120 Wohnungen nötig : Stadt vorbereitet auf Flüchtlinge

Willkommen in Schwerin: Die Zahl der Flüchtlinge steigt, die nach Schwerin kommen.  Collage: Preuss
Willkommen in Schwerin: Die Zahl der Flüchtlinge steigt, die nach Schwerin kommen. Collage: Preuss

Verwaltung und Wohnungsgesellschaft in engem Kontakt: Verdopplung der Aufnahmequote im nächsten Jahr kann gemeistert werden

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07. August 2015, 08:00 Uhr

Nachdem die Landesregierung die Aufnahmequoten für Asylbewerber angepasst hat, wonach Schwerin vom kommenden Jahr an mit nahezu doppelt so vielen Flüchtlingen als bisher rechnen muss, gibt es in der Landeshauptstadt keinen Grund zur Sorge. Das betont Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow, schließlich „wussten wir das und konnten uns langfristig darauf vorbereiten“.

Kernpunkt aller Bemühungen: Die Asylbewerber sollen dezentral im Stadtgebiet untergebracht werden. Bis auf zwei Ausnahmen sei das bislang auch gut gelungen. Da jedoch schon jetzt der Flüchtlingsstrom immer mehr zunimmt, weitet die Stadt die Unterbringung über das Mueßer Holz auf zusätzliche Stadtteile aus. „Auch in Lankow, Krebsförden und Neu Zippendorf werden wir den Asylbewerbern ein Zuhause auf Zeit geben“, sagt Stefan Jäger, Abteilungsleiter im städtischen Amt für Soziales und Wohnen. Zwei bis drei Wohnungen soll es für sie dabei maximal pro Aufgang in den Fünfgeschossern der WGS geben.

Die Wohnungsgesellschaft steht dabei durchaus vor erheblichen logistischen Herausforderungen – und auch finanziellen. Denn sie soll für die Stadt nicht nur Wohnungen für Asylbewerber bereitstellen, sondern auch Übergangswohnungen für Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien. Hinzu kommt, dass Wohnungen gebraucht werden, um Mieter aus den Gebäuden unterzubringen, die saniert oder abgerissen werden. Und manche leer stehende Wohnung hat nicht von ungefähr diesen Status: Ohne Aufwand kann dort nicht einfach eine Familie untergebracht werden. „Wir bemühen uns, den Anforderungen der Stadt gerecht zu werden und sind auch kontinuierlich miteinander im Gespräch“, sagt Ulrike Jenßen von der WGS.

Doch dabei gibt es noch eine Schwierigkeit: Die Zahl der Asylbewerber lässt sich nur schätzen. Ende vergangenen Jahres war von 6000 Flüchtlingen die Rede, die 2015 nach MV kommen. Inzwischen ist diese Zahl auf 8200 korrigiert worden. Eine weitere Anpassung wird für den Spätsommer erwartet. Auf Schwerin gerechnet würde das 178 Asylbewerber bedeuten, die in diesem Jahr in der Landeshauptstadt willkommen geheißen werden sollen. Recht unrealistisch: Jetzt sind es schon 109.

Nach den Prognosen des Landes sollen es im kommenden Jahr 480 sein, sagt Oberbürgermeisterin Gramkow. „Wir gehen momentan davon aus, dass wir für die Unterbringung dieser Asylbewerber 120 Wohnungen benötigen werden“, so Gramkow.

Wohlgemerkt: Alle diese Zahlen haben nichts mit der Außenstelle der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung in Stern Buchholz zu tun. Erst wenn diejenigen der dort derzeit 300, in wenigen Wochen 450 Flüchtlinge ihre Zuweisung für Schwerin erhalten, greift das gut abgestimmte Helferwerk in der Landeshauptstadt.

Denn nicht nur die Unterbringung ist ein Thema. Es geht um Kita-Plätze und Sprachtraining. Und natürlich gilt auch für Asylbewerber-Kinder die Schulpflicht. Drei Schwerpunktschulen gibt es dafür in Schwerin.

Die Stadtkasse belastet das kaum. Fast alle Kosten werden vom Land erstattet. Dazu zählt die Miete ebenso wie die Kosten für Heizung und Wasser sowie die funktionelle Einrichtung der Wohnungen mit Metallschränken und -betten, Waschmaschine, Herd und Kühlschrank. Fernseher und Radio oder Internet gehören nicht dazu. Um via Skype oder Handy Verbindung in die Heimat aufnehmen zu können, müssen die Asylbewerber selbst zahlen. Dafür erhalten sie nach dem Asylbewerberleistungsgesetz 370 Euro – also weniger als Hartz IV –, wovon aber noch eine Pauschale für den Strom einbehalten wird. Asylbewerber dürfen nicht arbeiten und erhalten nur eine medizinische Grundversorgung.

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