Leerstand in Schwerin : Streit um Wohnungen geht weiter

Hoher Leerstand – hohe Kosten: Die WGS hat im Mueßer Holz und in Krebsförden Wohnungen verkauft.
Hoher Leerstand – hohe Kosten: Die WGS hat im Mueßer Holz und in Krebsförden Wohnungen verkauft.

Vertrag für Wohnungsgenossenschafts-Deal ist unterschrieben – für die Zukunft sollen Stadtvertreter Verkäufe verhindern

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06. November 2015, 06:00 Uhr

Diskussion um den Verkauf von Wohnungen durch die städtische Wohnungsgesellschaft WGS. Auslöser war die Veräußerung von 1100 Wohnungen in den Stadtteilen Mueßer Holz und Krebsförden. Der SPD-Kandidat für den OB-Posten, Rico Badenschier, hatte in einem Rundschreiben an die Politik gefordert, die Entscheidung nicht allein dem Aufsichtsrat zu überlassen, sondern die Stadtvertretung mit dem Verkauf zu befassen. (SVZ berichtete) Doch die Kommunalpolitiker kommen erst Mitte des Monats zusammen. Der Vertrag ist nach einer Aufsichtsratsentscheidung aber schon unterzeichnet. Pikant: Für den Verkauf war auch der WGS-Aufsichtsratsvorsitzende Daniel Meslien, gleichzeitig SPD-Fraktionschef. Der hat jetzt einen Antrag an die Stadtvertretung unterschrieben, in der es heißt. „ Die Stadtvertretung ... lehnt weitere Verkäufe von Wohnungen in den von der WGS Wohnungsgesellschaft Schwerin in Krebsförden und Mueßer Holz getätigten Größenordnungen ab.“

„Bezahlbarer Wohnraum für einkommensschwache Menschen darf in Schwerin nicht zur Mangelware werden“, mahnt der sozialpolitische Sprecher der SPD-Stadtfraktion, Christian Masch. „Die jüngst vom Pestel Institut vorgelegte Studie zur Wohnungsmarktentwicklung sieht für die Landeshauptstadt einen Mehrbedarf von insgesamt 910 Wohnungen allein in diesem Jahr.“ Allerdings sind dabei auch Flüchtlinge berücksichtigt, deren Zahl aber noch keiner exakt benennen kann. Außerdem wurde die Pestel-Studie von der Baugewerbe-Lobby in Auftrag gegeben. Doch Masch erklärt: „ Gerade für Menschen mit geringem Einkommen wird es zunehmend schwieriger, preisgünstigen Wohnraum bedarfsgerecht zu finden. Die neusten Wohnungsmarktzahlen bestätigen das.“ Wie, sagt Christian Masch allerdings nicht. Aber: „Der Wunsch nach schnellem Geld durch Wohnungsverkäufe hatte schon in vielen anderen Kommunen Deutschlands nach kurzer Zeit einen bitteren Nachgeschmack.“

Allerdings geht es der WGS erklärtermaßen nicht um „das schnelle Geld“, sondern um die Sanierung des Unternehmens. Fast jede fünfte Wohnung steht leer, für die Sanierung von Hochhäusern geben die Banken keine Kredite mehr, Die Stadt musste bereits mit einer millionenschweren Bürgschaft einspringen. Die Ursachen für die desolate Lage der städtischen Großvermieters sind bekannt, sagt der Bauausschussvorsitzende Hagen Brauer. „Vor allem in den 90er Jahren wurde durch das ständige Hineinregieren in das wirtschaftliche Handeln diesem Unternehmen finanzieller Schaden zugefügt. Ich kann nur davor abraten, der WGS vorzuschreiben wie sie ihre Geschäfte zu führen hat. Es ist das politisch linksorientierte Gutmenschentum, dass in seiner beschränkten Einfalt für finanzielle Zusammenhänge die Kuh ständig melken will und sie gleichzeitig beim Fressen behindert.“

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