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Zeitung für die Landeshauptstadt

23. November 2017 | 01:18 Uhr

Crivitz : Streit um das Schulessen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Stadt plant, aus dem Vertrag mit Demener Essenanbieter auszusteigen: Regionale Schule dafür – Grundschule dagegen

von
erstellt am 20.Mai.2015 | 11:45 Uhr

Die Kündigung des Vertrages der Stadt Crivitz mit dem Essenanbieter UWM Kulinaria ist erst einmal vom Tisch. Ursprünglich wollte die Kommune dem Demener Unternehmen kündigen. Ein entsprechender Beschluss sollte am Montagabend auf der Stadtvertretersitzung im nicht öffentlichen Teil gefasst werden. Doch dazu kam es nicht. Stadtvertreter Klaus Gottschalk (Linke) hatte den Antrag gestellt, diesen Punkt von der Tagesordnung zu nehmen. Seine Begründung: In der aufgeheizten Stimmung sei eine objektive Diskussion und Entscheidung nicht möglich. Die Mehrheit stimmte dem zu.

Gründe für einen Wechsel des Essenversorgers wurden im öffentlichen Teil nicht genannt. Unter der Hand heißt es, dass es um persönliche Befindlichkeiten gehen soll. Fakt ist: Die Schulkonferenzen der Grundschule und der Regionalen Schule haben über einen Wechsel des Essenanbieters beraten. Die Regionale Schule ist für einen Wechsel, die Grundschule dagegen.

In der Einwohnerfragestunde hatte eine Crivitzerin eine Mappe an Bürgermeisterin Britta Brusch-Gamm überreicht. Auf Nachfrage eines Stadtvertreters informierte sie, dass es sich um eine Petition für die Neuausschreibung handelt. In der Stadt lagen Listen aus, Eltern konnten für einen Wechsel unterschreiben.

Zuvor hatte die Schulkonferenz der Grundschule getagt – kurzfristig. Die fünf anwesenden Mitglieder votierten einstimmig gegen einen Wechsel, informiert Annett Mehlitz-Albat, Mitglied in der Schulkonferenz. Nach dieser Konferenz wurde in Crivitz eine Whatsapp-Nachricht verbreitet. Darin wurden Eltern aufgefordert, sich für eine Kündigung des Essenanbieters aus Demen auszusprechen. Wörtlich heißt es unter anderem: „Leider wird aus der Grundschule immer wieder geäußert, dass es keinen Grund für eine Neuausschreibung gibt, da die Eltern sich nicht beschweren und demnach mit dem Essen zufrieden sind! Dadurch bleibt den Stadtvertretern keine andere Wahl, als alles beim Alten zu belassen. Deshalb müssen wir jetzt unsere Meinung zum Ausdruck bringen.“ Und weiter: „Wichtig ist, dass ihr ja kein Kind an der Schule haben müsst, um gegen den Essenversorger zu sein. Wenn ihr auch schon schlechte Erfahrungen mit UWM gemacht habt, oder aber eurer Kind erst später davon betroffen ist, dann schreibt eure Meinung! Es kann euch ja auch einfach zu teuer sein.“

Diese Mitteilung macht nun die Runde. Auch Annett Mehlitz-Albat ist mehr als verwundert. „Das war eine demokratische Entscheidung in der Schulkonferenz, persönliche Interessen haben hier nichts zu suchen. Und Tatsache ist, dass es bislang keine Beschwerden übers Essen gibt.“ Sie sei sehr verwundert, dass die Schule instrumentalisiert werden soll. Die Crivitzerin würde es begrüßen, wenn jetzt sachlich argumentiert werden kann. Schulleiterin Angela Wippich ist Vorsitzende der Schulkonferenz und als solche irritiert darüber, in welcher Art und Weise miteinander umgegangen wird. Das grenze schon an eine Hetzaktion gegen die Schulkonferenz.

„Bei uns liegen keine Beschwerden von Eltern oder Schülern vor, was die Essenversorgung betrifft – weder mündlich noch schriftlich“, erklärt Mark Einbeck, Leiter Marketing bei UWM Demen, gegenüber SVZ. Das Demener Unternehmen liefert täglich 6500 Essenportionen sowie 3600 Mahlzeiten zu Frühstück und Vesper. Insgesamt werden 44 Kitas versorgt. In Crivitz sind Grundschule, Regionale Schule sowie das Gymnasium Kunden. Etwa zwei Drittel der Kinder an der Grundschule nehmen an der Essenversorgung teil. UWM bemühe sich täglich, ein abwechslungsreiches Essen auf den Tisch zu bringen. Vier Abteilungen von UWM arbeiten am Speiseplan mit, der auf der Grundlage der Deutschen Gesellschaft für Ernährung erstellt wird, so Geschäftsführer Wolfgang Höfer.

Zu Beginn dieses Jahres wurde der Preis pro Essen um 15 Cent erhöht. Das hänge, so Mark Einbeck, mit der Einführung des Mindestlohnes zusammen. Das Essen koste ab 2,63 Euro. Fünf Essen werden in Demen täglich gekocht.

Auf Nachfrage teilt Bürgermeisterin Brusch-Gamm mit, dass der Sozialausschuss, der im April tagte, eine Beschlussempfehlung gegeben hatte, die Essenversorgung neu auszuschreiben. Damals war von nicht schmeckendem Essen, mitunter zu kleinen Portionen und Problemen bei der Abrechnung die Rede, so die Bürgermeisterin.

Nun wollen die Stadtvertreter am 22. Juni einen neuen Anlauf nehmen, ob der Vertrag neu ausgeschrieben werden soll oder nicht. Vorher werde sich der Sozialausschuss nochmals mit diesem Thema befassen. Zudem will Brusch-Gamm das Gespräch mit den Demenern suchen.

 

 

 

 

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