Schwerin : Sturm gegen Sperrzonen auf See

Kompromissvorschlag der Stadt: Außer dem idyllischen Hafen sollen auf Kaninchenwerder drei weitere Buchten von Freizeitkapitänen angelaufen werden dürfen.
Kompromissvorschlag der Stadt: Außer dem idyllischen Hafen sollen auf Kaninchenwerder drei weitere Buchten von Freizeitkapitänen angelaufen werden dürfen.

Wende in der Naturschutz-Debatte: Umweltdezernent Nottebaum bietet einen Kompromiss an, um Badebuchten auf Kaninchenwerder für Boote freizuhalten.

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17. November 2015, 06:00 Uhr

In die Diskussion zu den 100-Meter-Sperrzonen um die Inseln Kaninchenwerder und Ziegelwerder mischt sich jetzt auch die Stadtverwaltung ein. Umweltdezernent Bernd Nottebaum will im Sinne der Wassersportler mit dem Landesumweltministerium sprechen und einen Kompromiss anbieten. Seine Pläne erläuterte er am Montagabend am Rande der Stadtvertretersitzung der SVZ.

Für Bernd Nottebaum gibt es einen grundsätzlichen Widerspruch: Das Bundesverkehrsministerium richtet auf Antrag des Landesumweltministerium eine Sperrzone um die beiden großen Inseln im Innensee ein, um die Wasservögel zu schützen. Im Managementplan für das Vogelschutzgebiet Schweriner See, erarbeitet vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg, steht aber, dass es gar keinen Handlungsbedarf in dieser Hinsicht in Bezug auf Kaninchenwerder und Ziegelwerder gibt – ein erweiterter Schutz also gar nicht nötig ist.

Nottebaum will nun einen Kompromiss vorschlagen: Nicht nur der Hafen auf Kaninchenwerder soll weiter angelaufen werden können. Auch drei Badebuchten sollen frei befahrbar bleiben. Zunächst für eine Testphase von drei Jahren. „Danach muss man prüfen, welche Auswirkungen das hat“, so Nottebaum. „Eventuell kann die Befahrbarkeit der drei Stellen auch eine Dauerlösung sein.“ Für dieses Vorgehen will der Umweltdezernent eine Ausnahmegenehmigung beim Bundesverkehrsminister beantragen.

Ihre Kritik an den neuen Befahrensregeln haben auch die Wassersportler präzisiert. „Es ist nicht nachgewiesen, dass der Bootsverkehr in der jetzigen Form überhaupt für Artenrückgänge verantwortlich ist. Solange an jedem Wochenende im Sommer Feuerwerke stattfinden, die die Vögel massenweise zum Auffliegen veranlassen oder Musikveranstaltungen mit ohrenbetäubendem Lärm auf der Insel Kaninchenwerder durchgeführt werden, ist es umso unverständlicher, dass derart radikale Maßnahmen von den Wassersportlern gefordert werden, die nur einen kleinen Teil der Uferlinie für die Nutzung beanspruchen möchten“, heißt es von der Interessengemeinschaft Schweriner See und Umland. „Wir fühlen uns von den Landesbehörden nicht ernst genommen und bewusst getäuscht.“

Gegenüber den Stadtvertretern machte Umweltdezernent Bernd Nottebaum auch weitere Bedenken zum Managementplan deutlich. „Das Ziel, mit diesem Plan für diverse Wassersportinfrastrukturvorhaben mehr Planungssicherheit zu schaffen, wurde kaum erreicht. Allerdings liefert dieser Plan wichtige Grundlagendaten für folgende FFH-Verträglichkeitsstudien, z.B. für jedes neu geplante Steg-Neubauvorhaben. Eine derartige Studie für elf potenzielle Steganlagen mit 322 Liegeplätzen wurde schon Ende 2014 von den Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen in Auftrag gegeben.“

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