Schweriner Polizei : Spurensuche der anderen Art

Bei der Arbeit: Mit Rußpulver und Pinsel macht Stefan Auber die Fingerabdrücke am Feuerlöscher sichtbar.
Bei der Arbeit: Mit Rußpulver und Pinsel macht Stefan Auber die Fingerabdrücke am Feuerlöscher sichtbar.

Vom Archäologen zum Polizisten: Stefan Auber nimmt nicht mehr frühe Siedlungen unter die Lupe, sondern Tatorte

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02. August 2016, 11:45 Uhr

In Kiel hat er Ur- und Frühgeschichte studiert, ist Prähistoriker mit Diplom-Abschluss. Und zunächst sah es auch so aus, als würde Stefan Auber den Weg eines Archäologen konsequent weitergehen. An der Ostsee-Pipeline bei Güstrow trug er den Boden ab, suchte in den Erdverfärbungen nach Spuren früher Besiedlung. Beim Kloster Jerichow in Sachsen-Anhalt erforschte Auber einen mittelalterlichen Friedhof, auch Flächen des Braunkohletagebaus bei Cottbus nahm er unter die Lupe. Doch nun sucht der 31-Jährige ganz andere Spuren – an Tatorten von Kriminalfällen. Auber entschied sich für eine Laufbahn bei der Polizei.

„Die befristeten Anstellungen als Archäologe waren nichts für mich“, erklärt Auber. Er brauche doch ein bisschen Stabilität im Leben. „Ich suchte nach einer Beschäftigung, in die ich meine Fähigkeiten dauerhaft einbringen kann.“ Auch bei der Polizei würden schließlich Spuren gesichert, wenn auch nicht so alte, sagt der Berliner mit einem Augenzwinkern. So bewarb er sich bei den Ordnungshütern, unter anderem in Mecklenburg-Vorpommern, wurde angenommen, drückt seitdem wieder die Schulbank – an der Fachhochschule in Güstrow. Drei Jahre dauert die Ausbildung für den gehobenen Dienst, die Kommissar-Laufbahn. „Die Ausbildung ist abwechslungsreich und interdisziplinär, reicht von Psychologie über Sport bis zur Rechtswissenschaft“, sagt Auber.

In Schwerin lernt der 31-Jährige derzeit den praktischen Polizeialltag kennen, bei der Kripo und bei der Schutzpolizei. Auber war zum Beispiel dabei, als Anfang Juli unter einer Brücke am Schweriner Krebsbach eine mumifizierte Leiche gefunden wurde (SVZ berichtete). „Die Aufgabe von meinen Kollegen und mir bestand vor allem darin, die Auffindesituation festzuhalten“, erklärt Auber. Die Arbeit eines Archäologen und eines Kriminaltechnikers sei durchaus vergleichbar – beide müssten sehr genau untersuchen und dokumentierten, was sie vorfinden, hantierten mit Lupe und Fotoapparat. „Ein Archäologe bewegt allerdings in der Regel deutlich mehr Erde“, so der Kommissar-Anwärter.

Finger- und Fußabdrücke zu sichern, die auf die Spur des Täters führen – mit dieser Tätigkeit als Kripo-Beamter könnte sich Auber langfristig anfreunden. Aber auch die Arbeit als Schutzpolizist macht ihm Spaß. „Mit gefällt der direkte Kontakt zu den Menschen“, sagt er. In Schwerin fühlt sich der verheiratete Berliner gut aufgehoben, nicht nur bei den Kollegen, sondern auch in der Stadt insgesamt. „Schwerin ist eine schöne Stadt“, betont Auber. „Und dann noch die Nähe zur Ostsee.“

Polizist auf dem zweiten Bildungsweg zu werden – Auber ist sich sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. „Als Student habe ich mir einen solchen Job nicht vorstellen können“, sagt er. Aber heute – mit der Lebenserfahrung von mehr als drei Jahrzehnten – sei für ihn der Fall klar: „Hier habe ich das Richtige gefunden.“

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