Rockhaus-Konzert : Statt Angst haben sie Lieder

Lieder mit Tiefgang und Melodien, die unter die Haut gehen: So zeigten sich die Musiker von Rockhaus im Speicher. Zur aktuellen Politik haben Sänger Mike Kilian und Gitarrist Reinhard Petereit (r.) eine ganz eigene Meinung.
Lieder mit Tiefgang und Melodien, die unter die Haut gehen: So zeigten sich die Musiker von Rockhaus im Speicher. Zur aktuellen Politik haben Sänger Mike Kilian und Gitarrist Reinhard Petereit (r.) eine ganz eigene Meinung.

Seit vielen Jahren verzaubert Rockhaus das Publikum und lässt sich vom Terror nicht einschüchtern – auch Kulturmanager bleiben gelassen

svz.de von
22. November 2015, 17:22 Uhr

„Lass uns leben und nicht an morgen denken…“ So eröffneten die Musiker von Rockhaus ihr Konzert im Speicher. Und obwohl diese Textzeile viele Monate vor den Anschlägen in Paris entstanden ist, trifft sie aber dennoch den Kern. Denn die Band lässt sich vom Terror nicht einschüchtern. „Wir gehen ganz normal wie immer auf die Bühne. Denn wenn wir jetzt Angst haben, dann haben die gewonnen“, erklärt Sänger Mike Kilian. Die Band wolle Party machen. Und genau das sei auch die beste Antwort auf die Anschläge – nicht nur in Paris. „Die Menschen sollen leben, sollen feiern – dafür gehen wir auf die Bühne“, erklärt Bandmitbegründer Reinhard Petereit. Seit 1978 steht Rockhaus – wenn auch immer mal wieder mit anderen Musikern und nicht mehr regelmäßig – auf der Bühne.

Im SVZ-Gespräch zeigen sich die Bandmitglieder ungewohnt politisch. Das Misstrauen in die Politik ist ihrer Ansicht nach größer geworden. „Immer mehr Überwachung, immer mehr Unsicherheit. Aber in diesen Zeiten von Krieg zu reden, das ist nicht richtig“, erklärt Mike Kilian. Krieg sei das falsche Wort. Doch von all dem dürfe sich niemand einschüchtern lassen. „Den bösen Job, den machen andere – und die machen ihn hoffentlich gut“, sagt Mike Kilian. Die Menschen sollten mehr Musik hören, mehr feiern gehen. Und die Musiker sollten eben nicht den Terror zum Thema machen. „Wir haben das am Anfang gemacht. Da waren wir jung und dumm. Lieder über Krieg und Frieden gibt es genug“, versichert Kilian.

Und die hatten er und seine Bandkollegen am Freitagabend auch im Gepäck – bekannte und neue Lieder. „Wir haben uns therapiert“, erklärt Frontmann Kilian. Und dann machen sie das, was sie am besten können: Musik. „Das mulmige Gefühl wird wieder vergehen. Und genau das soll es auch“, versichert Gitarrist Petereit. Sein Wunsch geht am Freitagabend auf. Denn von Angst oder gar schlechten Gefühlen ist nichts zu spüren. Auf und vor der Bühne gibt es Freude und Leben pur.

Das war auch ganz im Sinne von Speicher-Chef Dieter Manthey: „Wir machen weiter wie zuvor. Die Menschen kommen zu uns, um zu feiern.“ Zwar gucke das Personal nun etwas genauer, doch von den Terror-Anschlägen lasse sich das Soziokulturelle Zentrum nicht einschüchtern.

Auch in der Sport- und Kongresshalle läuft alles nach Plan. „Kein Künstler hat abgesagt, und von Panikmache kann bei uns nicht die Rede sein“, erklärt Geschäftsführerin Petra Blunk. Derzeit werde das Sicherheitskonzept überdacht, aber Grund zur Beunruhigung müsse niemand haben, versicherte sie.

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