Schwerin : Stadt träumt von Wassertankstelle

Luftaufnahme aus den frühen 1990er-Jahren: Der kleine Hafen der damaligen BSG Segeln war noch gut genutzt. Jetzt ist alles verfallen.
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Luftaufnahme aus den frühen 1990er-Jahren: Der kleine Hafen der damaligen BSG Segeln war noch gut genutzt. Jetzt ist alles verfallen.

Die Stadt plant wieder an einer Wassertankstelle für die rund 5000 Schweriner Freizeitkapitäne und die Touristen, die per Boot auf die Schweriner Seen kommen. Doch noch kommt die Entwicklung nicht voran.

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29. Mai 2012, 09:36 Uhr

Werdervorstadt | Die Stadt plant wieder an einer Wassertankstelle für die rund 5000 Schweriner Freizeitkapitäne und die Touristen, die per Boot auf die Schweriner Seen kommen. Bei der geplanten Entwicklung des alten Klärwerksgeländes an der Bornhövedstraße zu einem attraktiven Freizeitstandort mit Marina, Wassertankstelle und Wohnmobil-Stellplätzen ist die Stadt bislang noch nicht vorangekommen. Das zur Verfügung stehende Areal sei potenziellen Investoren zu klein, hatte Baudezernent Dr. Wolfram Frieders dorff beklagt (SVZ berichtete). Theoretisch wäre ausreichend Platz vorhanden, doch wegen eines alten Leasingvertrags mit einer US-amerikanischen Gesellschaft kann die Stadt nicht über das ganze Klärwerksgelände verfügen. Nach der Erweiterung in nördliche Richtung durch den Ankauf der alten Fokker-Halle am ehemaligen Gelände der Bootswerft Facklam (SVZ berichtete), gibt es jetzt auch Pläne, das südlich gelegene Areal, das an das Gelände des Anglervereins "Greif" grenzt, mit zur neuen Marina zu nehmen. Es befindet sich bereits im städtischen Besitz.

Dort waren zu DDR-Zeiten eine kleines Hafenbecken ausgebaggert und ein Bootshaus gebaut worden, um der damaligen BSG Segeln eine Heimstatt zu geben. Nachdem es seit den 1990er-Jahren nicht mehr genutzt wurde, hat mittlerweile die Natur das Areal zurückerobert: Viele Wasservögel nisten hier, das Hafenbecken ist verkrautet, die Uferkanten zugewuchert.

Das Areal ist heute Flora-Fauna-Habitat-Schutzgebiet. Ob in diesem überhaupt angesichts der strengen Umweltschutzauflagen jemals gebaut werden kann, ist fraglich. Über teure Gutachten will die Stadt das jetzt klären lassen.

Die Idee, dass die städtischen Planer ausgerechnet an dieser Stelle eine Wassertankstelle errichten wollen, halten sowohl Wassersportler wie auch Anwohner für völlig abwegig. Der Wind steht hier auflandig: Starker Wellengang lässt das Becken versanden, es müsste regelmäßig ausgebaggert werden. Bagger sind ohnehin erst einmal nötig, bevor der städtische Traum von einer Wassertankstelle verwirklicht werden könnte. Gegenwärtig ist das kleine Becken so schmal, dass ein Begegnungsverkehr von zwei Booten ebenso unmöglich ist wie das Wenden nach einem künftigen Tankvorgang. Hinzu kommt, dass bei Niedrigwasser gerade einmal eine Wassertiefe von einem halben Meter zur Verfügung steht. Viel zu wenig für Bootstouristen, die mindestens eineinhalb Meter Wasser unterm Kiel benötigen, erklären erfahrene Freizeitkapitäne. Sie schätzen die Kosten für das Ausbaggern auf mindestens 200 000 Euro. Hinzu kämen die so genannten weißen Wannen im See, die die Tankbehälter aufnehmen würden, und eine neue Stichstraße, um die Wassertankstelle per Lkw mit Sprit zu versorgen.

Bei diesen zu erwartenden hohen Investitionskosten dürfte es schwierig werden, einen Betreiber zu finden, der letztlich auch mit den Benzinpreisen an den normalen Tankstellen mithalten kann. Denn da sind sich viele Wassersportler einig: Getankt wird dort, wo es am billigsten ist - auch wenn dafür wieder vom Kanister aus im Bootshaus das Benzin umgefüllt werden muss. Kontrollieren kann das angesichts hunderter Bootshäuser an den Schweriner

Seen ohnehin niemand.

Auch halten Freizeitkapitäne die von der Stadt favorisierte Lage für nicht gut. Aus ihrer Sicht rechnet sich eine Wassertankstelle nur dort, wo ohnehin reger Bootsverkehr herrscht. Gezielt zum Tanken würden nur die wenigsten fahren, sagen die Wassersportler. Daher würde sich beispielsweise eher ein Standort am Stangengraben eignen. Am wirtschaftlichsten sei es jedoch, eine kombinierte Land- und Wassertankstelle zu bauen und dafür einen Großkonzern wie Shell, Esso oder Aral als Investor zu gewinnen, der anschließend auch einen Pächter findet.

Welche Pläne die Stadt für die öffentliche Zugänglichkeit der Wasserkante in der Werdervorstadt hat, lesen Sie morgen in der SVZ.

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