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Zeitung für die Landeshauptstadt

18. Dezember 2017 | 23:34 Uhr

Schwerin : Suizid aus der Tabuzone holen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mit Informationen und Aktionen soll an Verstorbene gedacht und gleichzeitig ein Pfad aus scheinbar auswegloser Lage aufgezeigt werden

von
erstellt am 08.Sep.2014 | 23:08 Uhr

Jedes Jahr sterben in Deutschland ungefähr 10 000 Menschen durch Suizid – mehr Menschen als durch Verkehrsunfälle, Gewalttaten und illegale Drogen sterben. Allein in Schwerin waren es im vergangenen Jahr acht Frauen und neun Männer, 2012 waren es drei Frauen und 18 Männer. Um die Öffentlichkeit auf diese weitgehend verdrängte Problematik aufmerksam zu machen, wird seit 2003 der Welttag der Suizidprävention veranstaltet. Der 10. September ist besonders auch ein Tag der Trauer und des Gedenkens an die Verstorbenen.

In diesem Jahr haben sich erstmals Vertreter verschiedener Organisationen, freier Träger und der Verwaltung in Schwerin zusammengefunden, um aus Anlass dieses Tages verschiedene Aktionen vorzubereiten: Dazu zählen die Telefonseelsorge und ihr Förderverein, die Anker Sozialarbeit gGmbH, das städtische Gesundheitsamt, der Seniorenbeirat und der Malteser Hilfsdienst Schwerin sowie der Hospizdienst der Caritas Parchim. An den geplanten Aktionen werden sich unter anderem auch Lehrer und Schüler der Beruflichen Schule für Gesundheit und Soziales der Landeshauptstadt beteiligen. Die Schirmherrschaft hat Stadtpräsident Stephan Nolte übernommen. Er sagt: „Alle 53 Minuten nimmt sich in Deutschland ein Mensch das Leben. Alle fünf Minuten findet ein Suizidversuch statt, weil Menschen sich in einer ausweglosen Lage wähnen. Aber Auswege gibt es immer. Daher unterstütze ich diese Initiative, durch Informationen zur Suizidverhinderung beizutragen.“

Dazu wird am heutigen Dienstag um 17 Uhr im Demmlersaal im alten Rathaus Prof. Dr. Andreas Broocks, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Helios- Kliniken Schwerin, einen Vortrag zum Thema „Suizidalität im sozialen Umfeld – Hinweise und Handlungsmöglichkeiten“ halten. Dieser Vortrag richtet sich nicht an Menschen, die beruflich mit diesem Thema zu tun haben, sondern an alle, die im persönlichen und privaten Umfeld davon betroffen sind. Anschließend bietet sich die Möglichkeit, mit Prof. Broocks, Amtsärztin Renate Kubbutat, Pfarrer Jochen Schmachtel und Uta Krause, Leiterin der Telefonseelsorge, ins Gespräch zu kommen. Die Moderation übernimmt Rudolf Hubert von der Caritas. Die Buchhandlung Hugendubel wird mit einem Büchertisch vertreten sein.

Heute und morgen werden am Marienplatz, im Foyer des Stadthauses, vor dem Ärztehaus Rahlstedter Straße, am Dreescher Markt und auf dem Platz der Freiheit Kerzen verteilt. Ein Flyer an diesen Kerzen macht darauf aufmerksam: „Krisen gehören zum Leben und Hilfe ist möglich!“ Wer sich von dem Thema Suizid berührt fühlt, wird gebeten, im Gedenken an einen Menschen, den man durch Suizid verloren hat oder in Verbundenheit mit Menschen, die Ähnliches erlebt haben, diese Kerze am Mittwoch um 21 Uhr ins Fenster zu stellen. Ein Foto von dieser Kerze im Fenster kann dann an das Gesundheitsamt per E-Mail unter Gesundheitsamt@schwerin.de geschickt werden. Aus diesen Fotografien soll ein Plakat gestaltet werden.

Suizid verhindern

Jedes Jahr sterben in Deutschland etwa 10 000 Menschen durch Suizid – das sind mehr als  durch Verkehrsunfälle, Gewalttaten und illegale Drogen ums Leben kommen. Weit mehr als 100 000 Menschen erleiden jedes Jahr den Verlust eines nahe stehenden Menschen durch Suizid. Anlässlich des Welttags der Suizidprävention am 10. September wird sich unser morgiges Lesertelefon mit diesem Thema beschäftigen.

 Fragen, die immer wieder aufkommen, sind beispielsweise: Stimmt es, dass Menschen, die über Suizid reden oder diesen ankündigen, es letztlich nicht wirklich tun werden? Kann man jemanden durch Nachfragen auf den Gedanken zum Suizid bringen?  Wird jemand, der schon einen Suizidversuch hinter sich hat, es immer wieder tun? Geschieht so etwas ohne Vorzeichen? Ist Suizid vererbbar?

Aber auch: Was kann ich tun, wenn mir jemand von seinen Suizidabsichten erzählt? Kann ich dann etwas falsch machen? Wann sind welche Hilfen sinnvoll? Muss es immer gleich die Klinik sein? Habe ich Schuld am Tod von jemandem? Hätte ich es verhindern können? Wie soll es nun weiter gehen? Wie kann man Hinterbliebenen helfen? An wen kann ich mich wenden – für mich selbst oder für andere?

Diese und andere Fragen werden Experten bei unserem Telefonforum am morgigen Mittwoch, 10. September, von 10 bis 12 Uhr beantworten.

Am Telefon werden sitzen: Renate Kubbutat (Amtsärztin Gesundheitsamt Schwerin), Prof. Dr. Andreas Broocks (Ärztlicher Direktor der Carl-Friedrich-Flemming-Klinik,  Helios Kliniken Schwerin) und Uta Krause (Leiterin der Ökumenischen Telefonseelsorge Schwerin). Zu erreichen sind sie dann unter folgenden Rufnummern:

Renate Kubbutat: (0385)  63 78   8007
Andreas Broocks: (0385)  63 78   8008
Uta Krause: (0385)  63 78   8009





 

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