Schwerin hilft : Stadt gibt jungen Zuwanderern Halt

Sozialdezernent Andreas Ruhl: „Die jungen Leute sind durch ihre Flucht oft  traumatisiert.“
Sozialdezernent Andreas Ruhl: „Die jungen Leute sind durch ihre Flucht oft traumatisiert.“

In Schwerin leben derzeit 80 so genannte unbegleitete minderjährige Flüchtlinge / Jugendamtsmitarbeiter übernehmen Vormundschaft

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25. Juni 2016, 05:00 Uhr

Sie haben eine wochenlange Odyssee hinter sich, sind ohne ihre Familien nach Deutschland gekommen: In der Landeshauptstadt leben derzeit 80 so genannte unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. „Die Betreuung der jungen Leute, die einen völlig anderen kulturellen Hintergrund haben und durch ihre Flucht oft traumatisiert sind, stellt uns schon vor besondere Herausforderungen“, sagt Schwerins Sozialdezernent Andreas Ruhl.

16 oder 17 Jahre alt sind die Jugendlichen in der Regel, sie kommen aus Syrien und Afghanistan. Untergebracht sind die jungen Männer zumeist in Wohngruppen. „Wir arbeiten mit sechs Trägern zusammen“, sagt die Jugendamtsleiterin Caren Gospodarek-Schwenk. Die Kosten für Unterbringung, Verpflegung und Betreuung würden der Stadt vom Land erstattet. „Im Schnitt sind es rund 160 Euro pro Tag und Flüchtling“, so Gospodarek-Schwenk.

Per Gesetz ist die Kommune verpflichtet, sich um die jungen Flüchtlinge zu kümmern. Mitarbeiter des Jugendamtes übernehmen für die Minderjährigen die Vormundschaft, sind bei allen rechtlichen und anderen wichtigen Entscheidungen mit im Boot, also auch beim Thema Schule. „Die meisten Jugendlichen absolvieren ein Berufsvorbereitungsjahr für Ausländer in einer Nebenstelle der Berufsschule Technik“, berichtet Gospodarek-Schwenk.

Die Aussichten der jungen Migranten insbesondere aus Syrien, als Asylbewerber anerkannt zu werden, seien in aller Regel positiv, sagt Dezernent Ruhl. „Wenn die Flüchtlinge dann volljährig sind und ihre Anerkennung haben, können sie sich in Deutschland frei bewegen.“

Frustrierend sei für die Jugendliche aber, dass sie in den meisten Fällen ihre Familien nicht sofort nachholen könnten, schildert Petra Bittner von der Sozial-Diakonischen Arbeit – Evangelischen Jugend mit Blick auf die Rechtslage. Zehn Plätze für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge gibt es in der Wohngruppe, die die Sozial-Diakonischen Arbeit – Evangelischen Jugend in Schwerin betreibt. „Die Jugendlichen verbringen ihre Freizeit wie ihre deutschen Altersgenossen. Wir unterstützen sie in ihrem Alltag“, so Bittner.

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