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Treibstoffkosten : Spritpreise fallen auf neues Rekordtief

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Preis für einen Liter Diesel kratzt in MV an der Ein-Euro-Marke

von
erstellt am 16.Jan.2015 | 20:16 Uhr

Freude an den Zapfsäulen: Im Januar purzeln die Spritpreise weiter. So kratzt in dieser Woche auch in MV der Preis für einen Liter Diesel an der Ein-Euro-Marke. Rekordhalter ist Greifswald. „Dort war am Mittwoch der Liter Diesel für Pkw für 1,01  Euro zu haben“, sagte Carsten Willms, Verkehrsexperte des ADAC gegenüber unserer Redaktion. Gestern stand in der Hansestadt der Preis am Nachmittag schon wieder bei 1,02 Euro.

Zum Vergleich: Schwerin schaffte am Mittwoch und auch gestern Nachmittag einen Literpreis für Diesel von 1,05 Euro und Rostock von 1,04 Euro.

In Schleswig-Holstein kippte dagegen die Ein-Euro-Marke bereits. In Elmshorn meldeten zwei Tankstelle am Mittwoch einen Rekordpreis von 0,99 Euro. ADAC-Angaben zufolge rutschte der Diesel zuletzt im März 2009 im bundesweiten Schnitt unter die Ein-Euro-Grenze. Wer mit Superbenzin unterwegs ist, darf sich ebenfalls über niedrigere Preise freuen. Nur E10 ist teurer geworden – der Preisabstand zu Superbenzin E5 beträgt nur noch zwei Cent. Heizöl- und Gaspreise befinden sich im Gegensatz zum Bio-Sprit ebenfalls im verbraucherfreundlichen Sinkflug.

Wie hat sich der Preis für Rohöl entwickelt?

Der Preis für Rohöl ist auf dem Weltmarkt in den vergangenen Monaten rasant gefallen. Noch im Juli kostete ein Fass (159 Liter) US-Rohöl an der Rohstoffbörse New York Mercantile Exchange bis zu 104 Dollar. Aktuell sind es etwas mehr als 47 Dollar. Umgerechnet in Euro und Liter bedeutet das: Rohöl kostet derzeit rund 26 Cent.

Ganz ähnlich ist die Entwicklung beim Nordseeöl. Die gängige Sorte Brent kostet derzeit rund 49 Dollar je Fass. Ende Juni waren es noch 115 Dollar. Die aktuellen Preise sind die niedrigsten seit fünf Jahren.

Rohstoffhändler an der New York Mercantile Exchange.
Rohstoffhändler an der New York Mercantile Exchange. Foto:dpa/epa/Justin Lane

Rohstoffhändler an der New York Mercantile Exchange. Foto: dpa/epa/Justin Lane


„Den” Ölpreis gibt es übrigens nicht. Rohöl gibt es in unterschiedlicher Qualität. Sorten enthalten mehr oder weniger Schweröl, wichtig ist auch der Anteil an Schwefel. Man spricht hier von „saurem” oder „süßem” Öl. Faustregel: Je leichter und süßer ein Rohöl, desto teurer ist es. Es gibt aber auch regional bedingte Unterschiede. Wichtig ist etwa der Transportweg von der Förderstätte zur Raffinerie. Auch die unterschiedliche Konjunktur in verschiedenen Weltgegenden oder auch die Lagermenge spielt eine Rolle.

Bei Krisen in Nahost wird Öl meist teurer. Diesmal nicht. Warum?

Die Faustformel stimmt so generell gar nicht. Der Markt unterscheidet recht genau zwischen Krisen, die die Ölversorgung unmittelbar betreffen oder nur mittelbar. So wäre etwa ein militärischer Konflikt um die Straße von Hormus viel bedeutender, als es etwa der Krieg im Gaza-Streifen war.

Die umkämpfte syrische Stadt Kobane.
Die umkämpfte syrische Stadt Kobane. Foto:dpa/epa/Erdem Sahin

Die umkämpfte syrische Stadt Kobane. Foto: dpa/epa/Erdem Sahin

Die aktuelle Spannungslage rund um Syrien/Irak/Türkei wird am Ölmarkt derzeit als keine Krise gesehen, die die Versorgung der Industriestaaten mit Öl gefährdet. Die bedeutenden Öllagerstätten liegen weit weg von den Gebieten, die die Terrororganisation „Islamischer Staat“ kontrolliert.  Im Gegenteil sorgt der Konflikt aber in vielen Industriestaaten für Zurückhaltung bei den Investitionen und führt damit zu sinkenden Wachstumserwartungen.


