zur Navigation springen

Arbeiten am Doku-Zentrum : Spuren der Geschichte bewahren

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Fassade, Dach und Werkstatt-Räume des ehemaligen Stasi-Untersuchungsgefängnisses werden saniert

svz.de von
erstellt am 02.Dez.2015 | 12:00 Uhr

Es war der Hof, auf dem die Gefangenen „zugeführt“ wurden, wie es im Stasi-Jargon hieß. Vergitterte Fenster, bröckelnder Putz, herunterhängende Leitungen, Licht- und Überwachungstechnik aus DDR-Zeiten. Würde nicht ein nagelneuer Mercedes vor der Tür stehen, die Vergangenheit wäre übermächtig.

Vergangenheit und Gegenwart unter einen Hut zu bringen – vor dieser Aufgabe stehen nun Architekten und Bauleute beim ehemaligen Stasi-Untersuchungsgefängnis in Schwerin. Sie sollen Fassade, Fenster und Dach des Gebäudes am Obotritenring, das heute das Dokumentationszentrum des Landes für die Opfer der Diktaturen in Deutschland beherbergt, sanieren, konservieren – ohne die Spuren der Geschichte zu verwischen.

„Wir haben es mit einem Gebäude zu tun, das eine sehr komplexe Geschichte hat“, sagt der Direktor des Landeszentrale für politische Bildung, Jochen Schmidt. Erbaut worden sei das Haus während des Ersten Weltkrieges, habe NS- und Sowjet-Machthabern gedient und seit den 50er-Jahren der DDR-Staatssicherheit. „Die Außenhaut soll diese Geschichte widerspiegeln“, so Schmidt.

Architekt Thomas Schlutt spricht von einem riesigen Puzzle. Stück für Stück müssten sich die Handwerker an der Fassade vorarbeiten, Putzstellen ausbessern und sichern, einen Farbanstrich auftragen, wie er in der DDR-Zeit üblich gewesen sei, die Patina erhalten. Die Dachziegel – Marke „Frankfurter Pfannen“ – würden komplett ersetzt, das Glasdach über dem Gefängnistrakt instand gesetzt, erläutert Schlutt. Auch frühere Werkstatt-Räume und die alte Waschküche auf dem Hof des ehemaligen Gefängnisses sollen saniert werden. Wo heute noch Wasser von der Decke tropft, kahle Kacheln an der Wand kleben, sich ausrangiertes Mobiliar türmt, sollen Möglichkeiten für die pädagogische Arbeit geschaffen werden, so der beauftragte Architekt.

Ein Teil des Hauptgebäudes ist bereits eingerüstet. Voraussichtlich Anfang des Jahres würden die Arbeiten beginnen, wenn das Wetter mitspiele, sagt Michael Bleyder, Leiter des Schweriner Geschäftsbereiches vom landeseigenen Betrieb für Bau und Liegenschaften. Bis Mitte 2017 soll die denkmalgerechte Sanierung abgeschlossen sein. 1,5 Millionen Euro aus Mitteln des so genannten Mauerfonds stehen nach Angaben von Bleyder für das ambitionierte Projekt zur Verfügung. Bei der Planung der Arbeiten seien auch Stasi-Akten herangezogen worden. „Viele Dinge können aber wahrscheinlich erst während der Bauphase entschieden werden“, so der Geschäftsbereichsleiter.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen