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Zeitung für die Landeshauptstadt

19. November 2017 | 10:00 Uhr

Drispeth/Zickhusen : Streit um Denkmal wird Politikum

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Tatjana Seyppel gingen Grünarbeiten am Drispether Gedenkstein zu weit: Bürgermeister kanzelte Beschwerdeführerin regelrecht ab

von
erstellt am 07.Mai.2015 | 07:45 Uhr

Der Anblick des Gedenksteins für acht junge Männer aus Drispeth, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind, stimmt Tatjana Seyppel nicht nur traurig. Er macht sie wütend. Letzteres vor allem, weil ihre Beschwerden und Anregungen zum im Sommer 2013 ausgeführten Baumschnitt vom Zickhusener Bürgermeister Hansjörg Rotermann zuerst ignoriert und letztlich Ende 2014 mit einem harschen Antwortschreiben bedacht worden sind. Die 66-Jährige fühlt sich beleidigt, sieht ihre Bürgerrechte mit Füßen getreten. Mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Bürgermeister hatte die Drispetherin allerdings keinen Erfolg: Die Mehrheit der Gemeindevertreter sahen keine Dienstpflichtverletzung durch Rotermann, teilt der stellvertretende Bürgermeister Peter Kröger auf Anfrage unserer Redaktion mit. Warum Tatjana Seyppel über dieses Ergebnis einer geschlossenen Sitzung der Gemeindevertretung von Ende März bis heute nicht informiert wurde, bleibt unklar. Das soll jetzt so schnell wie möglich nachgeholt werden.

Für Tatjana Seyppel ist die Angelegenheit damit noch lange nicht beendet. Sie fordert zumindest eine Entschuldigung des Bürgermeisters. „Meiner Meinung nach darf so ein Mann solch ein Ehrenamt nicht ausführen“, sagt Seyppel. Denn Rotermann hatte Seyppel in einem offiziellen Schreiben der Gemeinde als „realitäts- und weltfremd“, als „unglaubwürdig“, „anmaßend und mitunter impertinent“ bezeichnet. Rotermann lehnt es ab, sich zu entschuldigen. Gegenüber SVZ erklärte der Bürgermeister, er habe sich durch die ständigen Schreiben und überzogenen Forderungen provoziert gefühlt.

Der Wortlaut dieses Schreibens sei keine Dienstpflichtverletzung, erklärt Peter Kröger. Zu dieser Auffassung sei die Mehrheit der Gemeindevertreter gekommen, auch wenn es in der nicht öffentlichen Diskussion andere Positionen gegeben habe, so Kröger.

Zum Schreiben, das Tatjana Seyppel auch ans Landratsamt nach Wismar weitergeleitet hatte, gab es ein persönliches Gespräch mit Hansjörg Rotermann im Fachdienst Kommunalaufsicht – „in Bezug auf seine dort gewählte Ton- und Wortwahl gegenüber Frau Seyppel. Der Bürgermeister wurde auf seine dienst- und statusrechtliche Stellung als Amtsträger im Ehrenbeamtenverhältnis hingewiesen. Im Fokus standen respektvoller Umgang mit- und untereinander, auch bei strittigen Fragen und unterschiedlichen Meinungen“, so die Stellungnahme des Nordwestkreises auf SVZ-Anfrage. Die Dienstaufsichtsbeschwerde selbst wurde an die Gemeinde geschickt, die musste aus kommunalrechtlichen Gründen dort behandelt werden – ohne Beteiligung Rotermanns.

Wie es am Kriegerdenkmal von Drispeth weitergeht, ist noch nicht endgültig geklärt. Tatjana Seyppel hält die im Sommer 2013 ausgeführten Grünarbeiten nicht nur für überzogen, sondern für eine Beschädigung des Denkmals. Deshalb hat sie inzwischen Anzeige erstattet. Rotermann indes betont, dass es sich um einen Rückschnitt von ausgewucherten Bäumen und Sträuchern gehandelt habe. Der Gedenkstein selbst blieb unangetastet.

Für die Neugestaltung des Areals hat die Gemeinde Zickhusen einen Antrag beim Kreis gestellt, der aber noch bearbeitet wird.

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