Probleme beim Umgang mit Fördermitteln : SSC Breitensport muss deftig löhnen

Den geharnischten Ritter aus dem Schweriner Stadtwappen führt auch der Schweriner Sportclub Breitensport e. V. in der Vereinsfahne. In den Gelenken des SSC-Ritters knirscht es aber.

svz.de von
02. März 2013, 05:28 Uhr

Schwerin | Den geharnischten Ritter aus dem Schweriner Stadtwappen führt auch der Schweriner Sportclub Breitensport e. V. in der Vereinsfahne. Das soll Stärke und Verbundenheit zur Stadt demonstrieren. In den Gelenken des SSC-Ritters knirscht es aber. Dafür sind Vereinsquerelen sowie Probleme beim Umgang mit Fördermitteln verantwortlich.

Der Club - nicht verschwägert mit dem Schweriner SC (Volleyball, Leichtathletik) - leistet sich seit 2005 einen hauptamtlichen Geschäftsführer. Der wird aus eigenen Geldern und Fördermitteln des Landessportbundes (LSB) und der Landeshauptstadt finanziert. Die Steuergelder sind aber an einen so genannten Vereinssportlehrer gebunden, der mit den Sportlern arbeitet, also trainiert. Das hat nach Informationen unserer Zeitung beim SSC schon sieben Jahre nicht stattgefunden. Die Folge ist eine Rückforderung von möglicherweise mehr als 50 000 Euro. Für die vergangenen zwei Jahre hat der LSB schon mal 6500 Euro zurückgefordert. Auch die Stadt prüft, ob die gewährten Fördermittel von 500 Euro pro Monat entsprechend dem Antrag für einen Vereinssportlehrer verwendet wurden. Bis zur Klärung ist die Zahlung durch die Stadt deshalb 2012 gestoppt worden. Die Prüfung, ob eine Rückforderung der Fördermittel an den Verein gestellt wird, sei noch nicht abgeschlossen, hieß es aus der Pressestelle der Stadt.

Der Schweriner SC Breitensport hat auf einer Mitgliederversammlung der Fußballer alle Vorwürfe von sich gewiesen. Man habe gut gearbeitet, alles andere sei eine Medienkampagne. Aber: Peter Brügmann ist auf der Homepage des Vereins noch als SSC-Geschäftsführer gelistet, obwohl er Vereinssportlehrer sein soll. Die SVZ war bei der Versammlung ausdrücklich aus geschlossen. Abteilungsleiter Roland Hen kelmann hatte in dieser Woche ein Informationsgespräch mit der SVZ zugesagt, woraus aber nichts wurde. Bleibt die Frage nach der Kontrolle bei der Verteilung von Steuergeldern. Der Landessportbund hat im laufenden Geschäft 8,7 Millionen Euro zu verteilen. Das sei kompliziert, sagt LSB-Geschäftsführer Torsten Haverland: "Wir haben 237 000 Mitglieder in rund 200 Vereinen. Davon werden etwa 200 große Sportgemeinschaften mit mehr als 500 Mitgliedern besonders gefördert, also auch mit der Bezuschussung von Vereinssportlehrern. Da sind keine regelmäßigen Tiefenprüfungen möglich. Wir sind auf die Angaben der Vereine angewiesen. Deren Vorsitzende sind unsere Rechtspartner." Haverland lässt indes keinen Zweifel daran, dass bei einem begründeten Anfangsverdacht sofort geprüft werde.

Da muss sich der SSC Breitensport auf neuerliche Anfragen gefasst machen. Die für eine besondere Förderung nötige Mitgliederzahl von 500 Sportlern, die in der Internet-Präsenz gemeldet ist, wird längst nicht mehr erreicht. Auch in der öffentlichen Werbung geht der Verein großzügig um. Nicht alle der Sponsoren, die online abgerufen werden können, haben mit dem SSC etwas am Hut. "Nach meinen Unterlagen haben wir wenigstens seit fünf Jahren mit dem SSC nichts mehr zu tun", sagt beispielsweise Günter Zeckert, Geschäftsführer des im Sponsorenpool gelisteten gleichnamigen Ingenieurbüros.

Und es droht neuer Ärger. Die erste Fußball-Männermannschaft des SSC hat als Tabellenvierter in der Landesliga West den Aufstieg in die höchste MV-Liga gewagt, weil die drei Erstplatzierten das nicht wollten. Als der Verein nach der Hinrunde als Tabellenletzter nur zwei Zähler auf dem Konto hatte, wurde der Trainerstab gefeuert. Darauf meldete sich die nahezu komplette Mannschaft ab. Der SSC musste sich abmelden und wird nun vom Sportgericht zur Kasse gebeten. Außerdem hatte der SSC zwei Ungarn unter Vertrag, die eine Wohnung der stadteigenen Schweriner Wohnungsgesellschaft bewohnten. Geld ist nie geflossen, jetzt gibt es im Stadtparlament eine Anfrage an die OB.

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