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Zeitung für die Landeshauptstadt

18. Dezember 2017 | 02:32 Uhr

Brandschutz in Schwerin : Stau bei Kontrollen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Feuerwehr räumt Rückstand bei der Überprüfung wichtiger Gebäude in der Stadt ein. Unabhängige Bürger fordern Konsequenzen

von
erstellt am 28.Aug.2017 | 20:45 Uhr

Der Vorsitzende der Fraktion der Unabhängigen Bürger in der Stadtvertretung spart nicht mit deutlichen Worten: „Unseres Erachtens muss dem Brandschutz mehr Priorität beigemessen werden als beispielsweise der Verteilung von Knöllchen bei Parkverstößen“, sagt Silvio Horn. Die Verwaltung sei gut beraten, der öffentlichen Sicherheit mehr Beachtung zu schenken und notfalls Personal umzusetzen. Stein des Anstoßes: Auf Nachfrage der Fraktion hat die Verwaltung eingeräumt, dass es bei der
so genannten Brandverhütungsschau einen erheblichen Bearbeitungsstau bei den zu begutachtenden Gebäuden in Schwerin gibt.

Nach dem verheerenden Brand eines Hochhauses in London im Mai dieses Jahres hatten die Unabhängigen Bürger das Thema Brandschutz auf die Tagesordnung gesetzt und Oberbürgermeister Rico Badenschier
um die Bewertung von Risiken für die städtischen Gebäude einschließlich jener der stadteigenen Wohnungsgesellschaft gebeten. In seiner Antwort an die Stadtfraktion gab Badenschier Entwarnung: Es bestehe keine Gefahr. Leicht entflammbare Materialen seien nicht verbaut worden, allenfalls Wärmedämmverbundsysteme mit Polystyrol-Dämmstoffen, die als schwer entflammbar gelten. Zusätzlich habe die Stadt die Gebäude schon seit Jahren mit Brandriegeln ausgerüstet und achte auf Brandsicherheit, zitieren die Unabhängigen Bürgen den OB. „Es ist beruhigend, dass bei unseren städtischen Gebäuden offenbar keine Brand-Risiken wie im Falle des Londoner Hochhauses drohen“, bilanziert Fraktionschef Horn. Allerdings habe die Verwaltung erneut Versäumnisse bei der Brandverhütungsschau zugegeben, eigene Versprechungen, etwa bei der Begutachtung von Schulen, nicht eingehalten.

Dr. Stephan Jakobi, zuständiger Fachdienstleiter bei der Stadt und Chef der Schweriner Berufsfeuerwehr, redet im Gespräch mit unserer Zeitung nicht um das Problem herum, korrigiert allerdings die von den Unabhängigen Bürgern verbreiteten Zahlen. Nicht 1000 Objekte in Schwerin müsse die Feuerwehr auf den Brandschutz hin überprüfen, sondern 630. Auf dem Laufenden seien die Kontrolleure lediglich bei rund 100 Gebäuden, räumt Jakobi ein.

Als Grund für den Bearbeitungsstau nennt der Feuerwehr-Chef zum einen eine begrenzte Personalausstattung. Nur drei Mitarbeiter sehe der Stellenplan für den vorbeugenden Brandschutz vor, erklärt Jakobi. Mangels geeigneter Bewerber sei zudem eine Stelle monatelang nicht besetzt gewesen. Weitere Ursache für den Verzug bei den Kontrollen: der zum Teil erhebliche Aufwand bei der Begutachtung. „Allein die Überprüfung des Klinikums hat drei Wochen in Anspruch genommen“, sagt der Leiter der Feuerwehr. Jede Brandverhütungsschau sei mit einer ausführlichen Dokumentation und einer Nachkontrolle verbunden.

Bei der Untersuchung der Gebäude achten die Kontrolleure nach Angaben von Jakobi insbesondere auf Rettungswege, aber auch auf bauliche Gegebenheiten, die das Ausbreiten eines Feuers verhindern können, auf Alarmierungssysteme, auf Steigleitern und auf Aufstellflächen für die Feuerwehr.

Neben dem Krankenhaus seien unter anderem auch die Kongresshalle und alle Kitas in der Stadt überprüft worden, versichert Jakobi. Auch die Untersuchung der Schulen sei weit fortgeschritten. Die Stadt konzentriere sich bei ihren Möglichkeiten auf solche Gebäude, in denen viele Menschen zusammenkämen, so der Feuerwehr-Chef. Laut Brandverhütungsschauverordnung des Landes müssten etwa auch Industriebauten, Verkaufsstätten, Hotels, Restaurants und generell Häuser mit einer Höhe von rund 30 Meter im Abstand drei oder mehr Jahren gecheckt werden. So erkläre sich die Zahl von 630 zu begutachtenden Objekten in der Stadt, sagt Jakobi.

Durch Umsetzungen innerhalb der Verwaltung oder Neueinstellungen lasse sich der Bearbeitungsstau nicht von heute auf morgen auflösen, sagt der Feuerwehr-Chef. „Die Mitarbeiter benötigen eine spezielle Qualifikation, um eine Brandverhütungsschau durchführen zu können, und arbeitslose Feuerwehrleute sind in Deutschland Mangelware.“ Auch unabhängig von einer regelmäßigen Kontrolle durch die Feuerwehr seien die Eigentümer von Immobilien aber nach der Landesbauordnung verpflichtet für den Brandschutz zu sorgen, betont Jakobi.

Ob sich die Stadtpolitik freilich mit diesen Erklärungen zufrieden gibt, erscheint fraglich. Silvio Horn jedenfalls macht beim Thema Bearbeitungsstau Druck. „Hier muss schnellstmöglich Abhilfe geschaffen werden“, sagt der Fraktionschef der Unabhängigen Bürger.



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