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Bau des Schlossanlegers in Schwerin : Stadt setzt weiter auf Tropenholz

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Gestern war offizieller Baustart für den Schiffsanleger in der Schlossbucht. Aber das Vorhaben wurde vorerst gestoppt. Das Gericht verhandelt morgen über den Bau des Anlegers und hat dafür Unterlagen nachgefordert.

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erstellt am 03.Apr.2012 | 09:49 Uhr

Ostorf | Gestern war offizieller Baustart für den Schiffsanleger in der Schlossbucht. Aber kein Rammschlag hallte über den See. Das Verwaltungsgericht Schwerin hat auf Antrag des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) das Vorhaben vorerst gestoppt. Richter Christoph Voetlause hat für morgen einen Vor-Ort-Termin angesetzt. Bis heute Nachmittag haben die Stadt und der BUND Zeit, noch einmal ihre Argumente vorzutragen und aktuelle Unterlagen einzureichen.

Baudezernent Wolfram Friedersdorff versteht die Klage nicht. Es sei alles sauber gelaufen. Die Beeinträchtigungen für die Vogelwelt seien minimal und auch nur kurzzeitig. Auch auf Dauer sieht der Dezernent die Auswirkungen für das Vogelschutzgebiet als nur sehr gering an. Zumal als Ausgleich in einer Bucht der Insel Kaninchenwerder Schilf gepflanzt werden soll. So jedenfalls steht es in einem aktuellen Gutachten des Teterower Fachmanns Dr. Wolfgang Scheller, dass die Stadt bis heute Nachmittag vorlegen will. Frie dersdorff sieht der Entscheidung des Gerichtes gelassen entgegen: "Ich bin mir keiner Schuld bewusst." Auch die Kritik von Stadtvertretern zum Einsatz von Tropenholz ist für den Baudezernenten keine Thema. "Der Steg soll möglichst 50 Jahre halten. Das ist mit einheimischen Hölzern nicht zu schaffen." Dass er sich über einen Stadtvertreter-Beschluss aus dem Jahre 1991 hinweg setzt, stört Friedersdorff wenig. "Wir verbauen zertifiziertes Tropenholz, davon war damals noch gar nicht die Rede." Dass der Beschluss aber selbst das nicht zulässt, weil er nie geändert wurde, will der Baudezernent nicht gelten lassen. "Wir bekommen für das Holz sogar Umwelt gutschriften." Gegen die Tropenholzverwendung klagt der BUND zwar nicht, lehnt den Einsatz aber auch ab. Die Transportwege seien zu lang. "Lärche oder Robinie würden auch gehen", sagt Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag. "Und die hiesige Forstwirt schaft würde sich auch freuen."

Nach Auffassung des Umweltver bandes kommt es mit dem Bau des Anlegers grundsätzlich zu erheblichen Be einträchtigungen des EU-Vogelschutzgebietes "Schweriner See", egal, welches Holz verwendet wird. Die Schlossbucht sei "bisher vergleichsweise wenig von Boots- und Schiffsverkehr beeinträchtigt und deshalb für zahlreiche Wasser vogel arten Brut- und Rastplatz". Die Wasservögel würden derzeit, ihre Nester bauen und Rammschläge hätten "ganz scharfe Auswirkungen auf die Brut", sagt Corinna Cwielag. "Das verstößt massiv gegen gesetzliche Vorgaben."

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