So ist etwa für Deutschland der wichtige Ifo-Index zuletzt wieder gestiegen, davor aber sechs Mal in Folge gefallen. Die Konjunktur ist also nach wie vor labil, die Geschäftserwartungen liegen deutlich unter der Beurteilung der aktuellen Lage. Niedrigeres Wachstum bedeutet in der Regel einen niedrigeren Energieverbrauch. Die Erwartung niedrigerer Ölnachfrage drückt dann auf den Preis.

Welche Faktoren spielen derzeit beim Ölpreis eine Rolle?

Wichtig sind derzeit drei Faktoren: Die Kursentwicklung des US-Dollar, die Fördermengen und die Lagermengen bei Rohöl und Ölprodukten.

Der Dollar ist in den vergangenen Wochen gegenüber den meisten US-Währungen deutlich gestiegen. Für einen Euro erhält man derzeit nur 1,16 Dollar. Im Mai waren es noch 1,40 Dollar. Hintergrund ist, dass die US-Notenbank Federal Reserve angekündigt hat, ihre Politik des billigen Geldes ausschleichen zu lassen. Für ihr gerade laufendes Treffen erwarten Marktbeobachter entsprechende Äußerungen, was Öl weiter verbilligen könnte.

Gleichzeitig will die EZB ihre Politik des billigen Geldes fortsetzen und sogar durch Anleihenkäufe noch verschärfen. Das macht den Dollar für internationale Investoren attraktiver. Ein teurerer Dollar bedeutet, dass der Ölpreis für Verbraucher in Fremdwährungsländern tendenziell teurer ist, was die Nachfrage dämpft. Deshalb entwickelt sich der Ölpreis oft umgekehrt zur Kursentwicklung des Dollar.

Brachte die Ölförderung im Golf von Mexiko in die Schlagzeilen: Der Unfall auf der „Deepwater Horizon“ 2010.
Brachte die Ölförderung im Golf von Mexiko in die Schlagzeilen: Der Unfall auf der „Deepwater Horizon“ 2010. Foto:Imago/UPI Photo

Brachte die Ölförderung im Golf von Mexiko in die Schlagzeilen: Der Unfall auf der „Deepwater Horizon“ 2010. Foto: Imago/UPI Photo

Währenddessen ist die Ölproduktion in den USA, nach wie vor der größte Ölverbraucher der Welt, auf Rekordniveau. Nach den massiven Ölpreisanstiegen der vergangenen 15 Jahre haben die USA große Anstrengungen unternommen, um möglichst unabhängig vom Weltmarkt zu werden. So wird vermehrt Öl weit vor den Küsten gefördert, auch Fracking spielt eine Rolle. Inzwischen fördern die USA fast 9 Millionen Fass Öl pro Tag - ein historisches Hoch und 14 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Damit decken die USA fast die Hälfte ihres Verbrauchs mit eigener Förderung. Parallel dazu steigen die Lagerbestände in den USA an, was am Ölmarkt ebenfalls traditionell stark beachtet wird.

Auch von Seiten des Ölkartells Opec ist keine Förderkürzung zu erwarten. Beim letzten Treffen am 27. November wurde trotz des Preisverfalls keine Förderkürzung beschlossen. Gleichzeitig senkte das Kartell die eigene Nachfrageprognose.

Wie lange wird Öl so billig bleiben?

Das weiß niemand. Die Bank-Analysten senken allerdings inzwischen reihenweise ihre Prognosen, kommen mit dem Preisverfall aber kaum noch nach. Lag eine durchschnittliche Ölpreisprognose noch vor Wochen bei rund 100 Dollar pro Barrel, sind es jetzt in der Regel 80 Dollar. Bleibt der Preis auf aktuellem Niveau oder fällt weiter, werden auch die Analysten mit ihren Voraussagen nachziehen.

Ein Faktor, dass Öl billig bleibt oder noch billiger wird, ist Russland. Das Land leidet unter den Sanktionen wegen der Ukraine-Krise. Russland ist deshalb auf Devisen angewiesen, sinkende Preise sind daher eher ein Anlass für die staatlichen Ölgesellschaften, die Förderung zu erhöhen.

