Schwerin : Stadt rettet alte Fokker-Halle

Die späteren Anbauten an der alten Fokker-Halle sind bereits  abgerissen. Mit der Sanierung der Dachkonstruktion soll noch in  diesem Monat begonnen werden.
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Die späteren Anbauten an der alten Fokker-Halle sind bereits abgerissen. Mit der Sanierung der Dachkonstruktion soll noch in diesem Monat begonnen werden.

Die ehemalige Flugzeug-Werkhalle in Schwerin soll erhalten und das Areal für Tourismus genutzt werden

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01. März 2016, 20:45 Uhr

Die ehemalige Werkhalle 2 der Fokker-Flugzeugwerke in der Bornhövedstraße 95 wird vor dem Verfall gerettet. Die Stadt hatte das Grundstück bereits 2012 erworben, um das einsturzgefährdete Industriedenkmal zu erhalten. Für die dringend anstehenden Sicherungsmaßnahmen sind rund 330 000 Euro veranschlagt. Das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege unterstützt die Maßnahme mit Fördermitteln in Höhe von 167 000 Euro. Die Stadt trägt 50 Prozent der Kosten. „Dieses Geld ist bereits im Haushalt eingestellt“, sagt Baudezernent Bernd Nottebaum.

„Für die Beseitigung von Müll und Unrat wurden bislang etwa 5000 Euro ausgegeben, der größte Teil davon ist jedoch als Versicherungsschaden gedeckt“, berichtet Stadtentwickler Andreas Thiele. Um Baufreiheit in der Halle zu schaffen, werden derzeit alle nicht historische Einbauten abgetragen. Im Außenbereich werden ebenfalls baufällige und nicht zur Fokkerhalle gehörende Anbauten abgerissen. Danach folgt die Sanierung der Dachkonstruktion.

Ziel der Maßnahmen sei aber nicht nur die Sicherung des Industriedenkmals, sondern auch die wassertouristische Entwicklung des Areals, erklärt Nottebaum. „Wir können uns dort gut einen Wohnmobil-Standort vorstellen“, so der Wirtschaftsdezernent. Auf eine entsprechende Ausschreibung habe es mehrere Bewerber gegeben, zwei seien in der engeren Wahl. „Wir werden in diesem Monat die Detailabstimmungen vornehmen. Danach wird entschieden.“ Die Verwaltung bereite die Vorlage für die Vergabeentscheidung durch die Stadtvertretung vor. Eine zunächst ins Auge gefasste Wassertankstelle werde es jedoch an dieser Stelle nicht geben. „Das Wasser ist hier einfach zu flach“, berichtet Nottebaum.

Die Flugzeughalle wurde 1913 auf dem Grundstück am Schweriner See errichtet. Der holländische Flugpionier Anthony Fokker wollte hier Wasserflugzeuge bauen und verlegte seine bis dahin in Berlin-Johannisthal ansässige Firma „Fokker Aeroplanbau GmbH“ in den Hintenhof 43, die heutige Bornhövedstraße 95. Mit Ausbruch des 1. Weltkrieges wurden Fokkers Flugzeugfabriken in Schwerin baulich erweitert und stellten auf Rüstungsproduktion um. Die Belegschaft wuchs rasch von rund 250 im Jahre 1914 auf 1600 im Jahre 1917. Deshalb wurde 1915 die zweite Werkhalle in der Bornhövedstraße 101 gebaut, jetzt ebenfalls Denkmal und vom Anglerverein genutzt. Zu den bekanntesten Flugzeugen, die in Schwerin gebaut wurden, zählt der Dreidecker Dr. I, den auch der legendäre Rote Baron, Rittmeister Manfred von Richthofen, flog. Als nach dem Ende des 1. Weltkrieges der Bau von Flugzeugen in Deutschland untersagt wurde, zog Fokker mit seinem Werk nach Amsterdam-Shiphol.

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