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Zeitung für die Landeshauptstadt

21. August 2017 | 06:35 Uhr

Schwerin : Stadtverwaltung zu alt und zu teuer

vom

Das Verwaltungspersonal der Landeshauptstadt hat mit 47,2 Jahren ein extrem hohes Durchschnittsalter. Auch bei der Ausbildung belegt Schwerin nur einen Platz im unteren Mittelfeld. Die Öffnungszeiten werden reduziert.

Schwerin | Das Verwaltungspersonal der Landeshauptstadt hat mit 47,2 Jahren ein extrem hohes Durchschnittsalter. Das geht aus einer Studie des Deutschen Städtetages hervor (wir berichteten). Schwerin liegt damit deutlich vor dem zweitplatzierten Bremen mit 46,1 Jahren. Die jüngste Verwaltung hat München mit 42,2 Jahren.

Noch ein ernüchterndes Ergebnis der Studie: Auch bei der Ausbildungsquote belegt Schwerin nur einen Platz im unteren Mittelfeld. Beträgt der Anteil der Auszubildenden am Verwaltungspersonal im Durchschnitt 3,5 Prozent (Spitzenreiter Bremen 7 Prozent), so sind es in Schwerin nur 2,9 Prozent. Derzeit werden pro Jahr 18 bis 19 Lehrlinge eingestellt. "Fast alle können von uns übernommen werden", sagte Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow. "Wir müssen uns nur anstrengen, dass sie auch bei uns bleiben." Trotzdem wird sich die Altersstruktur der Schweriner Verwaltung weiter verschlechtern, so die Städtetag-Studie. "Weil unser Personalbudget gedeckelt ist, können wir nicht mehr Azubis einstellen." Denn die älteren und auch länger beschäftigten Mitarbeiter haben ein relativ hohes Einkommen. "Dadurch fehlt das Geld für mehr Ausbildungsplätze."

In den kommenden Jahren wird sich die Situation für die Stadtverwaltung noch komplizierter gestalten. Es wird immer weniger Bewerber um eine Lehrstelle geben. "Bisher können wir uns nicht beklagen", so die Oberbürgermeisterin. "Wir haben genug Bewerber und können mit einem harten Auswahlverfahren die für uns Besten herausfiltern." Weil das aber nicht so bleiben wird, beteiligt sich Schwerin an der Ausbildungskampagne für den öffentlichen Dienst des Städte- und Gemeindetages Mecklenburg-Vorpommern. "Allein die Verdienstmöglichkeiten sind nicht mehr ausschlaggebend", weiß Angelika Gramkow. "Die jungen Leute wollen ein erstklassiges Rundumpaket." Und das reicht von der Arbeitsatmosphäre über Weiterbildungsmöglichkeiten bis hin zur Kinderbetreuung.

Durch den steigenden Altersdurchschnitt fallen Verwaltungsmitarbeiter aber auch häufiger durch Krankheit aus. Dazu kommt, dass das beschlossene Personalentwicklungskonzept die Reduzierung von jetzt rund 1000 Stellen auf zukünftig 850 vorschreibt.

Die sich verschärfende Personalsituation der Schweriner Verwaltung bekommen die Bürger bereits zu spüren. "Im Bereich Unterhaltsvorschuss haben wir die Öffnungszeiten schon reduziert", erklärt Gramkow. "Freitags ist dieses Ressort jetzt geschlossen."

Auch die Stadtvertreter und die Medien bekommen zu spüren, dass an etlichen Stellen Personal fehlt. Anfragen an die Verwaltung können nicht oder nur sehr verzögert beantwortet werden.

Die Oberbürgermeisterin geht davon aus, dass weitere Serviceleistungen der Verwaltung für die Bürger eingeschränkt werden. "Wir werden weitere Öffnungszeiten kürzen müssen."

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erstellt am 23.Dez.2011 | 06:00 Uhr

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