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Inge Schneider rettete Schweriner Amüsement-Tempel vor dem Abriss : Strandpavillon glänzt in Zippendorf

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Am Anfang unseres Jahrtausends hat der Strandpavillon direkt am Zippendorfer Strand noch vor dem Abriss gestanden - heute ist der sechseckige Bau der ganze Stolz der Schwerinerin Inge Schneider.

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erstellt am 28.Jul.2013 | 07:15 Uhr

Neu Zippendorf | Am Anfang unseres Jahrtausends hat der Strandpavillon direkt am Zippendorfer Strand noch vor dem Abriss gestanden - heute ist der sechseckige Bau der ganze Stolz von Inge Schneider. Die Schwerinerin hatte 2003 das damals 91 Jahre alte Denkmal von der Landeshauptstadt gekauft, als es schon kaum noch Hoffnung für die einst so geliebte Stätte des Amüsements gab. Seit seiner Errichtung im Jahr 1921/22 war der Strandpavillon bei den Schwerinern sehr beliebt.

Heute gewinnt der sechseckige Bau mit seinem Flair der lebenshungrigen 1920er-Jahre ein Stück seiner alten Anziehungskraft zurück - als Veranstaltungsort für Hochzeiten, Feste, Konzerte und Theateraufführungen. Der Höhepunkt dieses Jahres war das Konzert von Matthias Schorn, der bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommerns mit Blues, Folk, Klassik und Rock begeisterte. Inge Schneider verzeichnet heute wieder eine steigende Zahl von Buchungen.

Der etwa 350 Quadratmeter große Saal "besitzt eine perfekte Akustik", sagt sie. Kein Wunder, denn der Musikdirektor August Lau hatte das Café-Restaurant nach Entwürfen des Maurermeisters Carl Mecklenburg errichten lassen. Nach mehreren Besitzerwechseln kaufte Restaurator Hermann Julius Abraham das so genannte Strandschloss. Abraham besaß bereits die benachbarte Strandperle, die heute wie damals dem Strandpavillon für größere vor allem private Veranstaltungen nutzt. Im Jahr 1933 erwarb Gastwirt Johannes Dürkoop das Gebäude. Dürkoop betrieb zur gleichen Zeit das große Schweriner Gesellschaftshaus "Stadthallen" am Marienplatz. Zu DDR-Zeiten übernahmen HO-Gaststätten den Betrieb, auf der Pavillon-Rückseite entstanden große Anbauten, die bis heute stehen. Nach der Wende zog ein chinesisches Restaurant in den historischen Bau ein.

Die ehemalige Küche, "in der ich mich wie in einem riesigen OP-Saal fühlte", sagt Inge Schneider, bauten sie und ihr Mann kurzerhand zu ihrem heutigen Wohnraum um. Lichtdurchflutet, modern mit natürlichen Baustoffen - dort kann Inge Schneider richtig durchatmen und fühlt sich einfach nur zu Hause. Ursprüngliche Überlegungen, das Dachgeschoss des Pavillons zum Wohnraum auszubauen, schlugen die neuen Eigentümer schnell wieder in den Wind. Die hölzerne, komplexe Dachstuhl-Konstruktion "erinnert an einen Wald", sagt Inge Schneider. Um die Leichtigkeit des Baus zu gewährleisten und die dünnen Wände mit den hohen Korbbogen-Fenstern nicht übermäßig zu belasten, wurde der Zippendorfer Strandpavillon in leichter Holzbauweise überdacht - die bis heute ihren Beitrag zur brillanten Akustik des Raums leistet.

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