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Lehrlingssuche in Schwerin : Studium statt dualer Ausbildung

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schweriner Handwerksbetrieben fehlt der Nachwuchs: Heute erklärt die Handwerkskammer der Stadt mögliche Gründe

svz.de von
erstellt am 31.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Die Arbeitswelt ist im Wandel – nicht nur in der Landeshauptstadt. Viele Handwerksberufe kämpfen ums Überleben, oft gibt es für ihre Produkte keinen Markt mehr. Aber auch technologische Innovationen und andere Entwicklungen verdrängen bestimmte Berufe aus unserem Leben, wenn kein Nachwuchs mehr gefunden wird. Die Schweriner Handwerkskammer versucht, diesen Prozess zu erklären.

„Aus unserer Sicht gibt es bei diesem Thema zwei voneinander zu unterscheidende Aspekte“, sagt Dr. Petra Gansen, verantwortlich für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Da seien zunächst die Handwerksberufe, die in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten sehr selten geworden sind – nicht nur in Schwerin. Dazu zählen neben Korbflechtern auch Gold- und Silberschmiede, Raumausstatter sowie Buchbinder. „In diesen Berufen wird selten ausgebildet“, so Gansen. „Denn es gibt nur wenige aktive Betriebe und die sind so klein, dass eine Ausbildung kaum oder nicht möglich ist.“

In diesen seltenen Handwerken, sogenannten „Splitterberufen“ liegt oft auch die Berufsschule außerhalb des Landes, so dass die Auszubildenden einen weiten Anfahrtsweg haben. „Zwar unterstützt das Land die Berufsschüler finanziell, aber das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, so Karin Klehr, zuständig für die Berufsausbildung bei der Handwerkskammer. So müsse der angehende Graveur nach Pforzheim, der Kürschner nach Fürth.

Doch auch die Betriebe mit attraktiven und lebendigen Ausbildungsberufen haben Schwierigkeiten, in Schwerin geeigneten Nachwuchs mit passenden Voraussetzungen zu finden. „Das hat zwei Gründe“, erklärt Petra Gansen. Sie nennt zum einen die demografische Entwicklung, die einen Rückgang bei den nötigen Jahrgängen mitführt. „Doch genau diese Jahrgänge brauchen wir heute für die Ausbildung.“

Zum anderen entscheiden sich immer mehr Jugendliche in Schwerin für das Abitur und im Anschluss für ein Studium statt für die duale Berufsausbildung. „Das wäre nicht weiter schlimm, doch eine große Zahl von Betrieben in der Stadt haben einen hohen Bedarf an Personal“, so Gansen. Besonders im Elektro-, Metall- und Kraftfahrzeughandwerk sowie in Unternehmen aus dem Bereich Sanitär und Heizung herrscht seit Jahren eine gute Auftragslage dank der florierenden Handwerkskonjunktur. „Diese Betriebe haben einen großen Bedarf an Nachwuchs und suchen händeringend Auszubildende“, sagt Gansen.

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