Warum sich Schwerin keine zwei Schwimmhallen leisten kann : Tage für Lankower Badespaß gezählt

<fettakgl>Vor allem Vereine und Schüler nutzen die Schwimmhallen. </fettakgl>Jetzt in den Ferien bereiten sich vier bis sieben Jahre alte Kinder in Lankow auf die Seepferdchenprüfung vor. Außerhalb solcher Kurse springen Schweriner  eher selten in die 25-Meter-Becken. <foto>Klawitter</foto>
Vor allem Vereine und Schüler nutzen die Schwimmhallen. Jetzt in den Ferien bereiten sich vier bis sieben Jahre alte Kinder in Lankow auf die Seepferdchenprüfung vor. Außerhalb solcher Kurse springen Schweriner eher selten in die 25-Meter-Becken. Klawitter

Die alte weg, die neue her - im Frühjahr 2013 sollen die Bagger die Schwimmhalle am Großen Dreesch einreißen. Keine Sauna und nur noch ein Bad für 93 000 Schweriner - mit diese Lösung schwimmen längst nicht alle mit.

svz.de von
19. März 2013, 03:28 Uhr

Schwerin | Die alte weg, die neue her - im Frühjahr 2013 sollen die Bagger die Schwimmhalle am Großen Dreesch einreißen. Keine Sauna, nach der Schließung der Lankower Halle gibt es auch weniger Wasserfläche in der Stadt und nur noch ein Bad für 93 000 Schweriner - mit diese Lösung schwimmen längst nicht alle mit. Werden zwei 25-Meter-Schwimmbecken den Ansprüchen einer Landeshauptstadt überhaupt gerecht oder sitzen Schwimmvereine bald auf dem Trockenen?

Knapp 90 000 Besuche von Schwimmschülern und Vereinssportlern verbuchen die Bäder pro Jahr. Dazu kommen 60 000 Besuche von Freizeit-Wasserratten. Nach der Zählung der Verwaltung müssen vor allem Verein und Schulen in der neuen Halle zusammenrücken und weiterhin für die Medaillienjagd in anderen Städten trainieren, nicht in Schwerin. "Das einzige 50 Meter lange Wettkampfbecken in Mecklenburg-Vorpommern haben wir in Rostock", erzählt Erik Großmann, Abteilungsleiter vom Polizeisportvereins (PSV). Ein 50-Meter-Becken, ein Raum für Zuschauer und Wettkampfteilnehmer sowie ein Athletikraum für Kraftraining an Land - seine ideale Schwimmhalle bleibt weiterhin ein Traum. In der Stadt der sieben Seen stehen in Lankow und auf dem Großen Dreesch zwei sanierungsbedürftige Schwimmhallen aus den 70er-Jahren - "und teilweise regnet es schon rein", sagte Sportlehrer Thomas Schäfer bereits vor gut einem Jahr über den Zustand des Dreescher Baus.

Während sich der Zustand der Bäder weiter verschlechtert, hatte die Verwaltung in den vergangenen Jahren mehrere Schwimmhallen-Luftschlösser gebaut. Angefangen bei einem Thermalbad-Traum in Krebsförden aus dem Jahr 2003, der jährlich 300 000 Besucher anlocken sollte. Kostenfreies Schul-, günstiges Vereinsschwimmen - etwa 30 Millionen Euro wollte die Kristall AG in Schwerin investieren. Die Pläne versiegten schnell, auch angesichts der ehrgeizigen Besucherzahlen. 2007 untersuchte die Verwaltung und diskutierten die Politiker mehrere Varianten, darunter die Übernahme der Bundeswehr-Schwimmhalle in Stern Buchholz und einen Neubau am Sportpark Lankow. Einige Schweriner riefen die Bürgerinitiative "Rettet die Schwimmhallen" ins Leben. Die Diskussion drehte sich mittlerweile in der Kernfrage wieder um die beiden Schwimmhallen. Landesinnenminister Lorenz Caffier (CDU) rief zur Raison. Die Einwohnerzahl Schwerins sei seit dem Jahr 1990 von 130 000 auf 93 000 Bürger gesunken, die Stadt müsse ihre Ansprüche an den Bedarf anpassen. Hieß im Klartext: Zwei Schwimmhallen sind überzogen. Die Wellen schlugen hoch. Doch die Zahlen sprachen für sich. Die Sanierungskosten der Schwimmhalle auf dem Großen Dreesch aus dem Baujahr 1974 wurden auf 5,5 Millionen Euro geschätzt. Die Instandsetzung des baugleichen Lankower Komplexes aus dem Jahr 1976 auf noch einmal so viel. Gesamtkosten: elf Millionen Euro. Doch damit müsste die Stadt weiter den Zuschuss für die Betriebskosten von etwa 750 000 Euro pro Jahr tragen. Ein Neubau würde diesen nach einem Gutachten um 15 Prozent schrumpfen lassen. Das erschien den Kommunalpolitikern attraktiv, angesichts der stetig klammen Stadtkasse. Im März 2011 hob die Mehrzahl der Stadtvertreter ihre Hände für einen Ersatzneubau auf dem Großen Dreesch. Die Endversion kostet nun neun Millionen Euro netto, etwa 10,7 Millionen brutto, verfügt über 660 Quadratmeter Wasserfläche, aber keine Sauna. Einer solchen Landschaft grub die finanzielle Situation mit der Zeit das Wasser ab.

So hatte Schwerin seit dem Jahr 2003 um die Zukunft der Schwimmhallen gerudert. Und die Bäderpläne reihen sich in die Pläne der Landeshauptstadt, ihre Sportstätten auf Vordermann zu bringen. Nachdem die meisten Sporthallen in den vergangenen Jahren saniert worden sind, will Schwerin jetzt auch den Sportpark Lankow mit einem Fußballzentrum in Angriff nehmen. Dort sollen mehrere Millionen fließen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen