Gebühren für die Friedhöfe steigen um mehr als 20 Prozent : Sterben in Schwerin wird teurer

<strong>Urnengräber auf dem Waldfriedhof:</strong> Seit April 2011 sind die Preise für die Grabstätten konstant geblieben. Jetzt werden die Kosten für alle Leistungen der Friedhofsverwaltung deutlich angehoben. <foto>Reinhard Klawitter</foto>
Urnengräber auf dem Waldfriedhof: Seit April 2011 sind die Preise für die Grabstätten konstant geblieben. Jetzt werden die Kosten für alle Leistungen der Friedhofsverwaltung deutlich angehoben. Reinhard Klawitter

Hinterbliebenen sind ihre Verstorbenen meist lieb und teuer. Letzteres ist in der Landeshauptstadt wörtlich zu nehmen. Die Stadt erhöht die Friedhofsgebühren. Durchschnittlich steigen die Preise um mehr als 20 Prozent.

svz.de von
17. Januar 2013, 10:54 Uhr

Schwerin | Hinterbliebenen sind ihre Verstorbenen meist lieb und teuer. Letzteres ist in der Landeshauptstadt wörtlich zu nehmen. Die Stadt erhöht die Friedhofsgebühren. Durchschnittlich steigen die Preise um mehr als 20 Prozent. Das ist der neuen Friedhofsgebührensatzung zu entnehmen, die den Stadtvertretern vorgelegt wurde.

Kostete beispielsweise eine "Endreihengrabstätte für Verstorbene ab vollendetem 6. Lebensjahr" bisher 1108 Euro, so sollen es in Zukunft 1383 Euro sein. Ein sattes Plus von 275 Euro. Auch Urnengrabstätten werden teurer: Plus 91,50 Euro. Die Liste ließe sich fortführen. Für alle Positionen der Gebührenordnung werden die Preise angezogen. Als Grund nannte Baudezernent Wolfram Friedersdorff die gestiegenen Kosten für Personal, Material und zugekaufte Leistungen. "Auf der anderen Seite gibt es aber keine Einsparmöglichkeiten mehr." Die Friedhofsverwaltung verzichtet seit zwei Jahren sogar schon auf die Besetzung einer Stelle für Kundenberatung und Marketing, obwohl dies aufgrund der verschärften Wettbewerbssituation eigentlich nötig wäre.

Es gibt aber auch noch weitere Gründe. Denn den Schweriner Höfen fehlen die Toten. "Wurden in der Landeshauptstadt früher mehr Tote beerdigt, als Sterbefälle registriert wurden, so ist das jetzt nicht mehr der Fall", so Ilka Wilczek, die Chefin der für die Friedhöfe zuständigen Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen (SDS). "Heute sterben in Schwerin etwa 100 Menschen mehr, als auf den städtischen Friedhöfen beerdigt werden." Der Knick kam 2007. "Da hat das Forstamt seinen Ruheforst in Schelfwerder eröffnet", so Friedersdorff. "Das halte ich nach wie vor für unmöglich. Friedhofskultur muss an ein städtisches Amt gebunden sein."

Klassische Friedhöfe befinden sich seit einigen Jahren aber auch in einem Wettbewerb mit neuen Bestattungsangeboten. Gleichzeitig hat sich in der Bestattungskultur ein deutlicher Wandel vollzogen. Immer häufiger werden Bestattungsarten mit möglichst geringem Aufwand für die Hinterbliebenen nachgefragt. Seebestattungen gehören dazu oder auch Ruhewiesen, die von privaten Krematorien kostengünstig betrieben werden. Die SDS hat schon früh versucht, auf die Konkurrenz zu reagieren und hat das Angebot an Grabarten, bei denen der Eigenbetrieb die Gestaltung und Pflege übernimmt, in den vergangenen Jahren stetig erweitert. Beispielhaft sind die Baumgrabstätten, Urnenwahlgräber im Rasengrabfeld, Gemeinschaftsgrabstätten für 20 Urnen und die Streuwiese zu nennen. Auch mit dem traditionellen Angebot an Erdgrabstätten auf dem Waldfriedhof steht für Angehörige ein Angebot mit reduziertem Pflegeaufwand zur Verfügung. Trauerfeierlichkeiten und Bestattungen sind auf dem Alten Friedhof und dem Waldfriedhof auch am Sonnabendvormittag möglich. Für die Nutzung der Trauerhallen haben die Hinterbliebenen die Möglichkeit aus mehreren Varianten die für sie passende zu wählen. Zukünftig wird es hier mit der Änderung der Friedhofsgebührensatzung eine weitere Flexibilisierung geben.

Knackpunkt scheinen aber die Preise zu sein. Denn offenbar werden Verstorbene aus Schwerin auch im Umland beerdigt. Auf den Dörfern ist es ohnehin günstiger als in der Landeshauptstadt. Und im Städtevergleich schneidet die Stadt auch schlecht ab. Beispiel: Eine Reihengrabstätte kostet in Wismar nur 380 Euro, in Crivitz sind es 450 Euro und selbst im "teuren" Neubrandenburg sind es fast 300 Euro weniger, als in Schwerin.

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