlage der Stadtvertretung vor. Doch es regt sich Kritik.

„Wir Tagesmütter und -väter freuen uns über die Erhöhung, sagt Dangelat. „Zufrieden sind wir nicht.“ Sie weiß sich eins mit den anderen 68 Tagesmüttern und -vätern, die in Schwerin insgesamt 266 Kinder betreuen. „Unsere Betriebskosten wurden nicht in voller Höhe berücksichtigt.“

Außerdem möchten die Betreuer nach dem Tarif für den Sozial- und Erziehungsdienst bezahlt werden – nach Tarifgruppe S4. „Wir sind Einzelkämpfer, haben andere und mehr Aufgaben als beispielsweise eine Krippenerzieherin“, sagt Annette-Dorothea Dangelat. „Und wir sind echte Bezugspersonen in kleinen Kindergruppen.“

Die Stadtverwaltung, die die Platzkosten für die so genannten Tagespflegepersonen festlegt und nicht wie mit den Trägern der Kitas aushandelt, sieht das anders. „Tagesmütter und -väter müssen nur einen 450-Stunden-Lehrgang besuchen und brauchen keine reguläre Erzieherausbildung“, begründet Manuela Gabriel, Fachgruppenleiterin im Jugendamt, das Vorgehen der Stadt. Bei der Tagespflege gehe es eher um ein „kuschliges Familienangebot“ als um eine einer Kita adäquate Betreuung.

Und die Betriebskosten seien an die Sachkosten der Kindertagesstätten und an den offiziellen Mietspiegel „angelehnt“. Ein Begriff, den Gabriel auch für die Personalkosten der Tagesmütter und -väter benutzt.

Unterstützung bekommen die Tagesmütter und -väter von den Unabhängigen Bürgern. Sie wollen eine „leistungsgerechtere Vergütung“ erreichen. Von der Verwaltung fordern sie, „für die Sachkostenermittlung gemeinsam mit der Interessengemeinschaft Kindertagespflege eine betriebswirtschaftliche Kalkulationsgrundlage zu erstellen und für Personalkosten eine höhere Stufe zu prüfen“.

„Viele der 69 Tagesmütter in Schwerin fühlen sich von der Stadt ungerecht behandelt. So erhalten sie nur knapp 80 Euro Sachkostenaufwand pro Ganztagskind, obwohl die tatsächlichen Kosten weitaus höher liegen. Es fehlt seit Jahren an einer verlässlichen Datenbasis hierfür“, erklärt Silvio Horn, Fraktionsvorsitzender der Unabhängigen Bürger. „Hinzu kommt, dass der Personalaufwand derzeit nur in Anlehnung an die Vergütungsgruppe S3 gewährt wird, was einer Hilfskraft ohne Verantwortung gleichkommt. Und dass, obwohl es Empfehlungen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zur Einstufung nach S4 gibt.“ Mit der gegenwärtigen Vergütung wird nach Ansicht der Unabhängigen Bürger in Einzelfällen nicht einmal Mindestlohnniveau erreicht.

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