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Trotz Millionenhilfe Zukunft der Bühne unsicher : Staatstheater noch nicht gerettet

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Trotz der von den Stadtvertretern beschlossenen Millionen-Finanzspritze ist eine Insolvenz des Mecklenburgischen Staatstheaters offenbar noch nicht vom Tisch. Derzeit gibt es noch einen ganzen Berg von Unwägbarkeiten.

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erstellt am 14.Feb.2012 | 05:01 Uhr

Schwerin | Trotz der von den Stadtvertretern beschlossenen 1,4-Millionen-Finanzspritze ist eine mögliche Insolvenz des Mecklenburgischen Staatstheaters offenbar noch nicht vom Tisch. Derzeit gibt es noch einen ganzen Berg von Unwägbarkeiten. Das geht aus Aussagen der Oberbürgermeisterin und aus Rechtsgutachten hervor.

Ein von den Stadtvertretern gefordertes Sanierungskonzept soll auch die Entlassung von 60 Mitarbeitern beinhalten. Ob das wirklich realisiert und wieviel das kosten wird, ist noch nicht absehbar. "Die Beendigung von Arbeitsverhältnissen unterliegt strengen Reglementierungen und ist abhängig vom jeweiligen Tarifvertrag", so OB Angelika Gramkow. Sicher ist, so ein Gutachten eines Schweriner Rechtsanwalts, dass Kündigungen frühestens 2013, in vielen Fällen erst 2014 wirksam werden könnten.

Das mögliche Einsparpotenzial bis 2015 wird auf insgesamt knapp 7,5 Millionen Euro geschätzt. "Unberücksichtigt bei dieser Darstellung sind die Aspekte der Abfindungszahlungen und auftretende Prozesskosten", heißt es im Gutachten. Und die werden nicht gering sein. So spricht die Verwaltungsspitze von etwa 3,5 bis 4 Millionen Euro. Bisher erweckte die Oberbürgermeisterin den Anschein, dass das Land diese Kosten übernehmen wird. Jetzt heißt es, dass erst nach der Ermittlung der konkreten Kosten "mit der Landesregierung über eine mögliche finanzielle Unterstützung zu verhandeln" sei. "Eine Unterstützung ist im Laufe der Gespräche der Oberbürgermeisterin mit dem Bildungsministerium signalisiert worden."

Bereits in diesem Jahr gibt es offenbar auch Unsicherheiten, was die Einnahmen betrifft. So wurde bisher für die Bajazzo-Inszenierung im Sommer auf dem Alten Garten von einer 85-prozentigen Auslastung ausgegangen. "Der Vorverkauf für die diesjährigen Schlossfestspiele läuft gegenwärtig sehr gut", so Angelika Gramkow. "Die Auslastung wurde auch auf Grund der Tatsache angehoben, dass Beeinträchtigungen durch die Witterung ausgeschlossen werden können." Jetzt rechnet das Theater damit, dass 95 Prozent der Plätze verkauft werden können. Das wären immerhin Mehreinnahmen von 230 000 Euro. Ob das so kommt, ist aber noch nicht absehbar. Denn im Vergleich zum Vorjahr sind bislang zwar etwa 1000 Karten mehr verkauft worden, es gibt aber weniger Reservierungen.

Der angestrebte Abschluss von Haustarifverträgen ist bisher nicht verhandelt worden. Dabei steht immerhin "rechnerisch ein Lohnverzicht von 13 Prozent zur Debatte". Ob das die Gewerkschaften mitmachen? "Wir brauchen zunächst konkrete Angaben", sagte Agnes Schreieder,bei der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di für Tarifverhandlungen zuständig. "Es kann nicht sein, dass die Mitarbeiter Verzicht üben und dann trotzdem Finanzlücken bleiben." Dass Ver.di einen für den vergangenen Freitag vereinbarten Gesprächstermin "kurzfristig wieder abgesagt" habe, wie die Oberbürgermeisterin sagte, wies Schreieder zurück. "Wir wussten ja gar nicht, worüber gesprochen werden sollte." Mit dem Beschluss der Stadtvertreter über einen Zuschuss für das Theater gäbe es "jetzt eine andere Sachlage". Die Gewerkschaft zeigt sich jetzt gesprächsbereit. "Wir wollen konstruktiv mitarbeiten." Die Gewerkschaftsfrau machte aber auch die Landesverantwortung deutlich. "Aus unserer Sicht sind Veränderungen nötig", so Agnes Schreieder. "Wir sind der Auffassung, dass mehr Mittel für die Theater in MV fließen müssen."

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