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Zeitung für die Landeshauptstadt

19. September 2017 | 15:40 Uhr

Schwerins Plätze : Statt Radrennen nun grillen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Alte Sportstätten in Schwerin: Zwei Namen für den Sportplatz auf der Schwimmenden Wiese

svz.de von
erstellt am 25.Jul.2017 | 21:00 Uhr

Fußball, Handball, Volleyball: In der Landeshauptstadt wird viel Sport getrieben und das oft sehr erfolgreich. Ob in der Palmberg-Arena, im Lambrechtsgrund oder im Sportpark Lankow – überall springen, hüpfen, laufen große und kleine Schweriner. Doch die Stadt hat auch zahlreiche Sportstätten, die in Vergessenheit geraten oder mittlerweile für andere Veranstaltungen genutzt werden, wie die Albert-Richter-Kampfbahn, auch Sportplatz am Burgsee genannt, auf dessen einstigem Areal sich jetzt die Schwimmende Wiese befindet.

Heute wird auf dem Platz der ehemaligen Sportstätte gegrillt und das schöne Wetter genossen. Einheimische und Touristen vergnügen sich auf dem zur Buga 2009 völlig umgestalteten Areal, auf dem früher Fußball gespielt, Rad- und Pferderennen veranstaltet wurden. Doch warum gab es zwei Namen für die Sportstätte: Sportplatz am Burgsee und Albert-Richter-Kampfbahn?

„Als die Russen nach dem Zweiten Weltkrieg am Ostufer des Burgsees eine Pferderennbahn bauten, hieß der Sportplatz nach dem See“, erklärt Jens-Uwe Rost vom Schweriner Stadtarchiv. Auch eine Zuschauertribüne aus Holz wurde errichtet. „Aus den Logen konnten die hohen Besucher die Rennen verfolgen, es war der Galasportplatz für die Russen“, so Rost. Die SED-Führung der DDR benannte die Sportstätte einige Zeit später in Albert-Richter-Kampfbahn um. Damit ehrten sie den Radfahrer, der 1932 Weltmeister und zwischen 1933 und 1939 mehrmals Deutscher Meister und zweimal Vizeweltmeister im Bahnsprint war. Das Besondere an Albert Richter: Statt mit dem Hakenkreuz trat er im Ausland mit dem Reichsadler auf dem Trikot an.

Passend zum Namensgeber fanden seit Anfang der 1950er-Jahre regelmäßig Radrennen auf der Aschenbahn mit den überhöhten Kurven statt. Mit dem „Großen Preis von Schwerin“ wurde die Bahn am 15. Juli 1950 eröffnet, 1951 das Albert-Richter-Gedenkrennen dort veranstaltet. Tausende Besucher verfolgten das sportliche Ereignis über 125 Runden. Im selben Jahr wurden auf dem Platz außerdem die Landesmeisterschaften im Boxen ausgetragen. Auch Fußball wurde dort gespielt, ebenso wie Boule. 2004 fanden die Schweriner Stadtmeisterschaften im Boule auf der Albert-Richter-Kampfbahn statt. Im Sportgebäude trainierten in den 1960er-Jahren die Mannschaften des 1. Schweriner Judoclubs.

Die Sportstätte, die seit 1967 Volksportzentrum war, wurde mehrmals renoviert. 1966 kam ein Hartplatz mit mehreren kleinen Sportplätzen hinzu, die Aschenbahn wurde von 416 auf 400 Meter verkürzt, die Holztribünen abgerissen. Dennoch musste die Albert-Richter-Kampfbahn 2005 für die Bundesgartenschau 2009 weichen. Der Burgseeverein spielt seitdem auf dem Großen Dreesch neben dem SVZ-Verlagsgebäude an der Crivitzer Chaussee Fußball.


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