Schwerin : Stadt blockiert Bau auf der Krösnitz

<fettakgl>Zutritt verboten: </fettakgl>Die Besitzer wollen sanieren, die Stadt will renaturieren. In der Nachbarschaft der alten Gärtnerei entstand vor Kurzem aus einem  älteren Haus ein Wohngebäude. <foto>Reinhard Klawitter</foto>
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Zutritt verboten: Die Besitzer wollen sanieren, die Stadt will renaturieren. In der Nachbarschaft der alten Gärtnerei entstand vor Kurzem aus einem älteren Haus ein Wohngebäude. Reinhard Klawitter

Nach 20 Jahren Bauverbot auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei auf der Krösnitz, bieten die Eigentümer der Stadt weiterhin die Stirn. Sie prangern Schwerins Hinhaltetaktik an.

svz.de von
02. Januar 2013, 06:39 Uhr

Ostorf | Auf der Krösnitz-Halbinsel brodelt es im Verborgenen, doch die Beteiligten wahren weiter ihr Gesicht. Im Mittelpunkt steht nach wie vor die ehemalige Gärtnerei auf dem Grundstück der Krösnitz 38 - seit nunmehr 20 Jahren. Äußerlich werden Gewächshäuser und Gebäude weiter Opfer von Vandalismus, lagern Unbekannte ihre Gartenabfälle und ihren Schrott auf dem etwa einen Hektar großen Grundstück ab. Im Sommer erneuerte die Erbengemeinschaft wiederholt die Sicherung des Grundstücks. Doch hinter der Fassade drücken mehrere Briefwechsel mit der Verwaltung den Unmut der Eigentümer aus, die die Blockadehaltung der Stadt nicht verstehen. Ein Urteil des Oberverwaltungsgerichtes (OVG) über die bauplanrechtliche Sachlage steht weiterhin aus.

Sanierung oder Renaturierung: Während die Besitzer für eine Neubebauung mit 13 Reihenhäusern beziehungsweise Sanierung der bestehenden Gebäude kämpfen, hält die Landeshauptstadt an einer Beräumung des Geländes fest. "Die wohnbauliche Entwicklung soll auf den Ostteil der Halbinsel Ostorf beschränkt bleiben und mit der Entwicklung eines Einfamilienhaus standortes im Bereich des ehemaligen Postgeländes abgeschlossen werden", schreibt Schwerins Baudezernent Dr. Wolfram Friedersdorff in einem Brief an den Rechtsanwalt der Erbengemeinschaft Jakob Awik. Friedersdorff verweist auf das aktuelle Nutzungskonzept der Krösnitz-Halbinsel, das von der Stadtvertretung angenommen worden ist, um "das vorhandene Potenzial im Bereich der Krösnitz für die Naherholung, Sport und Freizeit weiter zu nutzen". Unterdessen stützt sich Rechtsanwalt Awik auf die mündliche Zusage eines Vorgängers von Frieders dorff, des früheren Baudezernenten Axel Höhn, deren Äußerung allerdings laut Friedersdorff "durch Aktenvermerke o. ä. nicht dokumentiert" ist. Friedersdorff wiederum zeigt sich erst bereit für ein Gespräch, "sobald die Entscheidung des OVG vorliegt". Die Fronten sind verhärtet.

Die Stadt überschreite mit ihrer starren Haltung "den Grenzbereich zum Rechtsmissbrauch", so Awik. Mit Einfamilienhäusern auf dem Gelände der Krösnitz 38 würde die Stadt weitere Familien anlocken können und ihr Konzept vom Wohnen am Wasser weiter vorantreiben. Doch das Grundstück liegt nach Auffassung des Baudezernenten im Außenbereich, "der nach den Vorschriften des Baugesetzbuches grundsätzlich von jeglicher Bebauung freizuhalten ist". In einer ähnlichen Sachlage hatte ein heruntergekommenes Gebäude in der Nachbarschaft der alten Gärtnerei gestanden, das nur nach zähen Verhandlungen für eine Sanierung freigegeben worden ist.

Für die Eigentümergemeinschaft der Kösnitz-Gärtnerei bedeutet ihren Einschätzungen zufolge ein Bauverzicht auch eine hohe finanzielle Einbuße. Doch sie gehen noch weiter: "Ein Rechtsanwalt in Schwerin erklärte den Grundstückseigentümern, dass die Stadt Schwerin Grundstückseigentümer am langen Arm verhungern lasse, bis diese das Grundstück für einen Appel und ein Ei an die Stadt Schwerin verkauften’", schreib Awik. "Das Angebot der Stadt Schwerin, das Grundstück für drei Euro pro Quadratmeter zu erwerben, während der Wert bei 150 Euro liegen mag, scheint diese Aussage zu bestätigen", so der Rechtsanwalt. Hinzu komme: "Das Grundstück war bewohnt und versorgungstechnisch erschlossen." Das würde eine Sanierung und Nutzung der bestehenden Gebäudestruktur erleichtern.

Doch trotz aller Vorwürfe, wird Rechtsanwalt Awik das Urteil des Oberverwaltungsgerichtes abwarten müssen. Erst dann wird Schwerins Baudezernent Friedersdorff bereit stehen. "Ein solches Gespräch ist aus meiner Sicht erst dann Erfolg versprechend, wenn Rechtssicherheit über den Umgang mit dem Gebäudebestand auf dem Grundstück besteht", schreibt Friedersdorff. Dabei sollte es dann "aber auch um die Lösung der Probleme auf dem Grundstück gehen".

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