Schwerin erarbeitet Kunst-Broschüre : Stadt katalogisiert ihre Kunst

„Die Sitzende“ von August Martin Hoffmann: Auch diese Skulptur wird in den Katalog mit aufgenommen.
„Die Sitzende“ von August Martin Hoffmann: Auch diese Skulptur wird in den Katalog mit aufgenommen.

Verwaltung arbeitet an einer Datenbank der Exponate im öffentlichen Raum und will perspektivisch ein Pflegekonzept auflegen

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05. April 2017, 12:00 Uhr

Die Kissen am Dreescher Markt sind für die meisten Schweriner einfach nur ein Schandfleck. Doch offiziell ist das Kunst – und kann eben nicht einfach weg. Die prägnanten Plastik-Elemente sind nur ein kleiner, wenn auch sehr ins Auge fallender Bestandteil der Kunst im öffentlichen Raum. Doch wird diese Kunst auch als solche wahrgenommen? Als Bereicherung des Stadtbildes?

Über Jahrzehnte sind die Plastiken, Skulpturen und anderen Kunstwerke auf Straßen, Plätzen und sogar inmitten von Kreisverkehren der Stadt wenig beachtet worden – und vielerorts in Vergessenheit geraten. Das soll sich jetzt ändern.

Das Kulturbüro analysiert derzeit den Bestand und will ihn pflegen. Ersteres ist nicht so einfach, zweiteres kaum leistbar. Rund 80 000 Euro müsste die hoch verschuldete Landeshauptstadt jährlich für die Wartung ausgeben, haben die Experten der SDS ausgerechnet. Kann das Schwerin leisten und überhaupt: Will die Stadt das?

In seinen jüngsten Informationen an die Stadtvertreter hat Oberbürgermeister und Kulturdezernent Rico Badenschier mitgeteilt: Wir arbeiten an einer Datenbank der Kunst im öffentlichen Raum. Darin enthalten: Name, Adresse, Geo-Koordinaten, Angaben zum Werk, zur Aufstellung, zum Eigentümer, zur Finanzierung oder Errichtung und vertraglichen Situation der Entstehung, spezifische Fragen der Pflege, Hinweise zum Künstler wie etwa Biografie, Bibliografie, weitere öffentliche Werke, kurzer Informationstext zum Kunstwerk, Fotos, Videos, Audio-Dateien, Literaturhinweise und gegebenenfalls auch Informationen zum Ortsteil. Entstehen könnte am Ende daraus eine „Kultur-Guide-App“ beziehungsweise eine eigene Internetseite und eine Broschüre.

Schon im kommenden Jahr könnte das alles öffentlich zugänglich sein, „um das Bewusstsein für den Wert der Kunst im öffentlichen Raum zu schärfen“. Für Rico Badenschier ist klar: „Kunst im öffentlichen Raum stellt auch finanziell einen Wert dar. Deren Verfall schmälert die Vermögenswerte der Stadt.“

Es wird von der Verwaltung daher angestrebt, die öffentlichen Kunstwerke „entsprechend der finanziellen Möglichkeiten in den Instandhaltungsbudgets zu berücksichtigen. Im Falle hoher Instandhaltungsbedarfe werden jährlich Prioritätenlisten erstellt, die im zur Verfügung stehenden finanziellen Rahmen abgearbeitet werden.“

Um die Qualität von Kunst im öffentlichen Raum zu sichern, wird für die wichtigen Entscheidungsprozesse ein Gremium für öffentliche Kunst gebildet, informiert der Kulturdezernent. In regelmäßigen Abständen werden dort alle Entscheidungen über Kunst im öffentlichen Raum diskutiert und entschieden. Dazu gehören auch Entscheidungen über die Neuschaffung von Kunst.

Oberbürgermeister Badenschier: „Dies bedarf einer Strategie, eines Budgets, professionellen Handelns und vor allem einem fachlich kompetenten Entscheidungsgremium.“ Darüber hinaus werde in diesem Gremium auch der mögliche Abbau von Kunstwerken zu entscheiden sein. Denn jede Generation habe das Recht und die Pflicht, über öffentliche Kunst zu diskutieren und zu entscheiden. Dies gelte auch für den Umgang mit Kunstwerken, die an ihrem derzeitigen Standort ihre Funktion oder ihre Ästhetik durch äußere Einflüsse verloren haben. Und schon sind wir wieder bei den Dreescher Kissen. SVZ bleibt dran.

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