zur Navigation springen
Zeitung für die Landeshauptstadt

12. Dezember 2017 | 21:06 Uhr

Jugendgewalt : SVZ-Leser fordern harte Strafen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Raubüberfall auf eine Zwölfjährige im Parkhaus und Gully-Attacke im Mueßer Holz lösen heftige Debatte aus

svz.de von
erstellt am 04.Sep.2014 | 21:30 Uhr

Sollen auch minderjährige Gewalttäter härter bestraft werden? Nach dem brutalen Raubüberfall auf ein zwölfjähriges Mädchen im Parkhaus des Schlosspark-Centers – die mutmaßliche Täterin ist 14 Jahre alt – und das Einsperren eines Zehnjährigen in ein Gullyloch durch einen Elfjährigen ist die Diskussion entbrannt. In einer Umfrage auf unserer Internetseite fordern mehr als 80 Prozent der Teilnehmer eine härtere Bestrafung von jugendlichen Gewalttätern.

„Viel zu oft und zu lange werden Bewährungsstrafen und Sozialstunden verhängt. Das schreckt keinen mehr ab. Härtere Gesetze und deren strikte Umsetzung müssen her“, schreibt Leser Danny Harnisch auf unserer Facebook-Seite. Wenn man Jugendlichen „von vornherein die Grenzen zeigen würde, bräuchten sie sie nicht erst zu erproben“, argumentiert Christian Rogler. „Jugendarrest ab 12“, fordert Christin Scharfenort.

Was ihrem zehnjährigen Sohn am Dienstagmittag an der Straßenbahn-Haltestelle Keplerstraße passiert ist, kann Manuela T. immer noch nicht fassen. „Es ist unvorstellbar, welche kriminelle Energie so ein Junge schon haben kann“, sagt die Mutter. Ihr Sohn war von einem Elfjährigen drangsaliert worden. Der Fünftklässler hatte erst die Mütze des Kleineren in einen Gully geworfen. Als dieser hinein kletterte, um sie herauszuholen, schloss der Mitschüler oben den Deckel. Nach zehn langen Minuten brachten Neuntklässler den strafunmündigen Täter dazu, den Gullydeckel wieder zu öffnen. „Ich mag gar nicht daran denken: So eng und dunkel da unten. Wann hätte man meinen Jungen dort gefunden, wenn nicht die Hilfe der älteren Schüler gekommen wäre?“

An der Schule am Fernsehturm, die der Zehn- und der Elfjährige besuchen, zeigte sich die Leitung auch gestern noch erschüttert von dem Geschehen an der Haltestelle. „Wir kümmern uns um die Sache, die Angelegenheit wird geklärt“, hieß es. Die Polizei hat bereits gehandelt: Beamte der Kriminalprävention waren in der Schule, um mit der Klasse der beteiligten Schüler über den Vorfall zu sprechen, wie Polizeisprecher Steffen Salow bestätigte. Auch im Fall des zwölfjährigen Mädchens, das am Montag im Parkhaus des Schlosspark-Centers zusammengeschlagen und ausgeraubt worden war, gehe die Polizei auf die Schulen der Beteiligten zu.

Kommentar: Vorsicht Gewalt von Christian Koepke

Da ist er wieder: der Ruf nach der harten Hand, nach drastischen Strafen. Ja, was im Parkhaus des Schlosspark-Centers und in einem Gully an der Keplerstraße geschehen ist, macht uns fassungslos. Wie können Kinder anderen Kindern nur so viel Leid antun? Diese Frage lässt auch Experten ratlos zurück. Wer aber meint, das Problem der Jugendgewalt könne durch massive staatliche Gewalt gelöst werden, greift zu kurz. Zur Erinnerung: Wir leben in einem Rechtsstaat. Das Jugendstrafrecht bietet durchaus eine Reihe von Instrumenten, die jungen Tätern die Grenzen ihres Handeln aufzeigen, ihnen aber zugleich den Weg zurück in die Gesellschaft eröffnen. Jeder andere Weg wäre eine Einbahnstraße.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen