Schwimmhalle : Stadtpolitik entscheidet über Sauna

Modernes Bad: Die neue Schwimmhalle wird gut angenommen. Viele Schweriner kritisieren jedoch die fehlende Sauna.
Modernes Bad: Die neue Schwimmhalle wird gut angenommen. Viele Schweriner kritisieren jedoch die fehlende Sauna.

Nachträglicher Einbau würde Schwerin jetzt mehr als 150 000 Euro kosten – allerdings schon nach sechs Jahren Gewinne abwerfen

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27. April 2015, 06:00 Uhr

Es ist eine der Hauptforderungen der Schweriner: Die neue Schwimmhalle am Dreescher Markt braucht eine Sauna. Heute könnten die Stadtvertreter diesen Wunsch erfüllen. Doch dazu müssten sie von ihrem selbst auferlegten Sparwillen abweichen.

Denn Fördergeld gibt es keines für die Sauna. Sämtliche prognostizierten 153 000 Euro Ausgaben müssten aus der Stadtkasse beglichen werden, in der ja bereits ein Millionenloch klafft. „Wenn wir das Geld hätten, würde ich keine Sekunde zögern“, gibt denn auch Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow unumwunden zu. „Aber wir haben es nicht…“

Dennoch liegt die Entscheidungshoheit bei der Kommunalpolitik. Angesichts eines Ausgabenplanes für dieses Jahr von 270 Millionen Euro erscheinen 153 000 Euro quasi als Schnäppchen. Und unabhängig von der Erfüllung eines Wunsches zahlreicher Bürger wäre die Investition schnell rentabel. Bereits nach sechs Jahren könnte die Sauna Gewinne in die Stadtkasse spülen, hat die Verwaltungschefin ausrechnen lassen. Dazu müssten pro Jahr 6000 zahlende Gäste kommen – was den Durchschnittswerten der inzwischen geschlossenen Sauna Lankow entspricht. Und sie müssten neun Euro für das Saunieren zahlen. Das wäre durchaus üblich und laut Umfragen auch erzielbar, sagt die Oberbürgermeisterin. Zum Vergleich: Als es um den Beschluss zum Neubau der Schwimmhalle auf dem Großen Dreesch ging, damals noch inklusive einer Sauna, waren die Beispielrechner von 6500 Besuchern pro Monat ausgegangen, die 7,50 Euro Eintritt zahlen würden.

Unabhängig von der Entscheidung zur Sauna kündigte Oberbürgermeisterin Gramkow bereits ein Reagieren auf die Wünsche vieler Schwimmhallengäste an. „Wir sammeln derzeit alle Anliegen und wollen nach der Sommerpause Änderungen vorschlagen“, kündigt Gramkow an. Dazu zählen beispielsweise das Reagieren auf die große Nachfrage nach Aqua-Kursen aber auch die mögliche Verkürzung der Nutzungszeiten von drei auf eineinhalb Stunden – bei entsprechender Anpassung des Eintrittspreises.

Die Sauna-Entscheidung hat es in der Stadtvertretung indes bereits gegeben. Damals hatte die Stadtspitze den Neubau mit Sauna vorgeschlagen, die Kommunalpolitiker haben das aber mehrheitlich verwehrt (SVZ berichtete). Ohnehin ist die Entwicklung bis zum heutigen Badespaß sehr wechselhaft verlaufen: Hieß es anfangs noch, dass an den Belasso-Sportpark eine Schwimmhalle angebaut werden soll, so führte die Diskussion ab 2005 in Richtung der Sanierung der beiden vorhandenen Hallen. Dazu gab es auch ein Bürgerbegehren, das 13  000 Schweriner unterschrieben haben. Somit wurde der Plan von Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow ausgebremst, in Krebsförden neu zu bauen. Die Stadtvertretung beschloss daraufhin: „Beide Schwimmhallen werden bis zum 31. Dezember 2012 saniert.“ Doch diesen Beschluss hat die Volksvertretung nach Ablauf der zweijährigen Bindungsfrist für das Bürgerbegehren geändert. Begründung: zu teuer. Der jetzige Stand wurde beschlossen – eine neue Schwimmhalle auf dem Dreesch und Abriss der Lankower Halle.

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