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Zeitung für die Landeshauptstadt

13. Dezember 2017 | 06:34 Uhr

Kritik : Tagesmütter wollen gerechten Lohn

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Interessengemeinschaft kritisiert Beschluss der Stadtvertreter: Neue Pflegesätze müssten Qualifikation stärker berücksichtigen

von
erstellt am 29.Jul.2015 | 08:00 Uhr

Vom 1. August an erhalten die rund 70 Tagesmütter in der Landeshauptstadt mehr Geld. Zum ersten Mal seit 2007 werden die Pflegesätze angehoben. So beschlossen es die Stadtvertreter. Ein überfälliger, aber bei weitem nicht ausreichender Schritt, meint die „Interessengemeinschaft Kindertagesförderung Schwerin“, die sich für die Rechte der Tagesmütter einsetzt. „Seit Jahren wurden wir von Politik und Verwaltung einfach vergessen“, sagt die Tagesmutter Susanne Kuhlmann von der Interessengemeinschaft.

Dabei haben die Schweriner Tagesmütter durchaus auf ihre Situation aufmerksam gemacht. „Wir trugen die Probleme vor mehreren Ausschüssen vor, schrieben eine schriftliche Stellungnahme, machten auf nicht eingehaltene Gesetze aufmerksam, verwiesen auf jahrelang gezahlte Bundesgelder, welche nie bei uns ankamen und forderten die Eingruppierung in den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst, Sozial- und Erziehungsdienst“, heißt es in einer Erklärung der Interessengemeinschaft.

Nach dem Beschluss der Stadtvertreter bekommen die Tagesmütter nun für die Betreuung von sechs Kindern in zehn Stunden gut 2554 Euro im Monat. „Mit diesem Ansatz wird der Qualifikation der Tagespflegeperson in vertretbarer Weise Rechnung getragen“, heißt es von der Stadtverwaltung. Da auch höhere Ansätze für Sach- und sonstige Kosten von den Stadtvertretern bestätigt wurden, steigen die Kosten für die Betreuung durch eine Tagesmutter von 466 Euro für einen Ganztagsplatz auf 506,13 Euro. Der Elternanteil erhöht sich dadurch um knapp 15 Euro (SVZ berichtete).

Die Interessengemeinschaft der Tagesmütter macht allerdings eine andere Rechnung auf. Tagespflegepersonen dürften höchstens fünf und nicht sechs Kinder betreuen. „Der Höchstverdienst beträgt 2530,65 Euro, nicht 2554 Euro“, heißt es in der Erklärung. Hinzu komme: „Viele Tagespflegepersonen betreuen keine fünf Ganztagskinder. Einige betreuen Teilzeit, andere nur zwei bis vier Kinder, also erhalten diese Tagespflegepersonen nicht mal Mindestlohn.“ 15 Euro mehr Elternbeitrag seien gar nichts im Vergleich zu den seit acht Jahren gestiegenen Krippengebühren. Schließlich: „Als Selbstständige bezahlen wir höhere Beiträge für Versicherungen als Privatpersonen. Auch Einrichtungsgegenstände, Spielzeug, Kinder- karren und vieles mehr wird von uns gezahlt.“

Das Bundesfamilienministerium empfehle unter anderem, die Vergütung nach Qualifikation zu staffeln, was in Schwerin leider nicht erfolgt, so die Tagesmütter. „Andererseits wird in ganz Deutschland bessere Qualifikation gewünscht und gefordert. Wir streben bessere Qualifikationen an, möchten dafür aber leistungsgerecht vergütet werden.“

Tagespflegepersonen leisteten die gleiche Arbeit wie Erzieherinnen – für bedeutend weniger Vergütung und längere Arbeitszeiten, betont die Interessengemeinschaft, die sich auch darüber beklagt, dass Bundesgelder für Tagespflege nicht an die Schweriner Tagesmütter weitergeleitet worden seien. „Aus diesem Grund möchten wir rückwirkende Leistungen ab 1. Januar ohne Elternbeitrag.“ Tagesmutter Susanne Kuhlmann: „Von uns wird viel verlangt, auch in punkto Ausbildung, und es sollte auch angemessen vergütet werden.“






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