Was heißt das für Heizöl?

Im Bundesdurchschnitt kostet Heizöl pro 100 Liter derzeit um die 58 Euro. Das sind 24 Euro weniger als vor einem Jahr und sogar 30 Euro weniger als vor zwei Jahren.

 

Wenn der Tankwagen kommt, tut es gar nicht mehr so weh.
Wenn der Tankwagen kommt, tut es gar nicht mehr so weh. Foto:Imago/Cord

Wenn der Tankwagen kommt, tut es gar nicht mehr so weh. Foto: Imago/Cord

Dass Heizöl ausgerechnet zu Beginn der Heizperiode so günstig ist, wirkt auf den ersten Blick befremdlich. Allerdings wird der preistreibende Effekt der erhöhten Nachfrage bei uns bei weitem überkompensiert durch die globalen Faktoren.

Was heißt das für Benzin und Diesel?

Auch Sprit fürs Auto ist derzeit im langjährigen Vergleich sehr günstig. So kostet in Schwerin ein Liter Diesel derzeit 1,04 Euro, der Liter Superbenzin 1,22 Euro.

 

Im Süden billiger als im Norden, abends billiger als morgens: Tanken an der Tankstelle.
Im Süden billiger als im Norden, abends billiger als morgens: Tanken an der Tankstelle. Foto:Imago/Norbert Schmidt

Regional unterschiedliche Preise, abends billiger als morgens: Tanken an der Tankstelle. Foto: Imago/Norbert Schmidt

Auch in den anderen Regionen des Landes ist der Treibstoff günstig: In Rostock sind es 1,06 Euro  und 1,23 Euro, in Güstrow 1,06 Euro und 1,26 Euro, in Ludwigslust 1,07 Euro und 1,21 Euro, in Gadebusch sogar nur 1,06 Euro bzw. 1,21 Euro, in Wittenberge: Hier kostet ein Liter Diesel 1,07 Euro, ein Liter Superbenzin 1,22 Euro.

Wer noch mehr sparen will, sollte sich die hohen Tagesschwankungen zunutze machen, die wir derzeit in ganz Mecklenburg-Vorpommern und der Prignitz beobachten. Sie betragen bis zu zehn Cent pro Liter. Ihr Tagestief erreichen die Preise in der Regel zwischen 18 und 22 Uhr. Im morgendlichen Berufsverkehr zwischen 7 und 9 Uhr sind sie dagegen am höchsten.

 

Warum sinkt der Benzinpreis nicht so stark wie der Rohölpreis?

Der Preis für Rohöl ist nur ein Faktor für den Preis, den Verbraucher für Benzin an der Tankstelle zahlen. Rechnerisch sind das derzeit rund 28 Eurocent. Größter Block ist die Energiesteuer, früher Mineralölsteuer genannt. Sie ist konstant und beträgt für Benzin 67 Cent je Liter und für Diesel 47 Cent je Liter. Darauf kommt noch die Mehrwertsteuer von 19 Prozent.

 

Als Ursache für den deutlichen Preisrückgang gilt vor allem der internationale Preisrutsch beim Rohöl, das seit dem Sommer um die Hälfte billiger wurde. Grund: Über das Jahr 2014 gesehen war die Nachfrage geringer als erwartet. Gleichzeitig erhöhte sich aber das Angebot, durch die zunehmende Schiefergas-Gewinnung mit der Fracking-Methode in den USA.

Die fallenden Energiepreise bescheren der Wirtschaft indes deutliche Kostenentlastungen und wachsende Umsatzerwartungen. „Das stärkt die Kaufkraft vor Ort“, sagte Siegbert Eisenach, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Schwerin (IHK). Für die Unternehmen wirkten die sinkenden Energiekosten „wie ein kleines Konjunkturprogramm“, so Edgar Hummelsheim, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Schwerin.

Beim Tanken schwanken die Preise je nach Wochentag, Tageszeit und Region ganz erheblich. „In Mecklenburg-Vorpommern ist Sprit zwischen 18 und 19 Uhr am preiswertesten“, sagte ADAC-Verkehrsexperte Carsten Willms. Unterschiede von mehr als zehn Cent im Tagesverlauf seien keine Seltenheit.
 

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