Schwerin: Fortbestehen von Ataraxia in Gefahr : Streichliste verbreitet Angst bei Musikschülern

<strong>Aus dem Kulturleben der Stadt kaum wegzudenken: </strong>Die jungen Künstler von Ataraxia - hier das  Saxofon-Quartett -  stehen vor einer ungewissen Zukunft, wenn die Stadtvertreter den Kürzungsplänen zustimmen.<fotos>Reinhard Klawitter</fotos>
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Aus dem Kulturleben der Stadt kaum wegzudenken: Die jungen Künstler von Ataraxia - hier das Saxofon-Quartett - stehen vor einer ungewissen Zukunft, wenn die Stadtvertreter den Kürzungsplänen zustimmen.Reinhard Klawitter

Mehr als 1300 Schüler bangen um ihren Unterricht. Wenn die Stadt den jährlichen Zuschuss von 100.000 Euro für die Musik- und Kunstschule Ataraxia streicht, müsste die Einrichtung sofort Insolvenz anmelden und schließen.

svz.de von
29. Januar 2013, 11:02 Uhr

Schwerin | Bei den mehr als 1300 Schülern der Musik- und Kunstschule Ataraxia geht die Angst um: Wenn die Stadt den jährlichen Zuschuss von 100 000 Euro für die vom Verein Ataraxia getragene Einrichtung streicht, müsste die Schule sofort Insolvenz anmelden und schließen, für die Schüler würde der Musik- oder Kunst-Unterricht ersatzlos wegfallen, 69 Honorar-Lehrer und Angestellte müssten sich beim Arbeitsamt melden, so der Trägerverein.

Wie kommt es, dass die relativ kleine Summe derart gravierende Auswirkungen für die Bildungs- und Kulturlandschaft in Schwerin hätte? Gerit Kühl, Geschäftsführerin von Ataraxia, erklärt: "Als staatlich anerkannte Musikschule bekommen wir auch Landesmittel, die in der Höhe an den kommunalen Zuschuss gekoppelt sind. Diese würden dann also ebenfalls wegfallen. Es fehlen dann 200 000 Euro in unserem Etat, die nicht auszugleichen sind", so die Geschäftsführerin. Rücklagen habe der Verein nicht und Luft für weitere Einsparungen sei nicht vorhanden. "Wir mussten schon die Beiträge zu Jahresbeginn um fünf Prozent erhöhen." Jede Kürzung würde die Struktur zerschlagen, sagt Kühl.

Die Folgen wären fatal: Mit der Schließung der Schule würde der Instrumental-, Tanz- und Kunstunterricht für 1300 Schüler wegfallen, denn das Konservatorium kann diesen Unterricht nicht auffangen. Die Wartelisten an beiden Schulen sind jetzt schon lang.

Aber die Auswirkungen würden noch weiter reichen: Ein großer Teil der Schüler aus den Musikklassen des Goethe-Gymnasiums erhält die musikalische Ausbildung bei Ataraxia. Viele Kitas und Schulen wären als Kooperationspartner betroffen. Das Jugendsinfonieorchester der Landeshauptstadt ist auf Erfolgskurs, weil es von den beiden Musikschulen gemeinsam getragen wird. 69 Mitarbeiter, die durch jahrelangen Einkommensverzicht die fehlenden öffentlichen Mittel kompensiert haben und dennoch engagiert arbeiten, verlieren ihren Job. "Seit 1997 konnten Gehälter und Honorare nicht erhöht werden, da unsere Fördermittel nicht dynamisiert wurden", sagt die Geschäftsführerin.

Könnte Privatunterricht die drohende Bildungslücke ausfüllen? Kaum, denn ohne Sozial- und Familienermäßigungen wäre es mit der Chancengleichheit für alle Kinder nicht weit her, meint Gerit Kühl und fügt noch einen weiteren Fakt hinzu: "Die Hauptaufgabe einer Musikschule beginnt da, wo der Einzelunterricht aufhört: Beim gemeinsamen Musizieren in Ensembles und Orchestern, bei Projekten und Probenlagern, bei Auftritten und Wettbewerben. Hier lernen Kinder und Jugendliche, sich mit Freude und Fleiß zu engagieren. Sie erleben, dass es sich lohnt, Arbeit und Mühe zu investieren. Können wir darauf wirklich verzichten?"

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