Weihnachtsmärchen gestartet : Stadtmusikanten retten Weihnachten

Vier musizierende Freunde auf der Theaterbühne: Lucie Teisingerova als Hahn, Dirk Audehm als Esel, Amadeus Köhli als Hund und Katrin Heller als Katze (v.l.).
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Vier musizierende Freunde auf der Theaterbühne: Lucie Teisingerova als Hahn, Dirk Audehm als Esel, Amadeus Köhli als Hund und Katrin Heller als Katze (v.l.).

Märchen-Inszenierung des Mecklenburgischen Staatstheaters begeistert Premieren-Zuschauer mit Witz, Musik und Überraschungen

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02. Dezember 2013, 17:30 Uhr

Ein Grimmsches Märchen im Schweriner Theater: Da ist ein ausverkauftes Großes Haus selbst bei 40 Vorstellungen garantiert, jedenfalls wenn es Peter Dehler inszeniert und John Carlson die Musik komponiert. Schon bei ihrer Premiere gestern wurden „Die Bremer Stadtmusikanten“ so begeistert gefeiert, dass sie am Ende gleich mehrmals auf die Bühne kommen mussten. Und das hatte viele Gründe: eine spannende Geschichte, die in vielerlei Hinsicht über die Vorlage hinaus geht, mitreißende Songs, ein märchenhaftes Bühnenbild und spielfreudige Schauspiel-Profis.

Schon der Start war perfekt: Die von Erzähler Bernhard Meindl moderierte „Animal Voices Casting Show“ mit den vier rockenden Musikanten, dem Esel, von Dirk Audehm gespielt, Amadeus Köhli als Hund, der Katze Katrin Heller und Lucie Teisingerova als Hahn, sorgte für Beifallsstürme der jungen und alten Theaterbesucher. Dann nahm die Geschichte ihren Lauf, zu der Dehler zwei Handlungsstränge geschickt verwoben hatte: das Märchen der Brüder Grimm und ein selbst erfundenes Weihnachtsmann-Abenteuer. Die sechsköpfige Räuberbande, angeführt von der „Großen Mu“, Brigitte Peters, und Räubermädchen Hilde, von Sonja Isemer gespielt, übertölpelte den vergesslichen W-Mann Jochen Fahr und sein Rentier Rudi und klaute ihm die Geschenke vom Schlitten.

Parallel dazu – ermöglicht durch ein in rasantem Tempo wechselnden märchenhaften Bühnenbild von Ullrich Altermann – erkämpften sich Esel und Hahn beim Müller in letzter Sekunde ihre Freiheit. Ähnlich dramatisch gelang dies auch Hund und Katze beim Bauern.

Doch zurück zum Weihnachtsmann: Der hatte mittlerweile den Verlust der Geschenke bemerkt und war zurück ins Hauptquartier zum Ober-W-Mann zurückgekehrt. Der wiederum kannte die bei Bremen ansässige gefährliche Räuberbande und schickte seine Untergebenen zum Kampf gegen die Diebe, Bernhard Meindl wurde dafür rasch zum Engel mit Goldlöckchen umfunktioniert. Unterdessen hatten die vier tierischen Freunde auch gerade ihren Angriff auf die Räuberhöhle geplant, um sich eine Bleibe zu sichern. Gemeinsam mit den Kindern aus dem Publikum, die die Tiere lautstark unterstützten, gelang der Coup. Doch da nahte auch schon der W-Mann, der die Bremer Stadtmusikanten mit der Diebesbande verwechselte. Der Tumult wurde perfekt, vielleicht auch etwas überdreht, als schließlich auch noch Räubermädchen Hilde, immer auf der Suche nach einem eigenen Haustier unterwegs, mit einem Elefanten dazwischen kam, den sie aus einem Zoo befreit hatte. Doch dank des Zauberstabs von Frau Holle löste sich das Chaos auf und die Zuschauer lernten noch nebenbei, dass die Räuber einst aus Angst vor dem Weihnachtsmann in den Wald gelaufen waren und seither das Weihnachtsfest hassten. Doch diese alten Vorurteile und Missverständnisse räumte Regisseur Dehler aus. Er ließ den obersten Chef aller W-Männer ein Ruten-Verbot verhängen, worauf im Gegenzug alle Räuber versprachen, nun immer artig zu sein. Und die Musik zum Happy End lieferten natürlich die Bremer Stadtmusikanten.

Der Erfolg der Inszenierung indes ist ein Gemeinschaftswerk: Professionelles Schauspiel, tolle Musik, eine unterhaltsame, in Kreuzreime gepackte Story, schöne Kostüme und ein opulentes Bühnenbild. So gab es nicht nur tosenden Applaus und getrampelte Zustimmung, sondern auch viele Gespräche der Zuschauer hinterher.

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