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18. November 2017 | 00:28 Uhr

Zickhusen : Streit um Biogasanlage verschärft sich

vom

Seit Montag liegen die Planungsunterlagen für die Biogasanlage nahe Neu Lübstorf erneut aus. Im Lützower Bauamt wird mit viel Interesse gerechnet. Das Projekt ist wegen seiner Größe und des Standortes in der Kritik.

svz.de von
erstellt am 06.Aug.2012 | 07:07 Uhr

Zickhusen | Runde drei hat begonnen. Seit gestern liegen die Planungsunter lagen für die Biogasanlage an der B 106 nahe Neu Lübstorf erneut aus. Im Lützower Bauamt wird mit einem großen Interesse gerechnet. Denn das Projekt der Firma Nawaro Zickhusen bleibt wegen seiner Größe und wegen des Standortes in der Kritik. Und nicht nur das: Gegner dieses Zwölf-Millionen-Euro-Vorhabens haben Ende voriger Woche den Landkreis Nordwestmecklenburg eingeschaltet: Die Kommunalaufsicht soll Sitzung und Beschlussfassung der Zickhusener Gemeindevertreter vom 19. Juli unter die Lupe nehmen. Da war ohne große Debatte der Beschluss zur erneuten Auslegung gefasst worden - zum Entsetzen der mehr als 50 anwesenden Gegner(SVZ berichtete.)

Diese listen nun eine Reihe von "Formfehlern" auf, beschweren sich über die Versammlungsleitung durch Bürgermeister Hansjörg Rotermann bzw. durch den ersten Stellvertreter Peter Kröger. "Ich bin vom Verhalten des Bürgermeisters und der Gemeindevertreter entsetzt", schreibt beispielsweise Peter Möller aus Neu Lübstorf. Denn während der Sitzung war es für Gäste unmöglich, an Informationen zu kommen. Erst aus der SVZ erfuhren die Bürger, dass die in Umweltbelangen leicht veränderten Unterlagen erneut ausgelegt werden.

Dabei hatten die Gegner auf ein Aus des Projektes gehofft. Schon vor und auch nach der Juli-Sitzung hatte die Initiative "Bürger von Neu Lübstorf" die Zickhusener Gemeindevertreter aufgefordert, die Planungen nicht nur zu stoppen, sondern zurückzunehmen. Genährt wurden diese Hoffnungen durch einen Verzicht der Landeshauptstadt Schwerin, ein Biogas-Projekt am Rande der Stadt in Nachbarschaft von Pampow weiter zu verfolgen. Die Entfernungen bei diesem Projekt zu den nächsten Wohnhäusern seien größer gewesen als beim Vorhaben an der B 106. "Wir gehen vom Gleichheitsgrundsatz aus und erwarten Ihre Einsicht und Rücksichtnahme auf uns Bürger", betont Heike Stein. Die Neu Lübstorferin befürchtet Geruchsbelästigungen und einen massiven Verlust von Lebensqualität, falls das Projekt auf Zickhusener Gebiet umgesetzt wird.

Hinzu kommt noch, dass die Gegner von Biogasanlagen ihre Position auch durch jüngste Veröffentlichung der Leopoldina, der Nationalen Akademie der Wissenschaften, bestätigt sehen. Ende Juli veröffentlichte die Leopoldina eine Stellungnahme zum Ausbau der Bioenergie. Diese könne keinen quantitativ wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten, heißt es darin. Im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energieressourcen wie Photovol taik, Sonnen- und Windenergie verbrauche Bioenergie mehr Fläche und sei häufig mit höheren Treibhausgasemissionen und Umweltbeeinträchtigungen verbunden. "Experten schätzen die Herstellung von Biostrom als wirtschaftlich ungeeignet ein und machen auf die negativen Konsequenzen für Mensch, Tier und Umwelt aufmerksam", schreibt Margrit Eickhoff aus Neu Lübstorf an die Zickhusener Gemeindevertreter. "Überdenken Sie bitte Ihre Einstellung kritisch. Auch Sie werden die negativen Auswirkungen der Bio gasproduktion zu spüren bekommen."

Die Mehrheit in der Gemeindevertretung Zickhusen scheint jedoch fest entschlossen, das Planungsverfahren durchzuziehen. In Sichtweite von Neu Lübstorf sollen vier Biogasanlagen mit einem jeweiligen Leistungsvermögen von 0,5 Megawatt errichtet werden. Das Projekt wird von einem Lübstorfer Landwirtschaftsbetrieb mitgetragen. Endprodukt dabei ist nicht Strom, sondern hochwertiges Biogas, das ins Gasnetz eingespeist werden soll.

Bis zum 7. September liegen nun aber wieder die Unterlagen aus. Interessenten können diese montags bis donnerstags jeweils von 9 bis 13 Uhr sowie dienstags und donnerstags auch von 13 bis 18 Uhr im Lützower Bauamt einsehen. Nach den beiden vorherigen Auslegungen wurden bereits an die 1000 Einwendungen gemacht. Diese müssen gemeinsam wie die Äußerungen während der jetzigen Auslegung im Abwägungsprozess betrachtet und beantwortet werden.

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