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Wir in Schelfwerder : Waldgebiet mit bewegter Geschichte

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schelfwerder: Ruheforst, Mülldeponie und einstige Richtstätte Schwerins

von
erstellt am 24.Feb.2016 | 23:23 Uhr

Ein interessantes Waldgebiet mit wechselvoller Geschichte, so beschreibt Ingo Nadler, Leiter des zuständigen Forstamtes Gädebehn, das Gebiet rechts und links der Bundesstraße 104 in Richtung Güstrow. Auf fast 400 Hektar erstreckt sich in Schelfwerder nicht nur unberührte Natur, sondern seit 2008 auch der Ruheforst Schweriner Seen.

„Durch fruchtbaren Lehmboden säten sich schon früher viele Bäume von selbst aus – es musst also kaum wieder aufgeforstet werden“, sagt Nadler. Vor allem Buchen, die rund 70 Prozent des Bestands ausmachen, Eichen, Erlen, Ahorn und Vogelkirschen finden sich im Mischwald vor den Toren Schwerins wieder. Darunter auch einige finanziell wertvolle Gehölze. Erst im vergangenen Jahr brachten beispielsweise zwei in Schelfwerder gefällte Eichen bei einer Auktion mehr als 14 000 Euro ein.

Doch die Geschichte wirkt nicht nur bei den vor Jahrhunderten angepflanzten Bäumen nach. Zahlreiche um 1870 errichtete und bis 1945 genutzte Schießstände inmitten des Waldes zeugen ebenso von der wechselvollen Geschichte der Halbinsel wie der so genannte Knochenberg, auf dem sich früher das Schafott Schwerins befand, und die bis zur Wende genutzte Mülldeponie. „Genutzt wurde der Wald aber auch als Naherholungsgebiet. Die parkähnliche Gestaltung und einige alte Steinbänke erinnern noch heute daran“, sagt Ingo Nadler. Neben seiner holzwirtschaftlichen Nutzung ist Schelfwerder heute auch europäisches Vogelschutzgebiet für bedrohte Arten. Vier Jäger kümmern sich zudem um die Schwarz- und Rehwildpopulation des Waldes.

Der erlangt vor allem seit der Eröffnung des Ruheforstes im Jahr 2008 immer größere Bekanntheit. Idyllisch auf dem Karlsberg gelegen, ist das Interesse für eine Grabstätte unter Buchen groß. Etwa 680 Menschen hätten in dem fünf Hektar großen Waldstück bereits ihre letzte Ruhestätte gefunden, zahlreiche weitere Plätze sind schon fest vergeben, so Nadler. In einer biologisch abbaubaren Urne wird die Asche der Toten hier in so genannten Ruhebiotopen beigesetzt.

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