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Zeitung für die Landeshauptstadt

21. November 2017 | 17:04 Uhr

Schweriner Bausünde : Sturzgefahr am Pfaffenteich

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Behindertenbeirat kritisiert Verwaltung: Bordsteinhöhe in der sanierten Arsenalstraße entspricht nicht der Norm

von
erstellt am 02.Okt.2017 | 05:00 Uhr

War es Schlamperei, mangelndes Engagement, Ignoranz oder einfach nur Unfähigkeit der Verwaltung? Die gerade erst sanierte und vor kurzem übergebene Arsenalstraße am Südufer des Pfaffenteiches ist für Menschen mit einem Handicap ein nur schwer zu überwindendes Hindernis. Darauf macht der Behindertenbeirat aufmerksam und hat dazu einen Prüfantrag in die Stadtvertretung eingebracht.

Das Problem: Die Bordsteinhöhe entspricht nicht der DIN-Norm. „Rollstuhl- und Rollatorfahrer kommen da gar nicht hoch“, sagte die Vorsitzende des Behindertenbeirates, Angelika Stoof. Sie sitzt selbst im Rollstuhl und hat eine Fahrt vor Ort ausprobiert. „Für Menschen mit einer Gehbehinderung besteht die Gefahr, dass sie stürzen.“

Eine Überprüfung durch den Beirat hat ergeben, „dass die Bordhöhe über die gesamte Breite sehr unterschiedlich ausgeführt wurde. Die Maße betragen von zwei Zentimeter bis zu fünf Zentimeter und sind damit für Rollstuhlfahrer und gehbehinderte Nutzergruppen ungeeignet“. Es müssten Querungsstellen gebaut werden, die auch Blinde oder Sehbehinderte gut nutzen können. „In einem Kompromiss mit den Blinden- und Sehbehindertenvereinen hat man sich darauf geeinigt, Borde an Querungsstellen grundsätzlich auf drei Zentimeter über Straßenniveau abzusenken bzw. anzuheben.“ Bei dieser Höhe kann die Bordsteinkante von Rollstuhlnutzern und Personen mit Gehhilfen noch überwunden und von blinden Menschen mit dem Langstock ertastet werden.

Doch die Verwaltung wiegelt ab. Carsten Bierstedt vom Verkehrsmanagement schreibt in einer Stellungnahme: „Nach hiesigem Verständnis wäre die Veränderung der Bordhöhe nur dann gerechtfertigt, wenn tatsächlich abweichend von den technischen Regeln gebaut wurde.“ Die Höhe des Bordes sei schließlich nur von Hand gemessen worden. Erforderlich sei aber ein „Nivellement“, also eine Messung mit geeichten Geräten. Bierstedt spricht aber selbst von einer Bordsteinhöhe an einer Stelle von 4,6 Zentimetern. Möglicherweise sei das auf die Verwendung von historischen Bordsteinen zurückzuführen. „Für diesen Fall wäre eine Veränderung der Bordanlage unangemessen.“

Jetzt will die Verwaltung noch einmal genau nachmessen. Das Ergebnis soll der Stadtvertretung zur nächsten Sitzung Ende November vorgelegt werden.

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