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Debatte um Wiedervernässung : Streit um Siebendörfer Moor

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Land unter im Siebendörfer Moor: Für die Landwirte aus der Region ist die avisierte Wiedervernässung wenig verlockend, für die Naturschützer aber unbedingt erstrebenswert. Der Interessenkonflikt liegt hier auf der Hand.

svz.de von
erstellt am 23.Feb.2012 | 10:45 Uhr

Pampow/Klein Rogahn | Land unter in großen Teilen des Siebendörfer Moores: Für die Landwirte der Region ist die avisierte Wiedervernässung wenig verlockend, für Naturschützer unbedingt erstrebenswert. Der Interessenkonflikt liegt auf der Hand. Ausgetragen wird dieser vorerst noch auf kommunaler Ebene, denn planungsrechtlich haben über jeweils ein Drittel des Moores die Gemeinden Klein Rogahn und Pampow sowie die Stadt Schwerin das Sagen.

Es ist die Stadt Schwerin, die ihre Renaturierungspläne (SVZ berichtete) vorantreibt. Auf zunächst 280 Hektar Grünland soll der Grundwasserspiegel angehoben werden. Selbst eine landwirtschaftliche Nutzung als Grünland wäre dann nur noch eingeschränkt möglich. Stattdessen hätten Tier- und Pflanzenwelt die Möglichkeit, sich in diesem wiederentstehenden Moor neu zu entfalten.

"Die Stadt hat gar keine andere Wahl, steht sogar unter Zeitdruck, dieses Projekt umzusetzen", betont Pampows Bürgermeister Hartwig Schulz, der wegen der Auswirkungen auf die eigene Gemeinde nicht begeistert ist von der Wiedervernässung von Flächen auf Stadtgebiet und auch auf Pampower Territorium. Denn das Projekt ist eine Ausgleichsmaßnahme für die Schaffung des Industrie areals Göhrener Tannen. Auch die Gemeinde Pampow hatte diesen Plänen einst zugestimmt - und die Gemeindevertretung steht zu ihrem Wort, wie Hartwig Schulz betont. Für die Pampower passt da jedoch die etwa 250 000 Euro teure Sanierung des alten Schöpfwerkes im Moor nicht ins Bild. Die Pumpanlage ist nötig, damit der Grundwasserstand niedrig gehalten wird.

Pampows Alternativvorschlag: In Zukunft stärker auf die natürliche Vorflut setzen und für tiefer gelegene Bereiche ein kleines Schöpfwerk neu bauen. Der Vorschlag scheiterte jedoch im Wasser- und Bodenverband. Schwerin und Klein Rogahn stimmten für die Sanierung des altes Schöpfwerkes. "Der Neubau wäre in etwa genau so teuer wie die Sanierung gewesen", argumentiert Thomas Klerch, Vertreter Klein Rogahns im Verband. Klerch hat guten Grund, auf ein funktionierendes Bewirtschaftungssystem im rund 720 Hektar großen Einzugsbereich des Schöpfwerkes zu bestehen: Die Rogahner Flächen liegen am tiefsten Punkt des Siebendörfer Moores, hier ist zugleich der größte Teil des eigentlichen Moorkörpers zu finden. Dennoch können gerade die Rogahner nicht zulassen, dass bei ihnen der Wasserstand auf das ursprüngliche natürliche Niveau ansteigt: Die Regenwasserableitung von den Wohngrundstücken ist auf das künstliche, etwa ein Meter tiefer liegende Niveau ausgerichtet. Auch für die Unterhaltung der viel befahrenen Deponiestraße und der Landesstraße durch Klein und Groß Ro gahn muss der heutige Wasserstand gehalten werden.

Die Nachbarn in Pampow haben es da besser: Das Regenwasser aus ihren Wohngebieten läuft im so genannten Graben A durch das Moor, hier muss nicht gepumpt werden. Dennoch müssen die Pampower Grundeigentümer anteilmäßig für die Sanierung (einmalig) und die Bewirtschaftung (alljährlich) des Schöpfwerkes aufkommen. Teuer und unnötig für Pampow, so Schulz. Die Gemeinde will im Wasser- und Bodenverband den Antrag stellen, die aus DDR-Zeiten stammende Genehmigung, den Grundwasserstand im Moor um etwa einem Meter abzusenken, aufzuheben. Nach den jüngsten Zusammenkünften im Wasser- und Bodenverband hat sich Pampow dafür entschieden, berichtet Schulz. In den Gremien der Landeshauptstadt und des Verbandes muss dann beraten werden, ob das umsetzbar ist.

Für die Rogahner hätte das Abschalten der Pumpen gravierende Folgen, ist Thomas Klerch überzeugt: "Bei der Wiedervernässung müssen wir den gesamten Moorkörper betrachten und negative Auswirkungen für Menschen, Gebäude und Straßen vermeiden. Und wenn es zu Einschränkungen bei der Nutzung von Acker- und Grünlandflächen kommt, muss ein fairer Ausgleich erreicht werden." So lange der nicht gefunden ist, "pumpen wir weiter", betont Hans Jammer-Lühr, Geschäftsführer vom Wasser- und Bodenverband.

Bislang arbeitet die Stadt Schwerin an einem Planfeststellungsverfahren, das in erster Linie die Schweriner Teilflächen betrifft. Wegen der unmittelbaren Auswirkungen auf die Nachbarn werden auch diese in die Planung einbezogen. Bis Ende 2014 soll das Verfahren abgeschlossen sein.

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