Staffelstab übergeben : Starthilfe für junge Tierärztinnen

Tierarzt Eckehard Ribbeck hat seine Praxis in Brüsewitz aus Altersgründen aufgegeben. Alle Vierbeiner weiß er nun bei den  jungen Kolleginnen Henriette Otto (l.) und Andrea Butzmann (r.) und ihrer Assistentin Franziska Mutz in guten Händen.
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Tierarzt Eckehard Ribbeck hat seine Praxis in Brüsewitz aus Altersgründen aufgegeben. Alle Vierbeiner weiß er nun bei den jungen Kolleginnen Henriette Otto (l.) und Andrea Butzmann (r.) und ihrer Assistentin Franziska Mutz in guten Händen.

Henriette Otto und Andrea Butzmann eröffneten Praxis in Dalberg – und übernahmen Patienten und Inventar von Eckehard Ribbeck aus Brüsewitz.

svz.de von
12. Dezember 2013, 12:00 Uhr

Ihren ersten Fall in der neuen Praxis hatten Henriette Otto und Andrea Butzmann noch während der Eröffnungsfeier. „Wir mussten eine leicht verletzte, aber blutende Katze behandeln“, erzählen die beiden jungen Tierärztinnen, die sich an der Hauptstraße in Dalberg niedergelassen haben. Ganz von vorn müssen die Medizinerinnen aber nicht anfangen. Sie haben den Kundenstamm und auch Teile der Einrichtung der Tierarztpraxis von Eckehard Ribbeck übernommen, der seinen Betrieb in Brüsewitz aus Altersgründen aufgegeben hat.

Andrea Butzmann wurde in Rostock geboren. Die 28-Jährige studierte Tiermedizin in Berlin. „Ein ,doppelter Notfall‘ hat mich und Eckehard Ribbeck zusammengeführt“, berichtet Butzmann. Zunächst habe der Brüsewitzer Tierarzt eine Vertretung für eine schwangere Mitarbeiterin gesucht, dann sei er bei der Arbeit in einem Kuhstall verunglückt und habe eine eigene Vertretung benötigt. „Im Krankenhaus haben wir mit einem Handschlag den Arbeitsvertrag abgeschlossen.“

Im April 2011 fing Butzmann in Brüsewitz an. Zu diesem Zeitpunkt war Henriette Otto, die in Hannover studiert hat, schon als freie Mitarbeiterin in der Praxis tätig. Die beiden Frauen freundeten sich an, schmiedeten gemeinsame Pläne. „Ich wollte mich immer schon in meiner Heimat selbstständig machen“, sagt Henriette Otto, geboren in Teterow und aufgewachsen in Dalberg. Deshalb habe sie auch die Gunst der Stunde genutzt, als sich in Dalberg eine passende Immobilie bot, erklärt die 29-Jährige, die verheiratet und Mutter eines zweijährigen Sohnes ist.

Aus dem Jahr 1907 stammt das Haus, in dem die beiden Medizinerinnen ihre „Tierarztpraxis am Stepenitztal“ eröffnet haben. „Das Gebäude diente ursprünglich als Gaststätte, wurde dann auch als Kaufmannsladen genutzt“, schildert Henriette Otto. Als kleines Kind habe sie im dortigen Konsum eingekauft. Für die Praxis sei das Haus grundlegend modernisiert worden, zwei Behandlungsräume stünden nun zur Verfügung, zudem ein Zimmer für das digitale Röntgen und ein Bereich für Operationen, so Otto.

Von Eckehard Ribbeck übernahmen die beiden Tierärztinnen zahlreiche Instrumente wie Röntgen-Röhre, Ultraschallgerät, Waage oder OP-Besteck. „Damit hatten wir schon eine sehr schöne Grundausstattung“, sagt Andrea Butzmann. Im Gegenzug weiß Ribbeck seine ehemaligen Patienten in guten Händen. „Ich halte mich jetzt im Hintergrund“, betont der 72-Jährige. Im April 1968 hatte er in Brüsewitz seine zunächst staatliche Tierarztpraxis aufgemacht, behandelte vorwiegend große Vierbeiner wie Rinder, Schweine und Schafe. Nach der Wende arbeitete er dann in eigener Niederlassung in Brüsewitz, kümmerte sich mehr um Hunde und Katzen.

Aus einem Umkreis von etwa 15 Kilometern kommen die vierbeinigen Patienten von Henriette Otto und Andrea Butzmann, die durch zwei Tiermedizinische Fachangestellte ebenfalls aus dem früheren Team von Eckehard Ribbeck unterstützt werden. Impfungen, Kastrationen und die Vorbeugung gegen Parasiten gehören zum täglichen Geschäft. Aber es gibt auch Fälle wie Leo. Der Cocker-Spaniel-Welpe war auf einem Feld in eine tiefe Pfütze mit Wasser von der Zuckerrüben-Wäsche gefallen. „Wir haben Leo eine Infusion gegeben, mit Sauerstoff versorgt und mit einer Rotlicht-Lampe erwärmt“, erklärt Henriette Otto. Die Therapie habe Erfolg gehabt: Leo gehe es wieder gut.

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