Erste Sozialplanung : Stadt will mehr Pflege zu Hause

Pflegt man Angehörige zu Hause oder werden sie besser im Heim betreut? Für viele Schweriner eine Gewissensfrage. Im Stadthaus gibt es Rat im Pflegestützpunkt.
Pflegt man Angehörige zu Hause oder werden sie besser im Heim betreut? Für viele Schweriner eine Gewissensfrage. Im Stadthaus gibt es Rat im Pflegestützpunkt.

Erste Sozialplanung vorgelegt: Anteil der hilfebedürftigen Schweriner steigt bis 2030 um knapp zehn Prozent

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15. April 2015, 16:00 Uhr

Schwerin ist beim Thema Pflege gut aufgestellt. Zu diesem Ergebnis kommt die Pflegesozialplanung, die die Stadt mit Hilfe des Kölner Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik (IGS) jetzt erstmals vorgelegt hat. Trotzdem gibt es Handlungsbedarf. „Das Angebot an Tagespflege liegt in Schwerin unter dem Landesdurchschnitt. Insbesondere im Stadtzentrum ist ein Ausbau dieser Betreuungsform zu empfehlen“, sagte Dr. Dietrich Engels vom IGS, der die Grundzüge der Sozialplanung gestern vorstellte. Auch bei der Kurzzeitpflege würden zusätzliche Kapazitäten benötigt, demgegenüber sei die stationäre Pflege in Schwerin besser ausgebaut als im Landes- und Bundesdurchschnitt.

Der demografische Wandel ist in der Landeshauptstadt schon weit fortgeschritten. Ende 2013, so der Bezugspunkt der Pflegesozialplanung, waren 32 Prozent der Bevölkerung älter als 60 Jahre und 12,4 Prozent älter als 75 Jahre. „Damit hat Schwerin eine ältere Bevölkerung als das Land Mecklenburg-Vorpommern – mit 30 Prozent der Bevölkerung ab 60 Jahren und 11,2 Prozent ab 75 Jahren – und eine deutlich ältere Bevölkerung als Deutschland insgesamt mit 27,1 Prozent ab 60 Jahren bzw. 10,2 Prozent ab 75 Jahren“, erläuterte Engels. Bis zum Jahr 2030 werde die Bevölkerung ab 60 Jahren um weitere 12 Prozent steigen, die Bevölkerung ab 75 Jahren um 17 Prozent. Mit der zunehmenden Alterung der Gesellschaft wachse auch der Bedarf an Betreuungsangeboten, betonte Engels. Dabei müsse der Grundsatz gelten: ambulant vor stationär.

24 ambulante Pflegedienste, 82 Tagespflege-Plätze, 85 Kurzzeitpflege-Plätze und 13 Heime mit 1478 stationären Plätzen listet die Pflegesozialplanung als Ist-Stand in der Landeshauptstadt auf. Nach der Prognose der Kölner Experten wird sich der Anteil der pflegebedürftigen Schweriner an der Bevölkerung, Ende 2013 bei fünf Prozent, bis zum Jahr 2030 um weitere elf Prozent erhöhen. Der Anteil Demenzkranker nehme um neun Prozent zu.

„Durch die Pflegesozialplanung wissen wir, welche Schwerpunkte wir in Zukunft in Gesprächen mit den Trägern der Pflege setzen müssen“, erklärte Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow. Die Planung sei dabei nicht als einmaliges Verfahren gedacht, sondern solle kontinuierlich weitergeführt werden.

Als erste konkrete Schritte kündigte Sozialamtsleiterin Barbara Diessner einen Vorstoß an, um den Übergang zwischen einem Krankenhaus-Aufenthalt und einer Pflege für Betroffene zu verbessern. Außerdem soll der Einsatz von Ehrenamtlichen in der Pflege gestärkt werden. Voraussichtlich im Juni wird sich die Stadtvertretung mit der Pflegesozialplanung befassen.

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