Volkstrauertag : Sülter Soldatengräber neu gestaltet

Letzte Arbeiten auf dem neu gestalteten Grabfeld:  Steffen Behrendt und Azubi Benjamin Stark pflanzen Schattengrün. Bürgermeister Horst Busse und Pastor Arpad Csabay (hinten l.) sind dankbar.
1 von 1
Letzte Arbeiten auf dem neu gestalteten Grabfeld: Steffen Behrendt und Azubi Benjamin Stark pflanzen Schattengrün. Bürgermeister Horst Busse und Pastor Arpad Csabay (hinten l.) sind dankbar.

Kriegsgräberfürsorge ließ Steinkreuze für sechs junge Männer aufstellen, die kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges gefallen waren

von
14. November 2014, 22:00 Uhr

Das Ende des Zweiten Weltkrieges war nahe. Doch kurz zuvor, am 30. April 1945, verloren sechs junge Männer bei Sülte ihr Leben: Gottfried Wagner, Reiner Nossek, Andreas Kuffner, Wilhelm Mörsch, ein Offizier mit dem Familiennamen Schmidt und Bernhard Schulte. Die Flieger sollten ihre Maschinen wegen der vorrückenden Roten Armee aus Brandenburg nach Schleswig-Holstein bringen. Auf dem eigentlich gut getarnten Feldflugplatz bei Sülte war ein Zwischenstopp vorgesehen. Doch die deutschen Flugzeuge wurden von den britischen Piloten entdeckt. Es kam zu Kämpfen in der Luft und am Boden. Die sechs deutschen Offiziere und Unteroffiziere starben – keiner der Gefallenen war 30 Jahre alt. „Eine Beerdigung in der jeweiligen Heimatregion der jungen Männer war in den Kriegswirren unmöglich. Deshalb wurden die Soldaten an der Kirche von Sülte beigesetzt“, berichtet der Sülstorfer Bürgermeister Horst Busse.

Diese Grabstätte hat jetzt ein neues, würdiges Aussehen erhalten. Der Ludwigsluster Regionalverband des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge ließ drei Steinkreuze aufstellen. Auf jedem sind Namen und Daten von zwei Opfern zu lesen – so weit diese bekannt sind. Ein Ludwigsluster Steinmetz schuf auch die Einfassung. Der Rastower Gartenbauer Steffen Behrendt und sein Azubi Benjamin Stark haben frischen Boden aufgefüllt und gestern Schattengrün gepflanzt.

Noch rechtzeitig vor dem morgigen Volkstrauertag ist damit diese Grabanlage fertig. „Die offizielle Übergabe erfolgt aber erst am 27. Oktober um 10 Uhr“, betont Busse. Dann werden auch Vertreter des Volksbundes nach Sülte kommen. Der Verein trägt die Kosten von rund 7000 Euro.

Damit sind die Sülter Soldatengräber nun auch auf den ersten Blick als solche zu erkennen. Die Einwohner wussten aber immer Bescheid, dass hier Opfer aus den letzten Kriegstagen beerdiget liegen. Lange Jahre war es die Familie Ihde, die diese Gräber in Ordnung hielt und vor der Einebnung bewahrte. Und selbst nachdem die ursprünglichen Holzkreuze verrottet waren, gerieten die Gefallenen nicht in Vergessenheit. Vor zehn Jahren erfolgte schon eine Neugestaltung. Familie Krampe stellte damals dafür den Grabstein von Karl Krampe zur Verfügung. Der junge Mann war 1918 im Ersten Weltkrieg gefallen. Auf der Rückseite seines Grabsteins wurden die Namen und Daten der sechs Flieger eingraviert. So bleiben diese auf den Sülter Friedhof sichtbar. Nun übernehmen die drei Steinkreuze diese Aufgaben. Der Grabstein von Karl Krampe wurde jetzt nicht beiseite gelegt: Es befindet sich ebenfalls auf diesem Grabfeld.

„Familie Krampe und auch den Kameraden der Sülter Feuerwehr gebührt ohnehin großer Dank: Sie helfen bei der Pflege des Friedhofs an der Kirche“, betont Pastor Arpad Csabay.

Bürgermeister Horst Busse hält die Erinnerung an die Kriegsopfer für sehr wichtig: „Allein die Lebensdaten der Gefallenen sollten uns zum Nachdenken bringen – auch heute noch“, betont er. Hinzu kommt, dass diese sechs Männer kurz vor Kriegsende starben, „vermutlich völlig sinnlos“. Am morgigen Volkstrauertag wird der Bürgermeister auf dem Sülter Friedhof einen Gedenkkranz für die Kriegsopfer niederlegen – ebenso an den fünf weiteren Gedenkstätten in der Gemeinde Sülstorf.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen