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Fehlende Angebote in Schweriner Innenstadt : Studenten auf Wohnungssuche

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Zentral möchte Nora Toba gerne wohnen. Die Studentin aus Hannover ist am Baltic College eingeschrieben und befindet sich auf Wohnungssuche. Doch die Möglichkeiten, in Schwerin eine Bleibe zu finden, sind knapp.

svz.de von
erstellt am 15.Apr.2013 | 06:04 Uhr

Schwerin | Zentral möchte Nora Toba gerne wohnen. Die Studentin aus Hannover ist seit zwei Semestern am Baltic College eingeschrieben und befindet sich momentan auf Wohnungssuche. Gegenwärtig hat sie ein Zimmer am Obotritenring gemietet. "Es wäre schön, wenn ich eine Ein-Zimmer-Wohnung in der Nähe des Colleges finden würde", sagt sie. Sie wolle dichter bei ihren Freunden sein. Nach Lankow oder auf den Dreesch zu ziehen, ist für Toba keine Option. "Abends möchte ich da ungern alleine unterwegs sein", gibt sie zu verstehen. Toba sucht gerade nach entsprechenden Angeboten.

Die Möglichkeiten, als Student in Schwerin eine Bleibe zu finden, seien knapp, sagt Stephan Haring. Der stellvertretende Geschäftsführer der Designschule in der Bergstraße gerät in Rage, wenn es um den Schweriner Wohnungsmarkt geht. In der Innenstadt gäbe es nur wenige Wohnungen, die für Wohngemeinschaften genutzt werden könnten. Und es fehlten Wohnheime.

Von den Bewerbern werde er oft gefragt, ob es solche Einrichtungen gäbe, erzählt Mirko Boldt, verantwortlich für Marketing und Kommunikation am Baltic College. Überlegungen seitens der Schule, diesbezüglich selbst tätig zu werden, seien noch nicht spruchreif.

Jährlich ziehen hunderte junge Menschen nach Schwerin, um eine Ausbildung oder ein Studium zu beginnen. An der Evangelischen Altenpflegeschule des Diakoniewerks Neues Ufer lernen derzeit rund 250 Schüler. Das Baltic College verzeichnet etwa 180 Studierende. Ebenso viele Schüler besuchen die Designschule. Von Oktober an will die Einrichtung auch drei Studiengänge anbieten und zunächst 60 Studierende aufnehmen. Zusätzlicher Wohnraum wird benötigt.

Eigentlich kein Problem, wie die Statistik belegt: Knapp 15 Prozent des Wohnungsbestandes in Schwerin steht zurzeit leer. Im Mueßer Holz werden sogar Wohnungen abgerissen (SVZ berichtete). Diese Umstände interessieren Haring jedoch wenig. Dorthin ziehe es Schüler und Studierende nun einmal nicht, sagt er. "Schließlich wirbt die Stadt mit der schönen Architektur im Zentrum und nicht mit den Funktionsbauten auf dem Dreesch."

Heidi Weist, Sachgebietsleiterin Vermietung bei der Wohnungsgesellschaft Schwerin (WGS), ist indes von der Wohnqualität auf dem Dreesch überzeugt. Außerdem sei man innerhalb weniger Minuten mit der Straßenbahn in der Innenstadt. Vor drei Jahren habe die WGS das Projekt "Junges Wohnen" ins Leben gerufen, das sich großer Beliebtheit erfreue. In Lankow und auf dem Dreesch entstanden Wohngemeinschaften (WG), deren Zimmer über die WGS gemietet werden können. Auf dem Dreesch seien momentan alle 24 Zimmer vergeben, berichtet Weist. Die 15 Quadratmeter großen Räume sind möbliert und kosten monatlich 200 Euro. Dort seien jedoch vor allem Auszubildende und Praktikanten die Mieter. Sechs WG-Wohnungen gibt es momentan auf dem Dreesch, eine siebte soll bald bezugsfertig sein. Eine Warteliste werde bereits geführt. "Unsere Mieter sind zufrieden", berichtet Weist.

Auch Olaf Winkler, Schulleiter der Evangelischen Altenpflegeschule, sieht seine Lehrlinge gut untergebracht. Die Mehrzahl der bis zu 80 Neuankömmlinge im Jahr seien Pendler. "Wer von weiter außerhalb kommt, kann in Lankow wohnen", sagt Winkler und meint damit das Wohnheim für berufliche Bildung der Comtact GmbH in der Gadebuscher Straße. Die Notwendigkeit, ein eigenes Wohnheim zu gründen, sehe er nicht.

Im Gegensatz zu Stephan Haring. Vor einigen Jahren habe es das Bestreben gegeben, ein Haus von der WGS zu kaufen, um darin WG-Wohnungen für die Designschule einzurichten. "Wir hatten ein Objekt konkret ins Auge gefasst", erzählt der stellvertretende Geschäftsführer. Am Packhof, direkt gegenüber des Stadthauses gelegen. Die Immobilie war allerdings von der WGS offiziell ausgeschrieben und somit zu einem Bieterverfahren freigegeben. Es habe aber eine Absprache mit der WGS existiert: Die Designschule sollte den Zuschlag erhalten, wenn es zwei Gebote gäbe, die nicht wesentlich auseinander lägen. Dieser Fall sei eingetreten, so Haring. Die WGS habe jedoch an den Meistbietenden verkauft und sich nicht an die Abmachung gehalten. Daran, dass es eine solche Absprache gegeben habe, kann sich Heidi Weist nicht erinnern: "Der Meistbietende bekommt den Zuschlag." Das sei in den Statuten der WGS eindeutig geregelt.

Mittlerweile ist Haring anderweitig fündig geworden. Leicht sei das allerdings nicht gewesen. "Viele Vermieter haben Vorbehalte gegen WG." Sechs Wohnungen in der Innenstadt bietet die Designschule momentan an - unter anderem in der Severinstraße. 55 Zimmer zwischen 13 und 25 Quadratmetern gäbe es, die allesamt belegt seien. Sie kosten zwischen 220 und 250 Euro im Monat. Ohne Mobiliar. Das Angebot würde von den Schülern und nunmehr auch von den Vermietern positiv aufgefasst. Aus Harings Sicht ist die aktuelle Lage trotzdem keinesfalls zufrieden stellend. Man sei permanent auf der Suche nach geeigneten Objekten, um das Wohn angebot für die eigenen Schüler zu verbessern.

Mit nennenswerten Unwägbarkeiten bei der Wohnungssuche rechnet Nora Toba nicht. "Ich bin zuversichtlich, bald etwas zu finden", sagt sie. Das ginge hier viel entspannter als in Hannover. Erfolgreich war sie bisher allerdings noch nicht.

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