Entgiftung in der Schelfstadt : Stadt tauscht verseuchten Boden aus

<fettakgl>Am Standort der alten Galvanik</fettakgl> in der Schelfstadt wird der mit Schadstoffen belastete Boden ausgetauscht. <foto>Foto: Steinhagen </foto>
Am Standort der alten Galvanik in der Schelfstadt wird der mit Schadstoffen belastete Boden ausgetauscht. Foto: Steinhagen

Niemand sieht oder schmeckt es: Der krebserregende Stoff Chrom 6 lauert bis zu zwölf Meter tief im Boden des ehemaligen VEB Galvanik zwischen Puschkin- und Münzstraße. Ablagerungen wiesen auf den giftigen Stoff hin.

svz.de von
06. Juni 2012, 11:02 Uhr

Schelfstadt | Niemand sieht oder schmeckt es: Der krebserregende Stoff Chrom 6 lauert bis zu zwölf Meter tief im Boden des ehemaligen VEB Galvanik zwischen Puschkin- und Münzstraße. Gelbe Ablagerungen in benachbarten Kellern hatten auf das in der Galavanotechnik und auch in Holzschutzmitteln verwendete Chrom(VI)-oxid, wie es der Fachmann nennt, im Boden hingewiesen. Da nur 0,6 Gramm des wasserlöslichen Stoffs tödlich sein können, lässt die Stadt nun das Trinkwasser in einem aufwändigen Verfahren reinigen. Das kostet etwa 500 000 Euro, den Mammutanteil davon gibt das Land dazu. Es geht um den Langzeiteffekt.

"Eine Gefährdungsanalyse hat gezeigt, dass das Chrom 6 in etwa 30 Jahren den Schweriner See erreichen würde", sagt Baudezernent Dr. Wolfram Frieders dorff. Eine akute Gefahr bestehe nicht. Dafür sorgt die Stadt. Mit einem gängigen Verfahren wird das Trinkwasser in etwa zwölf Meter Tiefe gereinigt. An die Oberfläche gepumpt, fließt es über so genannte Graugussspäne. "Diese ziehen dem im Wasser gelösten Chrom drei Elektronen ab, so dass das Chrom 6 zum ungefährlichen Chrom 3 wird", erklärt Friedersdorff. Der Arbeitsgang an sich brauche nur Minuten, müsse aber wiederholt werden. Erst wenn kein Chrom 6 mehr aus dem Boden in das Grundwasser rutsche, sei das Verfahren abgeschlossen. "Wir lange das dauert, wissen wir nicht", sagt der Baudezernent.

Seit Jahren lagert das Chrom 6 bereits in der Erde des 500 Quadratmeter großen Grundstücks in der Puschkinstraße 20. In der Nachkriegszeit hatte der VEB Galvanik neben einer damaligen Bäckerei seinen Betrieb aufgenommen. Als diese geschlossen wurde, ging das Grundstück in Privatbesitz über. Dem Besitzer fehlte das Geld, um dem Gift im Boden zu Laibe zu rücken.

Dann kaufte die Stadt die Fläche. 2008 gab es erste Untersuchungen und Einschätzungen der Gefahrenlage. "Die Schäden waren viel größer, als wir vermutet hatten", erzählt Friedersdorff. Alte Gebäude, Mauerreste und Leitungen wurden sofort aus dem Boden genommen, das Erdreich in einem Meter Tiefe mit einer Folie versiegelt und darüber erneuert. Regenwasser kann das Chrom 6 nun nicht mehr auswaschen.

Nach der Trinkwasserreinigung soll Gras über das Grundstück wachsen. Neue Gebäude und Bäume wird es dort nicht geben. Die Schutzfolie könnte beschädigt werden. "Es besteht zwar keine akute Gefahr für den Menschen, aber wir wollen auf Nummer sicher gehen", sagt Friedersdorff.

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