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Zeitung für die Landeshauptstadt

18. November 2017 | 09:41 Uhr

Kitas geschlossen : Streik mit gemischten Gefühlen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

An drei Tagen bleiben jeweils fünf kommunale Kitas den ganzen Tag geschlossen: Gestresste Eltern klagen über fehlende Notgruppe

von
erstellt am 12.Mai.2015 | 07:45 Uhr

„Ganz schön furchtbar“ findet Peggy Mraz den Kita-Streik, der in dieser Woche Schwerin erreicht hat. Ihr Kind geht in die „Future Kids“, die heute den ganzen Tag geschlossen sind. „Meine Eltern leben zwar in der Stadt, arbeiten aber auch“, sagt die Schwerinerin. Ihr Kind verbringt den Tag also bei der Uroma. Für Peggy Mraz, die im Einzelhandel arbeitet, war es nicht möglich, kurzfristig den Dienstag frei zu bekommen. „Für berufstätige Eltern hätte es eine Notgruppe geben müssen“, meint Peggy Mraz. Auch wenn sie großen Respekt vor der Arbeit der Erzieher und Verständnis für deren Forderung nach mehr Anerkennung hat – wie viele andere Eltern, die SVZ befragte – sieht sie den Streik mit gemischten Gefühlen. Schließlich müssten die Eltern für höhere Gehälter der Erzieher tiefer in die Tasche greifen. Zehn Prozent mehr, lautet eine aktuelle Verdi-Forderung.

„Nach der Einführung der Verpflegungs-Pauschale an den Kitas trifft uns das jetzt umso mehr“, sagt Ronny Pärisch. Bahnstreik, Poststreik, Kita-Streik – „am Ende zahlen wir“, sagt Pärisch. Seine Tochter geht in die Kita Rappelkiste, die heute bestreikt wird, ebenso wie das Kind von Uwe Bräuer: „Ich bringe meine Tochter zur Oma und könnte auch einen längeren Streik durchstehen.“ Er versteht die Erzieher gut und will von der Politik ein klares Bekenntnis: „Die Finanzierung von Kinderbetreuung und -versorgung sollte Vorrang haben.“

So sieht das auch Verdi-Bezirksgeschäftsführerin Ute Evers, die von Montag bis Mittwoch Erzieher und Politiker zum Streikfrühstück in der Külzstraße begrüßt. An jedem der drei Tage werden jeweils fünf Einrichtungen der Schweriner Kita gGmbH erstmals ganztägig bestreikt. „Es geht uns gar nicht um die zehn Prozent“, betont Ute Evers. „Wir wollen eine bessere Eingruppierung, weil sich die Arbeit der Erzieher verändert hat. Bund und Länder sollen dabei in die Finanzierungspflicht genommen werden, nicht die Kommunen.“ Erzieher leisteten heute in vielen Quartieren auch Sozialarbeit für Mütter und Väter. Sie arbeiten mit behinderten Kindern, mit Migrantenkindern, die schlecht Deutsch sprechen. Sie müssen einem immer höheren Bildungsanspruch gerecht werden – und den individuellen Bedürfnissen jedes Kindes. Elterngespräche und Fortbildungen finden zumeist in der Freizeit statt, erzählen die Erzieherinnen der Waldgeister, die gestern ab 6 Uhr vor der Tür ihrer geschlossenen Kita im Mueßer Holz standen. Um nach außen ihren Protest kundzutun – und um im Notfall ein Kind in Empfang nehmen zu können. Doch alle Eltern waren vorbereitet, niemand kam.

 

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