Aus dem Schweriner Landgericht : Stieftochter missbraucht

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Schweriner zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Es steht Aussage gegen Aussage. Das Gericht ist von der Schuld des 44-Jährigen überzeugt.

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24. März 2016, 08:00 Uhr

Das Schweriner Landgericht hat einen 44-jährigen Mann aus Schwerin zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, weil er seine Stieftochter mehrfach missbraucht und vergewaltigt hat. Das Strafmaß hatte auch die Staatsanwaltschaft gefordert. Das inzwischen 16 Jahre alte Mädchen hatte ihren Stiefvater vor einem Jahr angezeigt. Der beteuerte bis zuletzt, dass keiner der Vorwürfe wahr sei. Als er noch im Gerichtssaal verhaftet wurde, beschwor seine Mutter, die als Zuschauerin gekommen war, unter Tränen: „Er ist nicht schuldig.“ Seine Verteidiger wollen das Urteil nicht anerkennen. Sie hatten einen Freispruch beantragt.

Es stand Aussage gegen Aussage. Zeugen oder Indizien gab es nicht. So mussten die Richter entscheiden, wem von beiden sie glauben. Nach fünf Stunden Beratung war der Vorsitzende Richter Armin Lessel von den Schilderungen der Schülerin überzeugt: „Das kann man sich nicht zusammenlügen.“

Laut Urteil missbrauchte der Angeklagte seine Stieftochter zum ersten Mal im Jahr 2007, als sie acht Jahre alt war. Bis zum Frühjahr 2015 kamen mindestens neun weitere Übergriffe hinzu, die immer heftiger wurden. Nach dem ersten Vorfall habe sie ihrer Mutter davon berichtet, sagte die Schülerin als Zeugin vor Gericht. Doch von ihrer Mutter bekam sie keine Unterstützung. Seit sie auf Drängen ihres Freundes ihren Stiefvater anzeigte, hat sie die ganze Familie gegen sich.

Das Gericht nahm die Schülerin fünf Stunden lang „in die Mangel“, wie Lessel über die nicht öffentliche Befragung berichtete. Dabei habe sie so viele Details berichtet, wie es eine Lügnerin nicht zustande bringen würde. Auch belanglose Nebensächlichkeiten konnte sie dem Gericht schildern. Wenn sie dennoch auf Widersprüche hingewiesen wurde, blieb sie ruhig und korrigierte sich. Nie wurde sie nervös, als sei sie bei einer falschen Aussage ertappt worden. Außerdem habe sie keinen Grund, ihrem Stiefvater mit falschen Beschuldigungen ins Gefängnis zu bringen.

Das sahen die Verteidiger anders. Die Eltern hätten der „pubertierenden“ Tochter den Umgang mit ihrem ersten festen Freund strikt untersagt. Das wäre durchaus ein Grund gewesen, sich zu rächen, zumal ihr Freund „extrem eifersüchtig“ war. Die vielen Details seien ein Indiz für eine Falschaussage, weil sie sich kaum an Kleinigkeiten erinnern könne, die vor acht Jahren passiert sein sollen. Und manche Widersprüche zwischen den Aussagen vor einem Jahr bei der Polizei und nun vor Gericht machten das Mädchen nicht glaubwürdiger. Außerdem sei die 16-Jährige angesichts der schlimmen Vorwürfe viel zu ruhig, ja fast emotionslos gewesen. „Ihre Aussage ist nicht so glaubhaft, als dass man darauf eine Strafe von fünf Jahren Gefängnis stützen kann“, so einer der Verteidiger.

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