Privater Spender hilft : Stromsperre gerade noch abgewendet

Weil die Stromkosten nicht bezahlt wurden, drohten die Stadtwerke einer Familie aus Litauen damit, den Strom abzustellen. Ein Verein setzte sich für die Migranten ein und versucht auch, ihnen bei anderen Problemen zu helfen.
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Weil die Stromkosten nicht bezahlt wurden, drohten die Stadtwerke einer Familie aus Litauen damit, den Strom abzustellen. Ein Verein setzte sich für die Migranten ein und versucht auch, ihnen bei anderen Problemen zu helfen.

Familie aus Litauen rutscht wegen Sprachproblemen in Schuldenfalle: Verein hilft

svz.de von
06. November 2014, 07:45 Uhr

Der Kollaps konnte nur dank der Initiative des Schweriner Vereins „Perspektive Deutschland“ knapp verhindert werden: Zu der für gestern Mittag, 12 Uhr, avisierten Abstellung des Stroms für die Wohnung einer dreiköpfigen Familie aus Litauen kam es nicht. Vater, Mutter und der zwölfjährigen Tochter bleibt so der menschenwürdige Alltag im Mueßer Holz erhalten. Vorerst. Denn die Probleme der Migranten sind vielfältig und nicht alle so schnell aus der Welt zu schaffen.

Vereinschef Wolfgang Brasch kann sich über diesen Teilerfolg zudem nur wenig freuen. Denn der kam erst in letzter Minute zustande. „Und wir haben massiv politischen Druck gemacht – bis in die Landesspitze“, erzählt Brasch.

Die aktuelle Forderung von rund 400 Euro für Strom ist aber dank einer privaten Spende vom Tisch. Am Mittwoch beglich eine auch dem Verein nicht bekannte Person die Rechnung der Stadtwerke. Zuvor hatte das Unternehmen sich bereit erklärt, die Abschaltung des Stromes bis Ende November auszusetzen. „Das war schon die zweite Verschiebung, um die uns der Verein gebeten hatte“, sagt Aurel Witt, Pressesprecher der Stadtwerke. Solch eine Stromsperre sei ohnehin nur das letzte, drastische Mittel, zu dem die Stadtwerke nur ungern und auch selten greifen. „Wer zu uns kommt und mit uns redet, für den finden wir eine Lösung.“

Doch genau da scheint das Problem der Familie aus Litauen zu liegen. Denn Deutschkenntnisse sind so gut wie nicht vorhanden. Deshalb wurden Rechnungen und Mahnungen nicht berücksichtigt, erzählt Brasch – nicht nur die der Stadtwerke. So musste das Mädchen im September im Klinikum behandelt werden. Da die Familie nicht krankenversichert ist, gibt es auch da eine offene Rechnung.

Dem gegenüber stehen 650 Euro Einkommen im Monat. Die Frau hat eine kleines Einkommen, für die Tochter gibt es Kindergeld. Davon lebt die Familie – mehr schlecht als recht.

Wolfgang Brasch und seine Mitstreiter wollen der Familie helfen, aus der Schuldenfalle zu kommen und Hartz IV zu beantragen. „Natürlich müssen gerade die Erwachsenen das Entscheidende selbst leisten“, weiß Brasch. Dazu gehöre, so schnell wie möglich einen Deutsch-Kurs zu machen.

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