Schwerins alte Deponie : Stadt sichert Trinkwasser

Die Tage der Gewächshausruinen auf dem Finakenkamp sind gezählt – sie werden demnächst abgerissen.
Die Tage der Gewächshausruinen auf dem Finakenkamp sind gezählt – sie werden demnächst abgerissen.

Auf der ehemaligen Mülldeponie Finkenkamp beginnen im Sommer die Sanierungsarbeiten zum Schutz der Trinkwasserbrunnen

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03. März 2016, 21:00 Uhr

Büsche, Sträucher und alte Garagen sind verschwunden – ein weiter Blick von der Neumühler Straße hinüber zum Lankower See ist jetzt möglich. Fast alles, was auf der ehemaligen Müllkippe Finkenkamp einmal wuchs und stand ist abgeräumt. Jetzt soll die Sicherung der Deponie beginnen.

Als erstes kommen die Gewächshausgerippe der einstigen Gärtnerei weg. Dann wird im südlichen und östlichen Bereich der Kippe der Müll weggeräumt, der hier nur etwa einen Meter mächtig liegt. Aber immerhin müssen 40 000 Kubikmeter Müll weggebaggert und auf die verbleibende Deponiefläche umgelagert werden. Dort wächst die Müllschicht dann auf acht Meter an. Auf den ganzen Berg kommt anschließend eine zwei Meter mächtige Erdschicht. Drumherum wird eine Entwässerungsmulde angelegt, in die Oberflächenwasser ablaufen kann. Die gesamte Fläche wird bepflanzt.

Ziel der Sanierung ist die „weitgehende Minimierung der Sickerwasserneubildung“ – soll heißen: Es soll so wenig Niederschlagswasser wie möglich durch den Müllberg gelangen und dabei Schadstoffe auswaschen. Denn die bedrohen die Trinkwasserversorgung Schwerins. Mit der Deponiesicherung soll „einer weiteren Verlagerung der Schadstofffahne in Richtung Wasserwerk
Neumühle“ vorgebeugt werden. Aktuell ist bereits ein Brunnen der so genannten Wasserfassung Nuddelbachtal geschlossen, aus anderen wird weniger Trinkwasser gefördert, als möglich. „Es besteht aber keine akute Gefährdung der Trinkwasserversorgung“, versichert Axel Krause, Geschäftsführer der Schweriner Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsgesellschaft. Mit der Deponiesicherung solle der „Ernstfall“ verhindert werden. Denn wenn das Wasserwerk Neumühle ausfallen würde, müsste Trinkwasser über lange Rohrleitungen aus dem Umland heran geschafft werden. „Dies würde die Landeshauptstadt Schwerin allerdings von der Verpflichtung zur Sicherung der ehemaligen Deponie nicht entbinden“, sagt Marion Funk vom Zentralen Gebäudemanagement (ZGM), das für die Deponie zuständig ist.

Die Arbeiten zur Sicherung der Müllkippe Finkenkamp werden jetzt ausgeschrieben. Spätestens im Sommer soll es losgehen. Die Kosten: mehr als zwei Millionen Euro.

Bis zum Baustart ist aber noch ein Problem durch das ZGM zu lösen: Der auf dem Finkenkamp ansässige Hundesportverein braucht ein neues Zuhause. Denn wenn er am jetzigen Standort bleibt, wird sein Vereinsheim am Ende an drei Seiten von acht Meter hohen Böschungen umgeben sein. „Wir werden dieses Problem aber auch lösen“, so Marion Funk. Drei Wohnhäuser, die auf Müll gebaut sind, werden aber nicht angetastet. Ebenso wenig die Tierklinik, die zum Teil auf der von 1930 bis in die 1950er Jahre genutzten Deponie steht. Alte Neumühler können sich im Übrigen noch erinnern, dass der Klinikneubau sehr schnell massive Risse bekam, weil sich das Fundament auf dem Müllberg senkte.

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