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19. Oktober 2017 | 11:22 Uhr

Sülstorf wird zum Bioenergiedorf

vom

svz.de von
erstellt am 15.Apr.2011 | 05:28 Uhr

Sülstorf | Die Gemeinde Sülstorf macht jetzt den zweiten Schritt auf den Weg hin zum Bioenergiedorf. Und dieser wird weitaus größer ausfallen als der erste: Auf der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung ging es um eine

18-Millionen-Euro-Investition. Für diese Summe will die Firma Solarfaktor GmbH aus Waren an der Müritz auf dem Gelände des Kiestagebaus bei Sülte eine Photovoltaik-Anlage errichten. Auf 24,4 Hektar sollen etwa 44 000 Solarmodule aufgestellt werden - reihenweise auf Metallgestellen. Diese sind so geneigt und ausgerichtet, dass das Sonnenlicht optimal ausgenutzt und in Strom umgewandelt werden kann. Dabei wird zuerst Gleichstrom erzeugt. Der wird vor seiner Einspeisung ins Wemag-Netz noch in Wechselstrom umgewandelt. Die Prog nose für den Standort bei Sülte geht von 8700 Megawatt-Stunden Strom im Jahr aus. Das entspricht dem Jahresbedarf von 3000 Haushalten.

Ende dieses Jahres soll die komplette Photovoltaik-Anlage stehen, nennt Kristian Reinke, Prokurist und Projektentwickler bei Solarfaktor, als Ziel. Er ist zuversichtlich, dass es klappt. Denn die Gemeinde Sülstorf und auch der Landkreis Ludwigslust unterstützen dieses Vorhaben. Jetzt wurden in der Gemeindevertretung die notwendigen Planungen beschlossen und Anträge abgeschickt. Wenn das Verfahren zügig durchgeht, soll in der zweiten Jahreshälfte gebaut werden.

Auf Sülte als Standort für eine weitere Photovoltaik-Anlage ist Solarfaktor wegen der Konversionsflächen gekommen. Denn auf dem Tagebauareal wird die Stromerzeugung mittels Sonnenkraft höher vergütet als beispielsweise die auf Flächen neben Verkehrsanlagen. "Da gibt es noch genügend Potenzial in Mecklenburg-Vorpommern", ist Reinke überzeugt. "Es braucht aber ein geschultes Auge, um diese Flächen zu erkennen." Solarpark pachtet das erforderliche Areal von der Erdbau Sülte GmbH. Dabei handelt es sich um bereits ausgebeutete Tagebaugebiete, aber auch um Flächen, auf denen in Zukunft noch Kies gewonnen werden kann. Für die Photovoltaik-Anlage wird mit einer Betriebszeit von 25 Jahren gerechnet.

Auf dem Dach der Kita wird seit Jahresbeginn Strom erzeugt

Mit der Unterstützung dieser Groß investition macht die Gemeinde Sülstorf auch deutlich, dass der Absicht, Bio energiedorf sein zu wollen, ganz konkrete Taten folgen. "In erster Linie geht es darum, dass wir als Gemeinde uns für erneuerbare Energien aussprechen und zugleich solche Projekte auch unterstützen", betont Bürgermeister Horst Busse. Gut für die Gemeinde ist aber auch, dass durch die Photovoltaikanlage Gewerbeeinnahmen in die Kasse fließen.

Zuvor hatte die Kommune bereits aus eigener Kasse für die Stromerzeugung mit Hilfe der Sonne investiert. Denn seit Jahresbeginn erzeugt eine kleine, 80 000 Euro teure Photovoltaikanlage auf dem Dach der Kindertagesstätte Strom. Dieser wird hier gleich verbraucht, der Überschuss ins Stromnetz eingespeist (SVZ berichtete). Stolz konnte Bürgermeister Busse nun den Gemeindevertretern auch die Abrechnung des ersten Quartals vorlegen. Insgesamt wurde Strom im Wert von 500 Euro erzeugt. 200 Euro davon wurden für den Verbrauch verrechnet. Dadurch sinken die Betriebskosten. Das wiederum wirkt sich günstig auf den Elternanteil bei der Kinderbetreuung aus. Die restlichen 300 Euro fließen in die Refinanzierung die Investition.

In der Kita "Sonnenblume" steht auch die Umwelterziehung auf der Tagesplan. "Wir haben gerade mit dem Projekt Stromsparen begonnen", berichtet Kita-Leiterin Martina Lindhorst. Neu sind auch zwei kleine Matchbox-Autos, die nicht mit einem Federantrieb funktionieren, sondern mit einem Solarmodul ausgerüstet sind. "Da erkennen die Kleinen ganz schnell, dass die Sonne die Autos antreibt", erzählt Martina Lindhorst.

Doch die Sülstorfer setzen nicht nur auf die Kraft der Sonne. Schließlich liegt vor der Haustür der einzige, bislang ausgewiesene Windeignungsraum im Kreis Ludwigslust. Und im Windpark stehen bereits 27 Windräder. Als nächstes Projekt und damit als dritten Schritt auf dem Weg zum Bioenergiedorf wollen die Sülstorfer mit den Nachbargemeinden darüber reden, wie dieses Areal gemeinsam weiterentwickelt werden kann.

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