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Zuwanderung nach Schwerin : Stadt will bei Integration nachlegen

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ortsbeiratssitzung in Neu Zippendorf: Dezernent kündigt nach Verhaftung von Yamen A. verstärkte Straßensozialarbeit an

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erstellt am 09.Nov.2017 | 21:00 Uhr

Er verstehe die Beunruhigung in Neu Zippendorf, sagte Schwerins Sozialdezernent Andreas Ruhl. Aber der am Reformationstag in der Pankower Straße festgenommene mutmaßliche Bombenbauer Yamen A. sei offenbar ein Einzelgänger gewesen. Ruhl stand am Mittwochabend Rede und Antwort im Ortsbeirat von Neu Zippendorf. Bei der Durchsuchung weiterer Wohnungen in Schwerin hätten sich keine Hinweise auf etwaige Mittäter gefunden, erklärte der Dezernent vor rund 70 Zuhörern im Jugendtreff „Deja vu“ in der Parchimer Straße. Und auch diesen Fakt hob Ruhl hervor: Yamen A. sei bereits als anerkannter Asylbewerber nach Schwerin gekommen.

Dennoch ließ Ruhl keinen Zweifel: Schwerin müsse seine Integrationsbemühungen verstärken und insgesamt bei der Jugendsozialarbeit nachlegen. „Bei der Straßensozialarbeit in Neu Zippendorf etwa sind wir eindeutig unterausgestattet“, räumte der Dezernent ein. Die Rotstift-Politik der vergangenen Jahre räche sich nun.

2600 Menschen mit Asylbewerber- oder Flüchtlingshintergrund leben nach Ruhls Angaben aktuell in der Stadt, darunter 800 Kinder. „Wir gehen davon aus, dass sich die Zahl in der nächsten Zeit auf etwa 2800 einpendeln wird.“ Derzeit kämen jeden Monat zwischen 20 und 40 neue Flüchtlinge hinzu, so der Dezernent.

Die Landeshauptstadt sei durch die Zuwanderung überdurchschnittlich belastet, betonte Ruhl. Rund 20 Prozent aller Flüchtlinge im Land würden in Schwerin leben, in Mecklenburg-Vorpommern könnten die Migranten ihren Wohnsitz frei wählen, zögen deshalb vor allem in die großen Städte wie Schwerin und Rostock.

Schwerin wende für die Flüchtlinge auch Geld auf, das die Stadt nicht vom Land ersetzt bekomme, erklärte der Dezernent, nannte die Summe von vier Millionen Euro im Jahr. Entspannt habe sich aber die Situation bei den so genannten unbegleitete minderjährigen Asylbewerbern, deren Betreuung und Unterbringung hohe Kosten verursache. Gegenwärtig würden noch 66 dieser jungen Flüchtlinge in der Stadt leben, so Ruhl.

Laut Sozialdezernent wohnen die meisten Flüchtlinge in Schwerin im Mueßer Holz, gefolgt von Lankow, Neu Zippendorf und Krebsförden. Die Konzentration erklärte Ruhl mit dem leer stehenden günstigen Wohnraum in den Stadtteilen.

Als Schlüsselworte für die Integration nannte der Dezernent Bildung und Arbeit. „Beim Thema Bildung sind wir auf einem guten Weg“, betonte er. Bei der Vermittlungen von Flüchtlingen in Arbeit gäbe es es trotz einer Quote von 15 Prozent aber noch Nachholbedarf. Ausdrücklich lobte Ruhl die ehrenamtlichen Initiativen in der Stadt, die sich um die Zugewanderten kümmern.

In der Ortsbeiratssitzung gab es jedoch auch Stimmen, die sich gegen weitere Integrationsanstrengungen in der Stadt wandten. „Die Flüchtlinge wollen sich doch gar nicht integrieren“, wetterte ein Bürger. Für weitere Sozialarbeiter werde nur Geld „verpulvert“. Ortsbeiratschef Reinhard Bonin bat um eine sachliche Debatte. Andere Zuhörer warnten dann auch vor Pauschalurteilen über Asylbewerber, verwiesen auf den Schutzauftrag des Grundgesetzes für Menschen in Not.

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