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Kunst und Hexen in Schwerin : Stadt holt Keramiksäule ans Licht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Einzelne Tafeln der 1986 eingeweihten Stele sollen wieder öffentlich gezeigt werden – auch in Erinnerung der von der Politik rehabilitierten Hexen in Schwerin

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erstellt am 20.Feb.2017 | 21:00 Uhr

Die „Keramische Säule“ mit 27 Reliefplastiken, die acht Jahrhunderte Schweriner Stadtgeschichte vom Gründungsjahr bis hinein in die vermeintlich blühenden 1980er-Jahre illustrierten, wurde vom damaligen Oberbürgermeister Dr. Helmut Oder am 7. Juni 1986 an der Flaniermeile zwischen Schloss und Marktplatz eingeweiht. Ein langes Leben war dem Schmuckstück nicht vergönnt: Sieben Jahre nach der Einweihung des Kunstwerkes kam es am 24. August 1993 zu einem Unfall, bei dem die Säule durch ein Baufahrzeug stark beschädigt wurde. Mehrere Keramikplatten wurden zerstört, andere trugen Risse davon. Außerdem wurde das Tragegerüst stark deformiert, was erhebliche Statikprobleme zur Folge hatte. Die Säule musste abgebaut werden. Ihre Einzelteile wurden archiviert und lagern bis heute in einem besonderen Magazinbereich des Freilichtmuseums für Volkskunde Mueß. In den vergangenen 20 Jahren gab es mehrere vergebliche Restaurierungsanläufe.

Jetzt haucht die Stadt zumindest einem Teil der Säule neues Leben ein. Einzelne Tafeln sollen wieder öffentlich ausgestellt werden. Damit gelingt der Verwaltung quasi ein doppelter Effekt. Denn nicht nur, dass endlich wieder die bei vielen Schwerinern beliebte Säule zumindest in Teilen wieder im Stadtbild präsent ist, die Stadt setzt damit auch einen anderen Stadtvertreterbeschluss um.

Ralph Martini, Stadtvertreter der Aktion Stadt und Kulturschutz, hatte im vergangenen Jahr per Antrag gefordert, dass alle in der Zeit der Hexen- und Zaubererverfolgung während des 16. bis 18. Jahrhunderts in Schwerin gequälten und ermordeten Menschen moralisch rehabilitiert werden. „Der Antrag hat die Intention, das Gedenken an die dunkle Zeit ins Bewusstsein zurückzuholen und den Opfern in angemessener Form zu gedenken“, so Martini. Das fand in der Politik eine Mehrheit.

Und da eine Tafel der Stele sich auch mit der Hexenverfolgung in Schwerin beschäftigt, entstand die Idee, die Keramik-Säule für das Erinnern an die rund 100 im 16. und 17. Jahrhundert in Schwerin verurteilten Hexen und Hexer zu nutzen.

Laut Oberbürgermeister Rico Badenschier habe eine Besichtigung der Tafeln ergeben, dass die Mehrzahl ohne größeren Aufwand wieder aufgestellt werden könnte. Dafür favorisiert die Stadt einen Standort auf dem Hof der Volkshochschule. Dort befindet sich rechts vom Volkshochschul-Gebäude eine Stahlkonstruktion, die für die Präsentation genutzt werden kann. Diese unmittelbare Nachbarschaft zu diversen Kultureinrichtungen mache diesen Standort auch für Touristen attraktiv.

Das Kulturbüro will jetzt mit der Künstlerin Anni Jung aus Meißen Kontakt aufnehmen, deren Zustimmung zu
einer Neuaufstellung in veränderter Form und am neuen Standort sowie zur Art der Ausbesserung eingeholt werden muss. Ihr szenisches Monument entstand anlässlich des 825-jährigen Stadtjubiläums.

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