Schwerin-Zippendorf: Investor gefunden : Strandhotel steht kurz vor dem Verkauf

<strong>Trauriger Anblick:</strong> Die Pläne, aus dem  Strandhotel ein Grand Media Kongresszentrum zu machen, entpuppten sich als Luftblase.  Jetzt werden  Wohnungen  als  künftige Nutzung des denkmalgeschützten Gebäudes  favorisiert.<foto>Reinhard Klawitter</foto>
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Trauriger Anblick: Die Pläne, aus dem Strandhotel ein Grand Media Kongresszentrum zu machen, entpuppten sich als Luftblase. Jetzt werden Wohnungen als künftige Nutzung des denkmalgeschützten Gebäudes favorisiert.Reinhard Klawitter

Gibt es doch noch ein Happy-End für das Strandhotel in Zippendorf? Es gibt einen seriösen Interessenten aus Schwerin für das Objekt. Womöglich kommt es schon in den nächsten Tagen zur Unterzeichnung eines Kaufvertrages.

svz.de von
21. Juni 2012, 06:40 Uhr

Zippendorf | Gibt es doch noch ein Happy-End für das Strandhotel in Zippendorf? "Jetzt ist endlich Bewegung ins Thema gekommen", erklärt der Insolvenzverwalter und Hamburger Jurist Stephan Münzel auf SVZ-Anfrage. "Womöglich kommt es schon in den nächsten Tagen zur Unterzeichnung eines Kaufvertrages. Es gibt einen sehr seriösen Interessenten aus Schwerin für das Objekt. Und auch auf Seiten der Bank gibt es endlich Handlungsfähigkeit." Mit ihren Preisvorstellungen für das denkmalgeschützte Gebäude sei sie in den letzten Monaten deutlich runtergegangen, so Münzel. Ursprünglich habe die Hypo Alpe Adria etwa 2,5 Millionen Euro für das stark sanierungsbedürftige Gebäude haben wollen, jetzt befinde sich der Preis bei gut der Hälfte.

Doch der Weg zum neuen Glanz fürs Strandhotel ist mit vielen Wenns und Abers gepflastert. Der Bebauungsplan sieht für das Areal beispielsweise noch immer eine gigantische Hotelanlage vor, die die Alpha Baumanagement schon 2004 aufwändig präsentiert hatte: 131 Zimmer, Konferenzraum für 450 Personen, 80 Arbeitsplätze, Investitionen von 29 Millionen Euro. Der Traum vom Tagungshotel am Zippendorfer Strand zerplatzte schnell, doch es kostete noch viele Jahre, leere Versprechungen und unerfüllte Ankündigungen, bis das Objekt wieder zum Verkauf stand, beziehungsweise dem Insolvenzverwalter übergeben wurde.

Der sah schon 2011 wenig Chancen für ein weiteres Hotel in Schwerin: Um das Interesse einer großen Hotelkette zu wecken, sei es zu klein, für Individualisten zu groß, und wer von weither nach Mecklenburg zum Strandurlaub fährt, der reist gleich durch bis zur Ostsee. Wohnungen waren die favorisierte Lösung des Insolvenzverwalters für die 1A-Lage mit Seeblick. Und genau das möchte offenbar auch der neue Interessent. Dass es eine B-Plan-Änderung in dieser Richtung von der Stadt geben wird, darauf kann er jetzt erstmal nur hoffen. "Um auch mit dem Denkmalschutz klarzukommen, könnte sich der Investor auch vorstellen, im alten großen Saal eine Gastronomie zu betreiben", sagt Münzel.

Doch der potenzielle Kaufvertrag habe ohnehin zahlreiche komplizierte Klauseln, wie auch ein Rücktrittsrecht. "Wir machen uns auf jeden Fall große Hoffnungen, dass jetzt etwas passiert", sagt Münzel. Dass die Grunderwerbssteuer in Mecklenburg-Vorpommern schon zum 1. Juli von 3,5 auf 5 Prozent steigt, sei ein weiteres gutes Argument der Hypo Alpe Adria gegenüber. Denn wenn der neue Eigentümer erstmal mehr Steuern zahlen muss, wird er sicher Abstriche beim Kaufpreis machen.

Nicht nur die Zippendorfer würden sich freuen, wenn an dem prominentesten Gebäude des Strandes der Putz endlich nicht mehr bröckelt und die Graffiti-Sprayer nicht mehr freie Bahn haben. Für den Ortsbeirat ist das Hotel seit Jahren ein ärgerlicher Dauerbrenner, für Anwohner ein Schandfleck, für Touristen einfach unbegreiflich. Das 1911 eröffnete Haus hatte damals 65 Zimmer mit Salons und Balkons sowie elektrisches Licht. Seine touristische Glanzzeit erlebte Zippendorf in den 1920er-Jahren, als auch der Strand mit Ostseesand aufgeschüttet wurde. Zu DDR-Zeiten lief das Haus als "Hotel am Strand" weiter, 1990 wurde es nach aufwändiger Sanierung wieder zum Strandhotel mit nur noch 26 Zimmern, Tanzsälen und Restaurant umgebaut. Seit 2004 steht es leer.

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